Klavierschüler Thierry Hertzog trifft sich nach wochenlangem Face-Time-Unterricht erstmals wieder mit seiner Lehrerin Alexandra Kalbe in der Musikschule.	FOTO: FAUERBACH
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Klavierschüler Thierry Hertzog trifft sich nach wochenlangem Face-Time-Unterricht erstmals wieder mit seiner Lehrerin Alexandra Kalbe in der Musikschule. FOTO: FAUERBACH

Schüler und Lehrer freuen sich über Lockerungen

  • vonChristine Fauerbach
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Karben/Bad Vilbel (cf). Nach über sieben Wochen bieten Dreiviertel der 76 Lehrer der Musikschule Bad Vilbel und Karben ihren Schülern wieder Präsenzunterricht für einzelne Schüler sowie für Kleingruppen bis fünf Personen an. Zu ihnen gehören André Craul, der Horn und Trompete unterrichtet, Perkussion-Lehrer Peter Koch und Klavierlehrerin Alexandra Johanna Kalbe. Sie alle haben wie ihre Kollegen, die 3000 Musikschüler über Facetime, also per Mobiltelefon oder iPad unterrichtet. Präsenzunterricht war seit dem 17. März nicht erlaubt.

Umso mehr freuen sich Musikschulleiterin Corinna Probst und ihre Stellvertreterin Isabella Kreith darüber, dass jetzt wieder Unterricht unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln in der Alten Mühle, im Alten Rathaus und in der Rockademy in Bad Vilbel möglich ist. »Ab Montag bieten wir auch wieder Präsenzunterricht im Jukuz Karben an«, kündigt Probst an. Dagegen ist der Unterricht an den Schulen Bad Vilbel und Karben im Gegensatz zu anderen Städten wie Butzbach und Nidderau noch nicht möglich. Dafür müsste die Musikschulleiterin vom Schulamt grünes Licht bekommen und die Schulen entsprechende Räume zur Verfügung stellen. Einzig die Saalburgschule habe bisher eine Genehmigung signalisiert.

Zusagen und Räume fehlen

»Es ist für alle Beteiligten eine schwierige Situation. Theoretisch ist der Unterricht an Schulen eingeschränkt möglich, aber praktisch fehlen Zusage und Räume«, berichtet das Leitungsteam der Musikschule. Das Duo ist froh, dass die Städte Bad Vilbel und Karben entgegenkommend sind und Räume zur Verfügung stellen, damit der Präsenzunterricht unter Einhaltung aller Vorschriften wieder möglich ist. Auch danken sie den Vorstandsmitgliedern Jürgen Werner und Altfried Schrader für ihre Unterstützung. Beim Unterricht muss der Sicherheitsabstand von 1,5 bis zwei Metern eingehalten werden. Bläser und Sänger sind von ihren Lehrern durch mit transparenter Folie bespannte Trennwände separiert. Alle dürfen die Gebäude und Räume nur mit Mund- und Nasenschutz nach Desinfektion der zuvor gewaschenen Hände betreten. Begleitpersonen dürfen nur nach Absprache und in Ausnahmefällen in die Gebäude. Der Unterrichtsraum darf nur nach Aufforderung durch die Lehrer betreten werden. Bläser sollen ein Tuch mitbringen und unterlegen, das sie anschließend in einer Tüte zum Entsorgen mitnehmen. Die Lehrer desinfizieren stationäre Instrumente wie Klaviere, aber auch Türklinken und Lüften die Räume zwischen den Unterrichtsstunden. Der Austausch von Instrumenten, Bögen, Schlagzeugstöcken oder Mundstücken zwischen Schülern und Lehrern ist Tabu.

Üben für Vorspiele und Konzerte

Trotz aller Schutzmaßnahmen und Hygienevorschriften freuen sich die Musikschullehrer und ihre Schüler wieder auf den Unterricht. Zu ihnen gehört Rafael Borcherding (8), der seit vier Jahren bei Peter Koch Unterricht nimmt. Nebenan bläst Fabienne Jordan (9) angeleitet von Lehrer André Craul in ihr Waldhorn.

»Ich habe mit dem Unterricht vor fünfeinhalb Jahren begonnen«, berichtet die Schülerin. Eine Etage höher spielt Thierry Hertzog (16) unter den Augen von Kalbe konzentriert auf dem Klavier für Vorspiele und Konzerte.

Noch nicht möglich ist Präsenzunterricht für große Ensembles, Chöre, Orchester, den Elementarbereich oder den Gitarrenspielkreis. »Die Sänger planen ab Juni wieder Präsenzunterricht«, informiert Kreith. Sie schickt an die Schüler des Elementarbereiches Studienpakete. Die Lehrer sind auf Unterstützung der Eltern angewiesen. »Wir haben mit dem Ersatzangebot unglaublich viel Arbeit«, sagt Kreith. Stolz ist das Schulleitungsteam auf seine Lehrer. »Sie sind engagiert und problemlos vom Präsenz- auf Video- und Fernunterricht umgeschwenkt, obwohl der Zeitaufwand doppelt so hoch ist.« Beim Onlineunterricht würden andere Aspekte gelten. Da habe die Technik im Vordergrund gestanden. »Videounterricht ist zwar keine Krücke, doch alle freuen sich wieder auf den Präsenzunterricht.«

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