Spenden für Flüchtlinge

Karben (jas). Ein Spiegel lehnt an der Wand. Daneben liegt eine warme Bettdecke, auf dem Boden stehen Turn- und Fußballschuhe in Reih und Glied. Ordentlich gefaltete Handtücher haben ihren Platz auf einem Tisch gefunden, in zahlreichen Kartons hat Katrin Flückiger das Geschirr – Teller, Tassen und Schüsseln – verstaut.

Die Karbenerin weiß genau, was wo liegt, und vor allen Dingen, was noch gebraucht wird. Sie ist die "Chefin" des Sachspendenlagers, das ein Team aus Ehrenamtlichen in einem Anbau des Schlosses von Leonhardi aufgebaut hat. Zugute kommen die zusammengetragenen Dinge den 30 Flüchtlingen aus Eritrea, Äthiopien, Somalia, Algerien, Serbien und dem Iran, die seit Weihnachten in Karben leben. Zwölf junge Männer haben in einem Haus in der Bahnhofstraße ein neues Zuhause gefunden, 18 weitere Flüchtlinge – überwiegend junge Familien – sind in den Okarbener Fasanenhof gezogen.

Der Bedarf ist groß

Um die Erstausstattung der Neuankömmlinge, die unerwartet schnell nach Karben gekommen waren, hatte sich der Wetteraukreis gekümmert. Die Zimmer wurden möbliert, ein Kühlschrank zur Verfügung gestellt, für jeden ein wenig Geschirr gekauft. "Doch vieles fehlt, der Bedarf ist gro?, sagt Christel Wortmann, die zusammen mit ihrem Mann fast täglich zu den Fasanenhof-Flüchtlingen fährt, um zu helfen, wo es geht. Schon von Anfang bietet die Klein-Karbenerin auch Deutschunterricht an, der gerne angenommen wird. Unterstützung seit der ersten Stunde gibt es auch von Dieter Heinemann, der direkter Nachbar der Flüchtlinge im Fasanenhof ist. "Wir haben sofort gespendet, was wir hergeben konnten."

Pate für die in Groß-Karben untergebrachten jungen Männer ist der ehrenamtliche Stadtrat Philipp von Leonhardi. "Wir haben in den vergangenen Wochen gesehen, welche Fragen auftauchen, wo die Flüchtlinge Hilfe brauchen und was für das tägliche Leben fehlt." Mit dem Aufbau des Spendenlagers wolle man noch gezielter helfen. Glücklich ist von Leonhardi darüber, dass sich mit Katrin Flückiger jemand gefunden hat, der bereit ist, viel Zeit in den Aufbau des Lagers zu investieren. Die Karbenerin hat Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingen. Ehrenamtlich ist sie seit einigen Jahren für minderjährige Flüchtlinge bei der Kloppenheimer AWO-Wohngruppe im Einsatz.

Was unbedingt gebraucht wird, hat Flückiger auf einer Liste erfasst, die ständig aktualisiert wird. Gezielt bittet das "Bündnis offenes Karben" damit um weitere Spenden für die Flüchtlinge, die schon in Karben wohnen, und für weitere, die voraussichtlich im März eintreffen. "Wie viele das sein werden und wann genau sie kommen, wissen wir nicht", sagt Flückiger.

Dringend gebraucht werden derzeit Küchenutensilien, Geschirr und Wasserkocher, Handtücher, Decken, Kissen, Bettbezüge, Regale, Receiver, DVB-T-Antennen, Regenschirme, Duschvorleger, Badgarnituren und Schulsachen – vor allem Ranzen – für die vier schulpflichtigen Kinder. Warme Kleidung und Sportsachen können unter dem Stichwort "Flüchtlinge" im DRK-Kleiderladen, Homburger Straße 58, abgegeben werden. Dringend gesucht werden auch Fahrräder in allen Größen sowie Fahrradschlösser. "Der Fasanenhof liegt etwas abseits. Um mobil zu sein, sind Räder wichtig", sagt von Leonhardi. Damit die Flüchtlinge auch Sport in den Vereinen treiben können – gefragt ist in erster Linie Fußball – suchen die Helfer Turn- und Fußballschuhe. Wer Spenden abgeben möchte, kann mittwochs zwischen 18 und 19 Uhr ins Lager, Burg-Gräfenröder-Straße 2, kommen. Termine können auch per E-Mail an offeneskarben@gmx.de und unter Telefon 01 71/1 08 01 60 vereinbart werden.

Zusätzlich bittet das "Bündnis offenes Karben" um Geldspenden, um zum Beispiel Material zur Reparatur von Rädern kaufen zu können. Gespendet werden kann unter dem Stichwort "Flüchtlingshilfe Karben 4860006" bei der Sparkasse Oberhessen, Konto 0110000030, BLZ 51850079. Die Stadt stellt Spendenquittungen aus.

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