Antje Behrens schätzt diese Birnensorte sehr: eine "Bergamotte", mild und saftig, in der Form fast rund wie ein Apfel.
+
Antje Behrens schätzt diese Birnensorte sehr: eine "Bergamotte", mild und saftig, in der Form fast rund wie ein Apfel.

INFO

Spielerisch die Natur erkunden

  • vonAnne-Rose Dostalek
    schließen

Wie erkennt man einen Kirsch- oder einen Birnbaum, der gerade keine Früchte trägt? Und was hat ein Löckchen- oder Tigerbaum damit zu tun? Das, und was auf einer Streuobstwiese so kreucht und fleucht, lernen Grundschulkinder bei einem Schnuppertag beim Karbener Verein IG Streuobst.

Im Gänsemarsch kommen sie bei der Obstwiese des Vereines IG Streuobst an: 22 Kinder der Klasse 2c der Pestalozzi-Schule. Statt die Schulbank zu drücken, dürfen sie an diesem Vormittag die Streuobstwiese unter der Anleitung der Naturpädagogin Britta Hirt erkunden. Hirt ist Leiterin des Bildungsteams des Frankfurter MainÄppelhauses am Lohrberg. Engagiert wurde sie von dem Karbener Verein, der sich für den Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen einsetzt.

Seit fünf Jahren lädt der Vorstand ein zu den Schnuppertagen. Ein Angebot, das jedes Jahr ausgebucht ist. "Wir möchten, dass die Kinder lernen, dass auf einer Streuobstwiese nicht nur langweilige Bäume herumstehen, sondern dass es ein lebendiger und vielfältiger Naturraum ist", sagt Antje Behrens, Vorstandsmitglied. Gemeinsam mit Eckhard Neitzel steht sie unter den Obstbäumen, um die Schulklassen und die Naturpädagogin zu begrüßen. Insgesamt sind es vier Klassen, verteilt auf zwei Vormittage, die dank des ehrenamtlichen Engagements des Vereines die Gelegenheit haben, die Vielfalt einer Streuobstwiese zu erleben.

Bäume mit kleinen Löckchen

Die Naturpädagogin Hirt weiß, wie sie das Interesse wecken kann. "Kennt ihr den Löckchenbaum und den Tigerbaum?", fragt sie. Die Mädchen und Jungen stehen im Kreis, schwatzen aufgeregt, hüpfen hin und her. Fragende Gesichter ringsum, Kopfschütteln. Löckchen- und Tigerbaum? Noch nie gehört. Wachsen auf einer Streuobstwiese nicht eher Apfel- und Pflaumenbäume, Birnen und Kirschen? Hirt löst das Rätsel. Sie führt die Kinder zu einem Obstbaum und zeigt auf die Rinde. "Seht ihr, wie sie sich ablöst, dreht und kringelt zu einer Locke? Das ist bei Kirschbäumen so und wenn ihr euch das merkt, wisst ihr immer, wann ihr vor einem Kirschbaum steht, auch wenn er gerade keine Früchte und Blätter trägt.

Woran man einen Tigerbaum erkennt und um welchen Obstbaum es sich dabei handelt, das hat sich Lukas Witzel gut gemerkt: Er fährt mit seinen Fingern die genarbte Rinde eines Baumes nach: "Das da, das sind die Spuren von Krallen, wie sie Tiger und Katzen haben", sagt er. Daran könne man einen Birnbaum erkennen.

Einmal quer über die Wiese laufen, stehen bleiben, Augen schließen und lauschen, auch das ist ein Spiel, das die Aufmerksamkeit der Kinder schärft. Am spannendsten wird es aber, als Hirt die Becherlupen auspackt. Nicht ohne den Kindern einzuschärfen, dass sie beim Einfangen von Insekten achtsam sein müssen und die Tiere hinterher wieder freigelassen werden.

Zu jedem Insekt eine Geschichte

Allein, zu zweit oder zu dritt durchforschen die Mädchen und Jungen das Gras unter den Bäumen, fangen Grashüpfer und kleine Spinnen, entdecken Ameisen, Käfer und Mauselöcher im Boden. Um die Bienen und Wespen, die auch in der Streuobstwiese herumfliegen, machen sie vorgewarnt einen großen Bogen. "Die Insekten, die ihr hier entdeckt, sind ein großer Schatz", erklärt ihnen Hirt und kann spannende Geschichten dazu erzählen.

"Für die Klasse ist es toll, raus in die Natur zu kommen und spielerisch etwas über eine Streuobstwiese zu lernen", sagt Sandra Witzel, die als Elternteil die Schulkasse bei ihrem Ausflug begleitet.

Frau Kremer, die Klassenlehrerin der 2c, hat in Vorbereitung auf diesen Unterrichtsgang das Thema gesundes Obst und Streuobstwiese besprochen. Am liebsten würde sie im Herbst einen Apfelbaum gemeinsam mit den Kindern pflanzen. "Vielleicht klappt das ja mit der IG Streuobst", hofft sie nun.

Als sich die Kinder schon zum Abmarsch sammeln, fragt ein Junge: "Darf ich einen Apfel mitnehmen?" Er weiß auch schon ganz genau welchen - einen weit oben am Baum. Er darf, nimmt freudestrahlend den Apfel in Empfang und reiht sich ein zum Abmarsch der Klasse.

Der 2013 gegründete Verein IG Streuobst Karben bewirtschaftet und pflegt vier Streuobstwiesen, die von der Stadt gepachtet sind. Auf diesen Wiesen ist die klassische Palette des Streuobstes zu finden: Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Kirschen, Mirabellen, Mispel, Speierling. Der Verein möchte dazu beitragen, den Lebensraum Streuobstwiesen mit seiner Vielfalt zu erhalten und bekannt zu machen. Kontakt: Runder Tisch jeden ersten Dienstag im Monat in Rapp’s Juice Factory. Homepage: www.ig-streuobst.de. dos

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare