Rechtzeitig mit Schutzmaterialien eingedeckt: Für die Masken der Schutzstufe FFP2 hat Dr. Cristina Schuster eigenen Angaben zufolge 14 Euro pro Stück gezahlt.
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Rechtzeitig mit Schutzmaterialien eingedeckt: Für die Masken der Schutzstufe FFP2 hat Dr. Cristina Schuster eigenen Angaben zufolge 14 Euro pro Stück gezahlt.

Patienten spenden Masken

Schutzausrüstung dringend benötigt: Kreative Hilfen für Karbener Ärzte

  • vonJana Kötter
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Auch in Karben und Bad Vilbel warten Ärzte noch auf dringend benötigte Schutzausrüstung für ihre Arbeit. Unterdessen zeigt sich an vielen Stellen eine ungeahnte Hilfsbereitschaft.

Es war eine Aktion, die für Aufmerksamkeit gesorgt hat: Als am Karfreitag eine Hilfslieferung mit insgesamt mehr als 50 000 Schutzmasken, -anzügen und -brillen per Luftfracht aus China in Frankfurt landete, waren Fernseh-Teams ebenso dabei wie Medienvertreter dieser und anderer Zeitungen (wie berichtet). Denn: Der EC Bad Nauheim und die Firma RIB Software SE, ein Gesellschafter des Wetterauer Eishockey-Zweitligisten, haben damit aktiv den Kampf gegen das Coronavirus unterstützt. Die Asklepios-Klinik in Lich profitierte von dieser besonderen Hilfsaktion als erstes: Sie erhielt, kaum gelandet, 2.000 Atemschutzmasken der Schutzstufe FFP2.

Ein Arzt, der genau weiß, wie dringend Schutzmaterial in Kliniken und Arztpraxen in diesen Tagen gebraucht wird, ist Sarmad Larik. Der Facharzt für Allgemeinmedizin arbeitet in Karben aktuell mit kreativen Tricks: Weil Schutzausrüstung fehlt, hat er den Praxisbetrieb im Hessenring quasi auf die »Fensterbank« verlegt, erzählt er. Durch ein offenes Fenster der im Erdgeschoss gelegenen Praxis geben die Medzinischen Fachangestellten (MFA) Rezepte aus oder nehmen die Gesundheitskarten der Patienten an. »Da staunen manche nicht schlecht«, sagt der Hausarzt schmunzelnd. »So etwas hat man in Karben noch nicht gesehen.«

Dabei ist es die Not, die in diesen Tagen erfinderisch macht. Denn auch Larik fehlt Schutzausrüstung. Ein Minimieren der direkten Kontakte hilft also, die vorhandenen Ressourcen sparend einzusetzen. »Der Schutz meines Teams hat oberste Priorität.« Zuletzt hat sich Larik dafür mit Hilfe eines chinesischen Freundes selbst geholfen: Dieser hatte eine größere Lieferung an Ausrüstung bestellt und eine Handvoll Muster für Atemschutzmasken und -kittel erhalten, die er seinem Freund gespendet hat. »Die Mutter einer Mitarbeiterin hat darüber hinaus Mundschutze selbst genäht«, berichtet er von einer netten Geste der Unterstützung. Diese seien jedoch als Symbol im öffentlichen Leben geeignet, nicht aber zum Schutz des medizinischen Personals.

Praxisbetrieb übers Fenster

In der Tat können textile Mundschutze laut Robert Koch-Institut (RKI) im Falle einer Infektion helfen, die eigenen »gefährlichen« Tröpfchen beim Sprechen oder Husten einzufangen - ein Mund-Nasen-Schutz verhindert der aktuellen Studienlage zufolge jedoch keine Ansteckung mit dem Coronavirus. Laut RKI sind dafür eine gute Händehygiene, Einhalten von Husten- und Niesregeln und das Abstandhalten die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen.

In weiten Teilen Deutschlands berichten Hausärzte unterdessen von der Hilfsbereitschaft von Handwerksbetrieben oder den temporär ohnehin geschlossenen Kosmetik- oder Tättoostudios, die dort üblicherweise eingesetzte Materialien spenden. Auch RIB-Geschäftsführer Thomas Wolf, der seit 20 Jahren in Asien lebt und arbeitet, hat angesichts der Corona-Epidemie überlegt, wie er selber helfen könnte. »Meine Eltern sind beide dement und im Krankenhaus. Die Betreuer sind alle ohne Masken unterwegs«, erzählt er. »Als ich diesen Notstand gesehen habe, habe ich beschlossen, dass wir auch als mittelgroßes Unternehmen einen Beitrag leisten müssen, diese Krise so schnell wie möglich zu beenden.«

Auch kleinere Unternehmen springen ein - sei es durch eine Spende vorhandener Schutzmaterialien oder durch das Bauen sogenannter Spuckschutze. Ein entsprechender Aufruf dieser Zeitung, diese »Tauschbörse« zu nutzen (siehe Kasten), blieb bei den Ärzten der Region bislang jedoch ungenutzt. Wohl auch, weil individuell bereits Lösungen gefunden waren.

Letzten Masken im Baumarkt ergattert

So hat Dr. Jürgen Fehr, der in seiner Okarbener Praxis von ersten bestätigten Corona-Fällen berichtet hatte (diese Zeitung berichtete), beispielsweise noch eine Ladung Schutzmaterial im Baumarkt ergattern können. Auch Dr. Christine Schuster, die jüngst ihre hausärztliche Praxis auf dem Bad Vilbeler Heilsberg eröffnet hat, konnte sich noch Schutzmasken und -anzüge sichern - weil sie bereits »am Anfang der ernst werdenden Lage« reagiert hat. Für die Masken der Schutzstufe FFP2 hat sie eigenen Angaben zufolge 14 Euro pro Stück gezahlt.

Aktuell sieht Schuster jedoch einen neuen, deutlich passenderen Weg kommen: Neuerdings bietet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen einen Online-Shop, in dem Ärzte Schutzmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel kostenlos beziehen können. Noch seien keine Waren ausgeliefert, heißt es auf Nachfrage, dies solle jedoch in den nächsten Tagen anlaufen.

Die Zeitung wird zur Tauschbörse

Nicht zuletzt die lokale Tageszeitung wird in der Bekämpfung des Coronavirus in vielen Regionen aktuell zum wichtigen Sprachrohr. So wenden sich Hausärzte in ganz Deutschland an Redaktionen, um einen Aufruf für Schutzmaterialien zu starten - und das mit Erfolg. In einigen Regionen sind bereits ganze »Tauschbörsen« für Hilfsbedürftige und Menschen, die andererseits helfen wollen, über die Lokalzeitung entstanden.

Wenn Sie Hilfe benötigen oder Schutzmaterial in großen Mengen auf Lager haben, melden Sie sich bei dieser Redaktion per E-Mail unter redaktion@wetterauer-zeitung.de.

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