Barterlass

Zur Sicherheit ohne Bart

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Wer in der Einsatzabteilung der Feuerwehr mit Atemschutz arbeiten muss, darf keinen Bart haben. Das regelt der "Barterlass". Doch was steckt dahinter?

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz. Aufräumen, Ordnung und auch Hygiene gehört für Feuerwehrleute dazu. Wurde eine Atemschutzmaske benutzt, heißt es anschließend: abwaschen und desinfizieren.

Die Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Jährlich wird ihre Fitness geprüft.

Für den Atemschutz gibt es mehrere Vorgaben. Eine davon ist der "Bart-Erlass", der in der Feuerwehr-Dienstvorschrift geregelt ist. "Einsatzkräfte mit Bart oder Koteletten im Bereich der Dichtlinie von Atemanschlüssen sind für das Tragen von Atemschutzgeräten ungeeignet", heißt es dort.

"Der klassische Dreitagebart ist schon grenzwertig", wissen die Feuerwehrverantwortlichen. Das heißt aber nicht, dass die Kameraden gar keinen Bart tragen dürfen. Der Hintergrund: Die Maske muss dicht anliegen, ein Bart darf die Sicherheit nicht gefährden. "Es gibt nicht viele bei uns, die einen Bart tragen", sagen die Feuerwehrleute.

Einer von ihnen ist Patrick Berger (23) aus Niederdorfelden: Er trägt einen Oberlippen- und Kinnbart. "Ich habe ihn so rasiert, dass der untere Kinnbereich frei ist, damit die Maske dicht anliegen kann", sagt der junge Feuerwehrmann. Ganz trennen mag er sich nicht von der Pracht – aber das muss er auch nicht. Sascha Köhler (28) stutzt täglich die Barthaare: "Ich hätte ihn gerne etwas länger, aber wegen des Atemschutzes rasiere ich immer den Dichtbereich."

Die Atemschutzmaske selbst hat am Rand zwei Dichtlippen, die verhindern sollen, dass giftige Dämpfe oder Rauch eindringen. "So lange die Maske dicht abschließt, ist das kein Problem." Und Atemschutzgerätewart Stephan Schott ergänzt: "Jeder Atemschutzträger zieht die Maske eher fester als zu locker zu. Das sieht man später beim Abnehmen, wenn derjenige Abdrücke im Gesicht hat."

Prüfen nach dem Einsatz

Umso wichtiger ist es, dass vor dem Einsatz die Dichtigkeitsprüfung erfolgt, die jeder machen muss, wenn er die Maske aufsetzt. "Die Einsatzkräfte sind darauf getrimmt. Da geht es ums eigene Leben", sagt Daniel Christ, Gemeindebrandinspektor in Niederdorfelden.

"Es gibt auch Überdruckmasken, bei denen das Luftventil die ganze Zeit geöffnet ist. Es kann keine Luft von außen eindringen, aber bei Undichtigkeit entweichen", erläutert Schott. "Das kann eine böse Überraschung beim Einsatz geben, wenn zu viel Atemluft verloren geht", sagt Christ. Während beim Normaldruck theoretisch Luft eindringen kann, ist das beim Überdruck indes nicht möglich. Beide Systeme seien gut: "Hauptsache, sie sind dicht."

Bart birgt Unfallrisiken

Bad Vilbels Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Moll geht selbst mit gutem Beispiel voran und zeigt sich stets glatt rasiert. "Ein Bart birgt Unfallrisiken", sagt er. In der Quellenstadt gebe es nur wenige der insgesamt 198 Einsatzkräfte, die einen Bewuchs hätten, ihm fallen spontan nur ein bis zwei ein. Zur Sicherheit sind in den Waschräumen der Bad Vilbeler Gerätehäuser Einwegrasierer deponiert.

Rasierer im Einsatzfahrzeug

Das ist auch in Karben der Fall, wie Stadtbrandinspektor Christian Becker berichtet. "In unseren Einsatzfahrzeugen ist Rasierwerkzeug deponiert. Unser erster Einsatztrupp ist aber immer top vorbereitet", sagt er. Bei den Karbenern ist der Bart kein Thema: "Die sind so modelliert, dass die Maske draufpasst. Bei uns hat es noch nie Probleme gegeben." Gerade die Männer, die Atemschutzeinsätze machen wollen, hätten so einen Spaß daran, dass sie deswegen keinen Bart trügen. In Karben und Bad Vilbel kommen Überdruckmasken zum Einsatz.

Die Feuerwehrverantwortlichen sind sich einig: Sie würden jeden sofort zum Rasieren schicken, wenn sie der Ansicht sind, dass die Sicherheit wegen des Bartwuchses nicht gewährleistet ist.

Info

Barterlass

Ob Berufsfeuerwehr oder Freiwillige Feuerwehr – für beide gibt es Dienstvorschriften vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. So ist zum Beispiel festgelegt, wie eine Gruppe im technischen Hilfeleistungseinsatz aufgestellt sein muss. Im Atemschutz ist der Barterlass nur einer von mehreren Punkten, an die sich die Helfer halten müssen. (iz)

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