Arbeiten gut zusammen (v. l.): Artberater Stefan Stübing, Forstamtsmitarbeiter Walter Schmidt, Landwirt Klaus Gebb und Jagdpächter Wolfgang Schomber vor dem Kiebitz-Zaun im Karbener Naturschutzgebiet Ludwigsquelle. Auch die Wasserbüffel 

locken Besucher an. 	FOTOS: PATRICK EICKHOFF/PRIVAT
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Arbeiten gut zusammen (v. l.): Artberater Stefan Stübing, Forstamtsmitarbeiter Walter Schmidt, Landwirt Klaus Gebb und Jagdpächter Wolfgang Schomber vor dem Kiebitz-Zaun im Karbener Naturschutzgebiet Ludwigsquelle. Auch die Wasserbüffel locken Besucher an. FOTOS: PATRICK EICKHOFF/PRIVAT

Naturschutzgebiet Ludwigsquelle

Schutzzaun für zehn Kiebitzpaare

  • vonPatrick Eickhoff
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Im Karbener Naturschutzgebiet Ludwigsquelle hat der Kiebitz ein Zuhause gefunden. Ein Zaun schützt den kleinen Vogel vor Angreifern. Er wurde in besonderer Zusammenarbeit errichtet.

D as ist schon etwas Besonderes«, sagt Stefan Stübing. Der Artberater der Staatlichen Vogelschutzwarte steht im Karbener Naturschutzgebiet Ludwigsquelle. An einem kleinen Teich stehen mehrere Wasserbüffel. Vögel kreisen umher. Doch der Naturschützer hat es auf einen ganz besonderen Vogel abgesehen. »Wir haben hier eine kleine eigenständige Population von Kiebitzen mit insgesamt zehn Brutpaaren.«

Bodenbrüter ist leichte Beute

Die Population des Bodenbrüters ist in Hessen in den vergangenen Jahrzehnten von mehr als 2000 auf 240 zurückgegangen. Der Kiebitz wurde aus seinem ursprünglichen Lebensraum vertrieben. Hauptfaktoren sind Entwässerung, Grundwasserabsenkung und das frühe Mähen der Wiesen.

Rund die Hälfte aller hessischen Kiebitze hat ihr Zuhause in der Wetterau gefunden, ein Großteil im Horlofftal zwischen Hungen und Reichelsheim. »Es ist wichtig, sie zu schützen. Denn auch ihre natürlichen Feinde wie Fuchs und Waschbär werden mehr.«

Um die Vögel zu schützen, haben in Karben gleich vier Parteien gemeinschaftlich gearbeitet - und das, obwohl die Interessensschwerpunkte nicht immer einhergehen. »Es war wirklich eine gute Zusammenarbeit«, sagt Stübing, der auch in der Arbeitsgemeinschaft Wiesenvogelschutz der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz in Echzell sowie der Naturschutzbehörde aktiv ist. Gemeinsam mit Walter Schmidt vom Forstamt, Landwirt Klaus Gebb sowie Jagdpächter Wolfgang Schomber hat er im April einen 500 Meter langen Zaun auf dem ein Hektar großen Gelände aufgebaut. »Die Finanzierung erfolgt über sogenannte Pflegemittel vom Regierungspräsidium Darmstadt«, sagt Schmidt.

Der Zaun schützt die Kiebitze vor allem vor den »Bodenpredatoren«, wie Stübing sagt. Denn während es immer weniger Kiebitze gibt, steigt die Population von Fuchs und Waschbär. Jagdpächter Wolfgang Schomber erläutert: »Die Fuchspopulation hat, seit es die Impfung gegen Tollwut gibt, stark zugenommen.« Da der Kiebitz auf dem Boden brütet, ist er leichte Beute für diese Tiere. »Das wollen wir natürlich verhindern«, sagt Stübing. Vom Aussichtspunkt am Radweg entlang des Naturschutzgebietes hat sich Stübing mit weiteren Vogelbeobachtern vom Entwicklungszustand der Vögel überzeugt. »Bei sechs Familien ist der Nachwuchs flügge. Bevor aber weitere Arbeiten anstehen, würde ich gerne noch zwei Wochen warten«, sagt Stübing und blickt in Richtung Landwirt Gebb. Dieser muss Mäharbeiten vornehmen. Das birgt allerdings die Gefahr, dabei auch Jungvögel zu erwischen. Das wollen alle Beteiligten um jeden Preis vermeiden. »Ich warte natürlich, bis alles sicher ist. Die Absprache lief untereinander immer sehr gut.«

Zeitaufwendige Kontrollen

Das war auch der Fall, als Gebb seine Wasserbüffel auf die Wiese gelassen hat. Probleme gibt es zwischen den Tieren keine. »Die Kiebitze und die Büffel lassen sich in Ruhe.« Und die Herde schafft weitere Vorteile für die Vögel. »Nicht nur, dass die Büffel die Wiese abweiden, durch die vielen kleinen Pfützen, die sie schaffen, haben die Kiebitze 50- bis 100-mal mehr Futtermöglichkeiten«, freut sich Stübing.

Der ungefähr 30 Zentimeter große Vogel ernährt sich hauptsächlich von Insekten und deren Larven. Regenwürmer, Samen und Früchte von Wiesenpflanzen sowie Getreidekörner sind weitere Bestandteile in seinem vielseitigen Nahrungsspektrum.

Während der orangefarbene Zaun hauptsächlich Fuchs und Waschbär aufhalten soll, besteht die Gefahr, dass sich auch andere Tiere dort verfangen. Deshalb haben Jagdpächter Schomber und Landwirt Gebb die tägliche Kontrolle übernommen. Die beiden haben gute Neuigkeiten. »Es gab überhaupt keine Vorkommnisse«, sagt Gepp. Schomber nickt zustimmend. Walter Schmidt vom Forstamt ergänzt: »Wir haben extra noch einen weißen Streifen am Zaun angebracht, weil er nicht leicht zu sehen ist, und so nehmen Rehe ihn vermutlich schon eher wahr.« Stübing freut sich über den regen Austausch der Beteiligten. »Das war der nächste Teil der guten Zusammenarbeit. Die Kontrolle des Zauns ist zeitaufwendig, aber auch sehr wichtig. Ich bin sehr froh, dass die beiden das übernommen haben.«

Denn für die Kiebitze ist das Gebiet wie ein kleines Paradies. »Durch die Quelle und den Teich ist auch in den derzeit trockenen Sommern sichergestellt, dass es immer genug Wasser gibt«, sagt Stübing. Der Kiebitz bevorzugt offenes, flaches und feuchtes Dauergrünland, Wiesen, Weiden und Überschwemmungsflächen. Diese sind in Zeiten des Klimawandels und des ausbleibenden Regens eine Seltenheit geworden. »Auch darunter leidet der Vogel«, sagt Experte Stübing.

Es gibt noch weitere Faktoren, die der Vierergruppe am Herzen liegen. »Besonders in der Brut- und Setzzeit ist es wichtig, die Vögel und die anderen Tiere in Ruhe zu lassen«, sagt Stübing. Landwirt Gebb ergänzt: »Wichtig ist, dass Hundeshalter ihre Tiere anleinen und auf den offiziellen Wegen bleiben.« Man schrecke nicht nur die Vögel ab. »Hier sind viele verschiedene Tiere unterwegs, auch die Wasserbüffel erschrecken sich bei Hunden mit Sicherheit mal. Eine Reaktion der Tiere kann folgen und auch gefährlich sein.« Immer wieder beobachtet Gebb Spaziergänger und Gassi-Geher, die einfach über die Wiesen laufen. »Ich meine das nicht böse, denn viele wissen auch gar nicht, dass sie so der Natur und den Weidetieren schaden. Deshalb bitten wir darum, die Hunde möglichst angeleint zu lassen.«

Noch sind die Kiebitze da. Im Herbst zieht es den kleinen Vogel in Richtung Süden. »Sie kommen allerdings wieder und meistens auch an die bekannte Stelle«, sagt Stübing. »Deshalb gibt es die Überlegung, einen festen Zaun zu errichten«, sagt Forstamtsmitarbeiter Schmidt. Stübing freut’s. »Das wäre der nächste Teil der guten Zusammen- arbeit.«

Das mit Gras ausgepolsterte Kiebitz-Nest wird in einer Mulde am Boden angelegt. Der Legebeginn ist stark witterungsabhängig und schwankt zwischen Anfang März bis Juni. Hauptbrutzeit ist April und Mai. Das Gelege besteht meist aus vier birnenförmigen, olivbraunen und schwärzlich gefleckten Eiern. Nach 26 bis 29 Tagen schlüpfen die Küken. Es sind Nestflüchter, die mit 35 bis 40 Tagen fliegen können und selbstständig werden. Der Kiebitz hat meist nur eine Jahresbrut, bei Verlust erfolgen jedoch häufig Nachgelege. Quelle: NABU

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