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Uta Köbernick hat mit verstimmten Saiten zu kämpfen und liefert dennoch ab.

Satirisch, subtil, sprachgewandt, unterhaltsam

  • VonChristine Fauerbach
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Karben (cf) Sommer, Sonne, Open-Air-Kultur. Uta Köbernick begeistert bei ihrer Premiere in Karben mit Liedern, Texten, Rollenspielen und Humor. Gefeiert wurde sie von jubilierende Amseln, tanzende Mücken, applaudierenden Zuhörern und glücklichen Veranstaltern.

Nach fast einem Jahr meldet sich die Kultur-Initiative Karben mit der dritten Veranstaltung ihres Jubiläumsprogramms aus dem vergangenem Jahr, auf der Bühne zurück. Und feierte dabei gleich noch zwei weitere Premieren. Einmal die erste Open-Air-Veranstaltung der KiK und dann den ersten Auftritt von Schauspielerin, Kabarettistin und Liedermacherin Uta Köbernick in Karben. »Wir haben heute improvisiert, Tische aus Bierkästen und Bänken gebaut und Blumen aus unseren Gärten mitgebracht«, informierte Nica Malasomma Jelko vom KiK-Team die 60 Zuschauer.

Die Gäste verbreiteten mit pfiffigen Hutkreationen einzelner Zuschauerinnen, zu Sonnenschirmen umfunktionierten Regenschirmen und zahlreichen Fächern einen Hauch von Urlaubsstimmung. Mit Applaus begrüßt wurde Uta Köbernick. Die verkündete selbstbewusst den in weitem Abstand auf der Wiese sitzenden Besuchern: »Ich sehe wie es ihnen geht und sie sind nervös.«.

Liebe in Zeiten von Corona

Mitgebebracht hatte sie in die südliche Wetterau ihr fünftes Programm »Ich bin noch nicht fertig«. Was sich wie eine Drohung anhörte, entpuppte sich im Laufe des Nachmittags als politisches Musik-Kabarett mit ganz viel Poesie, kurzweilig und unterhaltsam. Oder um es mit den Worten der in Zürich lebenden Künstlerin zu sagen: »Ich sing Lieder und sag Sachen«, teils mit Schweizer- oder Berliner-Zungenschlag. Der Live-Auftritt im Grünen verlangte Uta Köbernick im Laufe ihres Programms eine Menge Nervenstärke, Improvisationstalent und Humor ab. Bereits die Darbietung des zur sommerlichen Hitze passenden Begrüßungslieds mit der Botschaft »Manchmal bin ich einfach lieber im Schatten und rette meine Haut« verzögerte sich.

Denn erst musste sie einen Knoten aus dem Kabel ihrer Gitarre entwirren. Zu kämpfen hatte sie im Laufe des knapp zweistündigen Programms mit durch die Hitze verstimmte Saiten an ihrer Gitarre, Geige und Ukulele und zu guter Letzt noch einem ausgefallenen Mikrofon. »Das ist krass«, kommentierte sie. Und bekannte: »Ich habe meinen Song »Und auf einmal so viel Schnee« noch nie mit so viel Vogelgezwitscher im Hintergrund gesungen.«

Fliegende Rollen-, Kostüm-, Frisuren- und Szenenwechsel gingen mit der »Black«-Ansage ans Publikum einher. Die Open-Air-Bühne hat ihre eigenen Bedingungen und so verkündete die Künstlerin ironisch: »Ja, so haben sie sich den Neustart Kultur vorgestellt.« Und sang sich selbst auf der Geige begleitend: »Ich steh hier seit einer Stunde, wenn ich hier nicht mehr stehen darf, dann hat das gute Gründe.«

Diese Gefahr bestand in Karben nicht. Dem Publikum gefiel sichtlich was es sah und hörte. Den Zeitgeist kommentierte sie aus verschiedenen Blickwinkeln in einem »Corona-Block«. In ihm wirft sie einen kritischen Blick aufs Künstlerdasein und die Liebe in Zeiten von Corona. »Was haben die Künstler das ganze letzte Jahr gemacht? Gejammert!«

Die Künstlerin hinterfragt gesellschafts-politische Verhältnisse etwa beim Blick von »Tanja Ostkreuz« auf Termine beim Jobcenter »Sag wie leise muss sie werden bis man sie hört?« oder die Komplizen der Bürokratie »Wenn es sein muss, pressen wir alles in zwei Zeilen«. Zustimmendes Nicken der Zuschauer als die Ossi-Frau sagt: »Bei uns im Osten war Realtiätssinn gefragt, wir lebten schließlich in einer Utopie«.

Aufmerksames Zuhören war für das Publikum ebenso angesagt wie mitdenken. Denn: »Welcher Quelle kann man noch trauen? Welche Information soll ich wie gewichten? Was ist in dem Dschungel aus Facebook-Likes überhaupt wichtig?«

Wie haben Sie die auftrittsfreie Zeit genutzt?

Ich habe mein fünftes, im Sommer 2017 zu Ende geschriebenes Programm »Ich bin noch nicht fertig« aktualisiert. Rund eine halbe Stunde habe ich mit neuen Texten gefüllt, dafür andere, die sich überholt hatten, gestrichen. Und ich habe eine Geschichte für eine Anthologie geschrieben.

Sind Sie in der Pandemie aufgetreten?

Meine Auslastung von Mitte Dezember 2020 bis Ende April 2021 lag in der Schweiz bei einem Drittel gegenüber der Vor-Corona-Zeit.

Kennen Sie Karben und Umgebung?

In Karben bin ich zum ersten Mal. Auftritte hatte ich als Mitglied des Willy-Praml-Theaters in Frankfurt und in der Alten Mühle mit den Inszenierungen von »Das weiße Rössl« und »Die Fledermaus«. cf

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