Geranien und mehr: Maskiert zeigen Ulla Duchardt, BBW-Bereichsleiterin Grüne Berufe, und Ausbilder Stephan Lenkl Produkte der hauseigenen Floristik.	FOTOS: JÜRGEN SCHENK
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Geranien und mehr: Maskiert zeigen Ulla Duchardt, BBW-Bereichsleiterin Grüne Berufe, und Ausbilder Stephan Lenkl Produkte der hauseigenen Floristik. FOTOS: JÜRGEN SCHENK

Schnell durch die Blumenpracht gestöbert

  • vonJürgen Schenk
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Karben (jsl). Die Zeit der Veränderungen macht auch vor dem Berufsbildungswerk (BBW) in Karben nicht halt. Den »Tag der offenen Gärtnerei« wird es wegen der Corona-Krise in diesem Jahr nicht geben - zumindest nicht in seiner bisherigen Form. Absagen wollte man den Termin nicht, denn die vielen Tausend Pflanzen aus den BBW-Gewächshäusern sollen ja ihre Abnehmer finden. Was bei dieser abgespeckten Version fehlt, sind die Auszubildenden aus dem Floristikbereich, die den Kunden sonst beratend zur Seite stehen. Die jungen Leute sind nämlich alle noch nicht an ihre Ausbildungsstätte zurückgekehrt. An den unumgänglichen Abstands- und Hygieneregeln fehlt es beim Pflanzenkauf aber nicht. Nur so ist diese erste »Veranstaltung« in Karben seit vielen Wochen überhaupt durchführbar.

Schnell wird aber klar, dass sich der Verkauf im BBW nicht wesentlich von einem Supermarkteinkauf in Corona-Zeiten unterscheidet. Die Atmosphäre ist wie überall befremdlich, irgendwie gehetzt. Die »GaLa-Halle« hinter dem Parkplatz darf nur mit Einkaufswagen und Mundschutz betreten werden. Es wird auf den Mindestabstand von 1,50 Metern geachtet und darauf, dass sich nicht zu viele Kunden gleichzeitig in den beiden Gängen befinden.

Auf Musik, Kinderprogramm und Verköstigung muss in diesem Jahr ganz verzichtet werden. Es gilt die Devise: Einmal durch und zur Kasse gehen. Ein zügiger Abverkauf ist die Maßgabe. Die Besucher sind diszipliniert und halten sich überwiegend an die geltenden Richtlinien.

Ulla Duchardt, Bereichsleiterin Grüne Berufe im BBW, ist mit der gegenwärtigen Situation sehr unglücklich, daraus macht sie keinen Hehl. Sie vermisst nicht nur die 60 bis 70 Auszubildenden, die in den Vorjahren den »Tag der offenen Gärtnerei« mit stemmten und erste Verkaufserfahrungen im Kundenkontakt sammeln konnten. Auch die Stimmung habe sich im ganzen Umfeld natürlich verändert.

»Normal wird jetzt anders sein«, befürchtet Duchardt. »In der Vergangenheit fand der Verkauf immer freitags und samstags am letzten Wochenende im April statt. Da waren unsere zwölf Gewächshäuser auf, und die Kunden konnten sich ihre Pflanzen direkt dort aussuchen. Unterstützt und beraten wurden sie dabei von unseren Azubis.« Von ihnen fehlt derzeit noch jede Spur.

120 Azubis ab Montag zurück

Alle befinden sich entweder zu Hause oder in betreuten Wohneinrichtungen. Von dort wurden sie in den letzten Wochen digital geschult und standen in regelmäßigem Telefonkontakt mit ihren Ausbildern. Peu à peu sollen sie ab nächsten Montag ins BBW zurückkommen, mit einer ähnlichen Staffelung, wie es in den hessischen Schulen geplant ist. »Wir wollen mit der Oberstufe beginnen. Das sind rund 120 junge Leute«, erläutert Pressesprecher Ivo Wittich. »Ganz sicher ist das aber noch nicht. Wir müssen die behördliche Genehmigung vom Sozialministerium abwarten.«

Pflanzenliebhaber sollten sich trotz aller Widrigkeiten von einem Besuch im BBW nicht abhalten lassen. Die angebotenen Blumen und Nutzpflanzen sind unabhängig von Corona wunderbar gewachsen und bieten die gewohnte Qualität. In kräftigen Farben leuchten Geranien, Petunien, Fuchsien und Begonien. Gemüse und Gewürze stehen ebenfalls in großer Auswahl zum Verkauf bereit. Der Sommer, der diesmal wohl auf dem eigenen Balkon oder im Garten stattfinden muss, scheint in dieser Hinsicht gerettet zu sein. Und die Preise dürften durchaus überzeugen. »Alles, was blüht, kostet 2,50 Euro«, sagt Duchardt. »Veredelte Tomaten und Gurken sind etwas teurer. Aber wir können unsere Pflanzen in einem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten.« Wegschmeißen müsse man nichts. Produkte, die übrig blieben, könnten auf dem Großmarkt verkauft werden.

»Blumen machen gute Laune und bringen ein Stück Lebensfreude in den Alltag«, findet eine Kundin aus Karben, die mit ihrer Mutter zum Einkaufen gekommen ist. In so einer schwierigen Zeit wie jetzt sei dieser positive Effekt nicht zu unterschätzen.

Heute auch noch geöffnet. Der Pflanzenverkauf im Berufbildungswerk Südhessen dauert noch bis einschließlich heutigen Donnerstag. Die Öffnungszeit: 9 bis 17 Uhr.

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