Der Karbener Veranstaltungsspezialist satis&fy hat unter den Folgen der Corona-Pandemie besonders zu leiden. Noch sind 80 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit. Der IHK-Regionalausschuss hat sich nun vor Ort über die Lage in der Veranstaltungsbranche informiert. FOTOS: ARCHIV
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Der Karbener Veranstaltungsspezialist satis&fy hat unter den Folgen der Corona-Pandemie besonders zu leiden. Noch sind 80 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit. Der IHK-Regionalausschuss hat sich nun vor Ort über die Lage in der Veranstaltungsbranche informiert. FOTOS: ARCHIV

Karbener Eventdienstleister

Satis &Fy: Existenzsorgen hinterm Vorhang

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Abgesagte Messen, Konzerte und Tagungen - die Veranstaltungsbranche gehört zu den am stärksten von der Corona-Pandemie gebeutelten Wirtschaftszweigen. Trotzdem sei die Firma satis&fy in Karben gerne Gastgeber für den Regionalausschuss Wetterau der IHK gewesen.

Karben(pm). Kürzlich kam der Ausschuss zu seiner ersten Sitzung nach der Corona-Zwangspause beim Marktführer für Live-Kommunikation zusammen, teilt die IHK Gießen-Friedberg mit.

"Dem Unternehmen satis&fy sind von heute auf morgen unverschuldet Angebot und Nachfrage weggebrochen. Die Politik kann sich nicht vorstellen, wie schwer so eine Situation für alle Beteiligten wirklich ist, wie viele Einzelschicksale daran hängen", erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. "Die IHK unterstützt Ihr Unternehmen wo es nur geht."

Das Unternehmen ist in Karben verwurzelt. Es hat insgesamt zehn Standorte, erklärte Prokuristin Renata Thoma. Neben eigenen Werkstätten verfügt satis&fy auch über Programmier- und Probestudios sowie einen Showroom. "Wir sind die, die hinter dem Vorhang stehen", erläuterte sie. Von der Gestaltung des Gewerkschaftstages der IG Metall über den Bühnenbau der "Let’s-Dance"-Tournee bis hin zum Erstellen einer riesigen LED-Wand zur Vorstellung eines neuen Handys reiche das Spektrum des Unternehmens. "Vom Konzept über das Projektmanagement bis hin zu Fabrikation und Veranstaltungstechnik sind wir Ansprechpartner für alles", erklärte Thoma.

Branche ist verunsichert

"Von Januar bis März waren unsere Auftragsbücher mehr als gefüllt, dann kam Corona und von heute auf morgen standen wir vor dem Nichts", erläuterte Chris Fleck. Er ist Vorstandsmitglied der satis&fy AG. "Der Lockdown hat die ganze Branche verunsichert." Glücklicherweise seien in der Krise einige Türen aufgegangen, beispielsweise zur IHK Gießen-Friedberg.

Für die Veranstaltungsbranche stünden keine staatlichen Hilfsangebote bereit. So falle das Unternehmen mit 500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 85 Millionen Euro im Jahr 2018 nicht unter die kleinen und mittelständischen Betriebe. "Unser zentrales Problem ist, dass wir nicht wissen, wann es weitergeht", sagte Fleck. Trotz einer Größe von 113 Milliarden Euro Umsatz habe die Branche, die sich erst in den 1980ern etabliert habe, keine Lobby. Derzeit sei man dabei, sich zu konsolidieren, habe neue Veranstaltungsformate kreiert, eigene Hygieneleitlinien verfasst und mache gemeinsam mit anderen Betroffenen auf die prekäre Situation aufmerksam. Die Planungen für das neue Jahr würden eher defensiv laufen. Live-Konzerte könnten voraussichtlich bis Mai 2021 nicht realisiert werden. Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen seien hingegen durchführbar, sofern man auf die Einhaltung der Hygieneregeln und den nötigen Abstand achte.

Fleck sei froh, dass man noch keine Kündigungen aussprechen musste. Derzeit seien etwa 80 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit. Man hoffe vielmehr, dass die Mitarbeiter dem Unternehmen erhalten bleiben. "Wir brauchen den Mut der Menschen, wieder Veranstaltungen durchzuführen, und den Mut der Menschen, wieder Veranstaltungen zu besuchen", erklärte Fleck. Während der Tagung gab es einen Rundgang übers Firmengelände.

Neue Ideen für das Stadtmarketing

Im Verlauf des Treffens stellte Christian Sperling (Wetter-aukreis) das Tourismuskonzept des Wetteraukreises vor. Das Konzept fußt auf einem Kreistagsbeschluss aus dem Jahr 2018. Als touristische Stärke des Wetteraukreises nannte Sperling unter anderem die Lage und Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet. Hotspots seien neben den Gesundheitsorten Bad Nauheim, Bad Vilbel und Bad Salzhausen auch die Keltenwelt am Glauberg. Die Kreise Offenbach, Groß-Gerau und Wetterau sowie die Städte Hanau, Darmstadt, Offenbach und Frankfurt hätten darüber beraten, ob sie eine gemeinsame Destination bilden. Eine touristische Verknüpfung mit FrankfurtRheinMain schaffe eine Attraktivitätssteigerung auch für die Einwohner des Wetteraukreises.

Daniel Kaiser von der IHK stellte die Imagekampagne "Heimat shoppen" vor. Deren Koordination über das örtliche Stadtmarketing oder den jeweiligen Gewerbeverein erfolgt. Ziel der teilnehmenden Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen sei es, beim Kunden ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass erst die Geschäfte eine Stadt lebenswert und bunt machen. Der Ausschussvorsitzende André Haußmann aus Bad Vilbel erklärte: "Es müssen zukünftig noch viele weitere solcher Konzepte entstehen."

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