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Ausgang von der Gaststube zum ehemaligen Biergarten.

»Rendeler Hof« bald entkernt

  • VonJürgen Schenk
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Jetzt scheinen wohl die letzten Tage des »Rendeler Hofes« gekommen zu sein. In nicht allzu ferner Zukunft wird das Traditionsgebäude aus dem Ortsbild von Rendel verschwinden. Das ist entschieden und unwiderruflich.

S eit etwa einem Jahr steht ein Bauzaun mit Firmenplakaten im Bereich der Hausfront der ehemaligen Gaststätte »Rendeler Hof«. Jetzt könnte das Schicksal des alten Dorftreffpunktes in Rendel sehr schnell besiegelt sein. Eine Abrissfirma steht schon in den Startlöchern. Aber noch fehlt es scheinbar an der finalen Genehmigung. Fenster und Einrichtung, vor allem große Mengen an Holzbauteilen aus dem Innern, werden abgebrochen und containerweise entsorgt. Diese Aufgabe hat eine Kolonne des Industrie- und Altlastentsorgungsbetriebes »AVR« aus Hanau übernommen. Die sogenannte »Hausentkernung« werde in spätestens einer Woche beendet sein, meint ein Firmenmitarbeiter vor Ort.

Trostlosigkeit hat sich breit gemacht

Nach drei Jahren Stillstand hatte die Besitzerfamilie Schneider den »Rendeler Hof« im Jahr 2020 an ein Investmentunternehmen veräußern müssen. Nach dem Tod des Wirtes Heinz Schneider war die altehrwürdige Gaststätte, in der es einst auch einige Gästezimmer gab, nicht mehr recht vorangekommen. Allen Anstrengungen der weiblichen Hinterbliebenen zum Trotz. Eine Modernisierung wäre unabdingbar gewesen. Bereits im September 2020 prophezeite Schneiders Enkelsohn Volker Stich gegenüber dieser Zeitung, dass es kein neues Gasthaus geben werde.

Tatsächlich ist die Trostlosigkeit, die sich zuletzt um den »Rendeler Hof« herum breit gemacht hat, für viele Leute im Ort kein würdiger Zustand. Denn schließlich wissen doch gerade die Alteingesessenen, was früher an der Kurve nach Klein-Karben alles los war. Maskenbälle, Kinderfasching, Kerbfeierlichkeiten, Theatervorführungen, - die Liste ist lang und steckt voller Erinnerungen an einstmals glanzvolle Zeiten.

Manches Herz habe beim Tanzen sein passendes Pendant gefunden, erzählt man sich. Auf andere Art unvergessen dürfte die Zeit bleiben, in der die »Roßmarktbrüder« aus Klein-Karben in dem Gasthaus unterschlüpften. Damals, in den 1930er Jahren, hieß das Haus noch »Frankfurter Hof« und wurde von den Meiers betrieben. Gut ist nur, dass keine Abrissmaschine dieser Welt solche schönen Erinnerungen zerstören kann.

Rahn: Bisher nur eine Bauvoranfrage

»Wir sind immer gerne dorthin gegangen«, erzählt der Rendeler Ortsvorsteher Ehrhard Menzel. »Dort befand sich auch das Vereinslokal des TV Rendel. Der Wirt hat seinen Ebbelwoi noch selbst hergestellt. Im Biergarten konnte man es in der schönen Jahreszeit gut aushalten. Ein bisschen lauter wurde es nur, wenn ein Bus durch die Kurve fuhr.« Der Festsaal, erinnert sich Menzel, sei schon vor zehn Jahren wegen Brandsicherheitsbedenken von der Feuerwehr stillgelegt worden. Wie es konkret nach dem Abriss weitergehen soll, könne er nicht sagen. »Dem Ortsbeirat liegt derzeit noch kein Plan zur Neubebauung vor. Sicher ist allerdings, dass die Gebäude abgerissen werden.«

Bürgermeister Guido Rahn teilt dazu mit, dass der Abriss eigentlich schon im Juni hätte erfolgen sollen. »Bisher gibt es nur eine Bauvoranfrage, die mehrere Reihenhäuser vorsieht«, schreibt er in einer E-Mail. »Hier gibt es von unserer Seite aus Bedenken bezüglich der Stellplätze. Was nun effektiv kommt, ist noch nicht entschieden.«

Das Hanauer Unternehmen »Lebendauer«, das den »Rendeler Hof« erworben hat, beschäftigt sich laut eigenem Internetauftritt mit der »zukunftsorientierten Nutzungsänderung von sanierungsbedürftigen Immobilien«. Die Firma selbst war gegenüber dieser Zeitung zu keiner Stellungnahme zu bewegen.

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