Seniorenfachberaterin Astrid Rüger (r.) erläutert die Analyse Petterweils durch die Altenpflegeschülerinnen.
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Seniorenfachberaterin Astrid Rüger (r.) erläutert die Analyse Petterweils durch die Altenpflegeschülerinnen.

Senioren wollen Barrierefreiheit

Karben (pe). Die Forderungen waren eindeutig: Auch bei der letzten öffentlichen Anhörung der Stadt zum Altenhilfeplan für den Ortsteil Petterweil äußerten die Betroffenen einhellig den Wunsch nach Barrierefreiheit. Gleich 19 Mal prangte ein entsprechendes Schild zum Ende der Veranstaltung an der Tafel.

Die Seniorinnen und Senioren hatten zuvor Kärtchen ausgefüllt, auf denen sie mitgeteilt hatten, was sie gut finden, aber auch was verbesserungsbedürftig ist. »Den Wunsch nach Barrierfreiheit haben wir in jedem Stadtteil«, sagte die bei der Stadt für die Seniorenberatung zuständige Astrid Rüger gegenüber der WZ.

In insgesamt sieben öffentlichen Veranstaltungen haben sie, Andrea Jädicke und Projektleiter Klaus Schoenicke (beide ASB) in den vergangenen Wochen die Senioren befragt und ihnen die bisherigen Ergebnisse der Arbeit an dem Altenhilfeplan vorgestellt. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) war, wie berichtet, von der Stadt beauftragt worden, einen solchen Plan zu erarbeiten. In einem ersten Schritt waren die vorhandenen Daten erhoben worden. Zudem hatte es einen »Feldversuch« mit Altenpflegeschülerinnen gegeben, die alle Stadtteile etwa nach Barrierefreiheit und anderen markanten, für Senioren und behinderte Menschen wichtigen Einrichtungen analysiert hatten. Der zweite Schritt war die Vorstellung der bisherigen Ergebnisse und die Befragung der Betroffenen.

Die gestrige Veranstaltung in Petterweil war nach Angaben von Schoenicke die am besten besuchte. Das wundert ihn kaum, denn aus den ihm vorliegenden Daten hatte er errechnet, dass Petterweil der »älteste« Stadtteil ist, sprich, den höchsten Anteil älteren Menschen aufweist. Während in der Gesamtstadt Karben knapp ein Viertel der Menschen 65 Jahre und älter sind, kommt Petterweil auf 30 Prozent. Von den 3497 Einwohner seien 652 über 65 Jahre, 161 über 80 Jahre und 21 über 90 Jahre alt. Der Anteil der über 80-Jährigen werde sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Darin solle man aber nichts Negatives sehen, warnte der Projektleiter. Vielmehr berge der hohe Anteil der älteren Menschen in der Stadt auch einige Chancen: So würden manche Vereine ohne die älteren Mitglieder gar nicht mehr existieren, und zudem seien die Älteren die größte Konsumentengruppe. Als Ziel der Altenhilfeplanung definierte Schoenicke, dass die Menschen »möglichst lange selbstständig und selbstbestimmt leben können sollen«.

Der Projektleiter hatte schließlich noch Daten über die Pflegebedrüftigen in Karben: Im Jahr 2012 habe es 755 Pflegebedürftige gegeben, von denen 26,1 Prozent stationär gepflegt worden seien, 56,3 Prozent würden privat betreut und für 17,6 Prozent sorgten die ambulanten Pflegedienste.

Seniorenfachberaterin Astrid Rüger stellte dann die Ergebnisse der Ortsbegehung seitens der Altenpflegeschüler vor, die die fehlende Barrierefreiheit an vielen Stellen im Stadtteil entdeckt hatten. Zudem monierten sie nicht geschnittene Hecken, zu schmale Gehwege und zu kurze Ampelphasen für Fußgänger etwa mit Rollatoren.

Genau diese Mängel listeten dann in einer weiteren Runde die mehr als 30 Anwesenden auf: »Bordsteine absenken«, »Haltestellen umbauen«, »öffentliche Toilette bauen«, »Sitzbänke im Ort aufstellen«, »Hecken schneiden« und einiges mehr wurde da auf die gelben Kärtchen geschrieben. Die waren zum Schluss des Nachmittags gegenüber den blauen Kärtchen deutlich in der Überzahl: Die blauen sollten signalisieren: Das finden wir gut. Positiv wurden das Vorhandensein der Post, der Sparkasse, des Nahkaufs und anderer Einrichtungen genannt.

In mehreren Wortmeldungen und auf den Kärtchen wurde die Forderung nach mehr Informationen für Senioren vor Ort in Petterweil gefordert. Hier sagten Schoenicke und Rüger zu, dass es einen extra Termin geben werde zu speziell Senioren interessierenden Themen wie Pflegedienste. Das Fazit von Rüger: »Petterweil bietet zwar viel, aber vieles ist für behinderte und betagte Menschen nicht nutzbar.«

Der ASB-Projektleiter kündigte an, dass die Ergebnisse aus den sieben öffentlichen Foren nun in den Altenhilfeplan eingearbeitet würden. Danach gingen die Ergebnisse in die sogenannte Steuerungsgruppe, der Bürgermeister Guido Rahn und der städtische Seniorenbeirat angehören. »Daraus werden dann Handlungsvorschläge erarbeitet, über die das Stadtparlament abstimmen muss.«

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