Carolin Thon (M.) zeigt den jungen Karbenern in der Comic-Werkstatt, wie sie ihre illustrierten Geschichten gestalten (v. l.): Lui, Alex, Jakob und Sara. FOTO: JANA KÖTTER
+
Carolin Thon (M.) zeigt den jungen Karbenern in der Comic-Werkstatt, wie sie ihre illustrierten Geschichten gestalten (v. l.): Lui, Alex, Jakob und Sara. FOTO: JANA KÖTTER

Von Scherben, Schlüsseln und anderen Figuren

Karben(jkö). Konzentriert blickt Sara auf die vor ihr stehende Tasse, dann senkt sich ihr Blick wieder. Mit dem Bleistift in ihrer Hand verpasst sie der vor ihr liegenden Skizze den letzten Schliff. Darauf zu sehen: "Tilda die Tasse", die bei einem Bruch Hilfe von "Klara der Klebetube" bekommt. Denn die vor ihr stehende Tasse wird zur Protagonistin in Saras erstem eigenen Comic. "Die Geschichte klingt gut", sagt Carolin Thon mit Blick auf das "Drehbuch" und nickt zustimmend. "Echt super!"

Die Sozialarbeiterin leitet die Comic-Werkstatt, in der Sara und vier weitere Schülerinnen und Schüler in die Kunst der illustrierten Geschichten eingeführt werden. Es ist eines von zahlreichen Angeboten, die das Jugend- und Kulturzentrum (Jukuz) Karben in diesem Sommer statt des Kinderplaneten anbietet (diese Zeitung berichtete). Im Team ist die Idee der Comic-Werkstatt entstanden. "Ich bin selbst gern kreativ, und da lag für mich nahe, das Angebot zu betreuen", erzählt Thon. Insgesamt vier Wochen entwirft die 25-Jährige mit den Kindern Geschichten und bringt diese zu Papier: In den ersten beiden Ferienwochen waren an sechs Tagen vier Grundschülerinnen und Grundschüler in der Comic-Werkstatt, aktuell sind Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse angesprochen.

Drehbuch kommt vorm Zeichnen

Die Gruppen sind nicht nur für eine bessere Betreuung so klein gehalten, erklärt Thon. Bei der Gestaltung der Tage habe sich das Jukuz an den für Schulen herrschenden Corona-Regeln orientiert. Während des Zeichnens steht das Fenster dauerhaft geöffnet, die tägliche Mittagspause verbringe man am liebsten an der frischen Luft, erzählt die Betreuerin. Dabei verzehren die Kinder ihr von zu Hause mitgebrachtes Mittagessen.

Von Carolin Thon lernen die Teilnehmer dreimal in der Woche von jeweils 10 bis 14.30 Uhr, worauf es ankommt: Vom richtigen "Plot" bis zur Kolorierung der Bilder. Während Sara noch Feedback zu ihrem "Plot", also einer Art Drehbuch, für das sie die einzelnen Szenen auf kleine Papiere geschrieben hat, erhält, geht der ihr gegenübersitzende Alex bereits ans Ausmalen.

In seinem Comic "Wo ist mein Schlüssel?" spielt ein Schloss die Hauptrolle - und sucht, inklusive Höhen und Tiefen, den zu ihm passenden Schlüssel. "Ich habe am Anfang überlegt, ob es eher ein Krimi oder eine Liebesgeschichte werden soll", grinst der Zeichner.

Angenähert haben sich die Nachwuchskünstler an die eigenen Comics über eine einfache Übung: "Jeder von uns hat einen Gegenstand bekommen", erzählen sie. Aus Cocktail-Schirmchen, Dartpfeil oder eben Schloss und Tasse sollten dann Comic-Figuren werden. Was daran besonders schwer ist, empfindet jeder anders, weiß Thon.

"Für manche ist das Schreiben der Geschichte eine größere Herausforderung, für andere dann das Umsetzen auf dem Papier." Emilia, die schon allerhand Erfahrung mitbringt und auf einer App erste eigene Animationen erstellt hat, kann das nur bestätigen. "Ich hatte die Geschichte schon in meinem Kopf", sagt die Schülerin. "Aber das Zeichnen ist dann gar nicht so einfach." Dabei kann gerade das gemeinsame Kreativsein die eine oder andere Idee hervorbringen, zeigt sich. Bei der Besprechung von Saras Tassen-Comic etwa finden die Schüler gemeinsam einen Titel: "Scherben bringen Glück".

Gute Idee gegen Ferien-Langeweile

Was alle eint, ist die Liebe zu den Comics. Während Alex begeisterter Mickey-Mouse-Leser ist, hat sein Sitznachbar Lui ein "ganzes Regal Donald Duck" daheim.

Dass Comics aber nicht nur etwas für Kinder sind, weiß Carolin Thon, die selbst gerne Graphic Novels liest, genau: Ihr Tipp für Erwachsene ist "Maus", in der Art Spiegelman die Geschichte seines Vaters, einem Auschwitz-Überlebenden, erzählt.

Ihren neuen Lieblingscomic aber halten die Teilnehmer schon bald selbst in der Hand: Den eigenen. "Ich finde es echt gut, dass meine Mama mich überredet hat", sagt Alex, der anfangs skeptisch gewesen ist, ob die Comic-Werkstatt das Richtige für ihn ist. "Sonst hätte ich mich in den Ferien vielleicht doch öfter mal gelangweilt."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare