Blasenkrebs

Sie sind Experten in Sachen Blasenkrebs

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Krebs ist eine niederschmetternde Diagnose, auch Blasenkrebs. Den in Okarben lebenden Franz Hagenmaier traf diese Diagnose völlig unvorbereitet. Er hatte Glück im Unglück, der Krebs hatte noch nicht gestreut. Der Arzt, bei dem er nach der Operation eine Chemotherapie machte, gab ihm den Tipp, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Heute gibt es deren acht in ganz Hessen. Und Hagenmaier ist mittlerweile zum Spezialisten für diese Krankheit geworden.

J ahrelang hat er nichts gemerkt. Dann wurde bei ihm Blut im Urin entdeckt. Die weiteren Untersuchungen ergaben die Diagnose: Blasenkrebs. Fortan änderte sich sein Leben. Die Geschwüre wurden mit einer Elektroschlinge ausgeschabt, es folgte eine Therapie mit einem Chemotherapeutikum. Das alles erzählt Franz Hagenmaier freimütig, ist bereit, über seine Krankheit zu sprechen. Denn er will andere ermuntern, sich nicht zurückzuziehen, wenn eine solche Diagose kommt. Darüber mit Gleichgesinnten zu reden, mache es leichter.

Das wollte der Okarbener damals, im Jahr 2004, auch. Doch mit wem? Es war niemand bekannt, mit dem er sich darüber austauschen konnte. Von dem Arzt, bei dem er die Chemo absolvierte, bekam er den Tipp, doch eine Selbsthilfegruppe zu gründen. "Das habe ich zunächst virtuell angefangen", sagt Hagenmaier. Mit einem Mitpatienten tauschte er sich zuerst aus, es gab umfangreichen Mailverkehr und viele Telefonate. "Wir bekamen so immer mehr Kontakte zu Gleichgesinnten", blickt er heute auf das Jahr 2008 zurück. Die erste reale Selbsthilfegruppe wurde in jenem Jahr in Darmstadt gegründet. Es folgten Frankfurt, Bad Nauheim, später dann Gießen, Wiesbaden, Fulda und Bad Soden-Salmünster. Und im vergangenen Jahr Kassel. Mittlerweile ist der 70-Jährige zentraler Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe Blasenkrebs in Hessen.

Der persönliche Austausch hat sehr geholfen

Da hatte es Jürgen Martin schon etwas leichter. Denn als der Klein-Karbener 2017 dieselbe Diagnose bekam, war ein Ansprechpartner schon da. Damals sei er im Krankenhaus in Bad Homburg operiert worden. "Ich habe dann im Internet nach Kontakten gesucht, und entdeckt: Da wohnt jemand in Karben." Der Austausch mit Hagenmaier habe ihm sehr geholfen. "Denn wenn man mehr weiß, hat man weniger Angst. Man weiß, was auf einen zukommt." Im März 2017 wurde bei Jürgen Martin die Blase entfernt. "Da ich sportlich war und über eine gute Konstitution verfügte, habe ich die Chemotherapie ganz gut verkraftet", blickt er auf die Anfangszeit zurück. Das Ganze habe ihn und seine Familie allerdings sehr belastet. Erst recht, als bekannt wurde, dass sich in der Lunge Metastasen gebildet hatten. "Ich hatte damals schon Existenzängste, zumal einige durch die schwere Erkrankung in die Altersarmut geraten sind." Zu der psychischen Belastung sei noch der Kampf mit der Bürokratie gekommen. Vor allem der mit Kranken- und Rentenkasse. "Sie haben ihr Leben lang eingezahlt und müssen dann noch um ihre Ansprüche kämpfen", beschreibt Martin das Problem. "Diese Kraft habe ich gehabt. aber die hat nicht jeder." In Armut ist der 57-Jährige, der einst als IT-Projektmanager bei einer Versicherung gearbeitet hat, nicht gefallen, auch wenn er mit Mitte 50 als erwerbsunfähig eingestuft worden ist.

Nun engagiert er sich mit Franz Hagenmaier in der Selbsthilfegruppe Frankfurt. Alle vier Wochen finden Treffen der Betroffenen an der Frankfurter Uniklinik statt. Auch in Bad Nauheim gibt es Treffen: An jedem dritten Mittwoch im Monat kommt man in der Kurklinik zusammen.

Es wird auch gemeinsam gelacht

Die beiden Karbener haben sich zu regelrechten Experten in Sachen Blasenkrebs entwickelt. "Wir wissen aus eigener Erfahrung, was die Nachricht auslöst. Deshalb wollen wir mit unseren Kenntnissen und Erfahrungen anderen Betroffenen freiwillig und ehrenamtlich helfen." Man wolle durch das persönliche Beispiel zeigen, "dass auch mit Krebs ein lebenswertes und zufriedenes Leben möglich ist".

Deshalb werde bei den Treffen nicht nur über Probleme gesprochen, "sondern auch gemeinsam gelacht". Diese Botschaft ist den beiden Karbenern wichtig: "Es ist nicht alles so düster, wie es zunächst aussehen mag." Deshalb ermuntern sie Betroffene, zu den Gesprächskreisen zu kommen. Denn: "Wir sind authentisch."

Wer Kontakt zu den Karbenern in der Selbsthilfegruppe Frankfurt und Wetterau aufnehmen will, kann dies unter Telefon 0 60 39/93 10 94 (Franz Hagenmaier) und 0177/7 92 19 80 (Jürgen Martin) tun. Im Internet finden sich viele weitere Kontaktdaten unter www.Blasenkrebs-SHB.de.

Info

Vierthäufigste Krebserkrankung

Aus einem Flyer der Selbsthilfegruppen Blasenkrebs Hessen geht hervor, dass Harnblasenkrebs die vierthäufigste Krebserkrankung bei Männern und die siebthäufigste bei Frauen ist. Pro Jahr erkranken deutschlandweit rund 30 000 Menschen an dieser heimtückischen Krebsart. Ein wichtiger Risikofaktor ist das Rauchen, dann folgen Kontakt mit chemischen Stoffen sowie chronische Blasenentzündungen. Beim Karbener Franz Hagenmaier kam noch etwas hinzu, was kaum jemand weiß: "Ich habe viel gegrillt. Die Nitrosamine haben sich in der Blase abgesetzt." Das wichtigste Alarmzeichen ist Blut im Urin ohne Schmerzgefühl. Außerdem können häufiger Harndrang und brennende Schmerzen beim Wasserlassen darauf hindeuten, aber auch andere Ursachen haben. Sein persönliches Risiko kann jeder mit einem Selbsttest im Internet unter www.blasenkrebs.net testen. (pe)

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