Der heutige Buß- und Bettag ist ein nachdenklicher Tag. Buße ist den Menschen fremd. Sich selbst zu hinterfragen, sei schwierig. Fehler zuzugeben, falle schwer, erklärt Pfarrer Christian Krüger im Interview. Wer sich mit dem Feiertag auseinandersetzen möchte, hat dazu in Karben bei den Gottesdiensten zum Mitnehmen die Chance. SYMBOLFOTO: SCHEPP
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Der heutige Buß- und Bettag ist ein nachdenklicher Tag. Buße ist den Menschen fremd. Sich selbst zu hinterfragen, sei schwierig. Fehler zuzugeben, falle schwer, erklärt Pfarrer Christian Krüger im Interview. Wer sich mit dem Feiertag auseinandersetzen möchte, hat dazu in Karben bei den Gottesdiensten zum Mitnehmen die Chance. SYMBOLFOTO: SCHEPP

Buß- und Bettag

Ein Tag zum Reflektieren

Für viele ist der Buß- und Bettag aus dem Bewusstsein geraten - auch, weil er seit 1996 nicht mehr arbeitsfrei ist. Pfarrer Christian Krüger spricht über den Tag, Reflekieren und Entschuldigen.

Vor 25 Jahren wurde der Buß- und Bettag das letzte Mal als offizieller Feiertag gefeiert. Welche Bedeutung hat er heute noch?

Der Buß- und Bettag, oder auch die Buße überhaupt, ist aus unserem Bewusstsein geraten. Das kann man nicht anders sagen. Ehrlich gesagt war der Buß- und Bettag unter allen kirchlichen Feiertagen - denken wir zum Vergleich mal an Ostern oder Weihnachten - aber schon immer sehr an den Rand gedrängt gewesen, weil das Thema Buße für viele keine Herzensangelegenheit ist. Es spricht viele einfach nicht an.

Dabei ist die Buße ja durchaus wichtig - und näher auch an unserem Alltag dran, als das viele denken?

Ja. Buße meint die Bereitschaft, die eigenen Handlungen zu überprüfen und Reue oder Bedauern über vergangene Fehler zu empfinden. Sich vor Augen zu führen, dass ein jeder von uns Fehler macht, das macht man nicht gern. Aber um Verzeihung zu bitten - "Buße zu tun" eben - ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens, früher wie heute.

Das Wort "Buße" ist aus dem normalen Sprachgebrauch ja auch völlig verschwunden…

Genau, außer vielleicht in dem Ausdruck "Das wirst Du mir büßen" - aber das hat einen sehr negativen Beigeschmack, das ist immer irgendwie mit Angst besetzt.

Ist dieser negative Beigeschmack aus Ihrer Sicht fehl am Platz? Auch bei der Gottesdienstgestaltung haben Sie sicher einen anderen Fokus, oder?

Es geht einfach um das Eingestehen eigener Fehler, nicht um einen erhobenen Zeigefinger oder ähnliches. Die Buße ist dabei übrigens nicht nur auf das eigene Privatleben, also beispielsweise Beziehungen zu geliebten Personen, bezogen, sondern durchaus auch gesamtgesellschaftlich gedacht. Wir können uns auch überlegen, was wir als Gesellschaft im weltpolitischen Kontext nicht richtig machen - gerade in Zeiten der Globalisierung.

Also ist die Buße in der heutigen Zeit nicht nur ein religiöses Motiv?

Keinesfalls. Fehler zuzugeben, das gehört auch ins weltliche Bewusstsein. Das ist nicht nur an den christlichen Glauben gekoppelt.

Sie sind Jahrgang 1974. Erinnern Sie sich an die Zeit, als der Buß- und Bettag noch Feiertag war?

Ja, aber aus einem ganz anderen Kontext: Ich war damals in einer Pfadfindergruppe aktiv und wir haben den Feiertag immer für unsere Gruppentreffen genutzt. Viel bewusster erinnere ich mich aber an die Zeit, als diskutiert wurde, den Buß- und Bettag als Feiertag abzuschaffen. Da war ich nämlich mitten im Studium.

Wurde die Abschaffung leidenschaftlich diskutiert, hatte die Buße damals also vielleicht noch einen anderen Stellenwert?

Wenn ich ganz ehrlich bin, nein. Ich glaube nicht, dass sich das Bewusstsein in den letzten 20 bis 30 Jahren hier grundlegend verändert hat. Die Diskussion war schon damals eher theoretischer Natur, die Buße war auch in den 1990ern keine wirkliche Herzensangelegenheit. Wir haben damals gescherzt und den Tag "Bus- und Betttag" genannt: Man blieb entweder den ganzen Tag im Bett oder machte einen Ausflug mit dem Bus. Der Widerstand, den Feiertag abzuschaffen, war vergleichsweise gering. Das liegt zum einen daran, dass die Buße schon damals vielen eher fremd war, zum anderen aber sicher auch daran, dass der Buß- und Bettag eben in einer trüberen Jahreszeit liegt als zum Beispiel Christi Himmelfahrt, wo sich Ausflüge an der frischen Luft anbieten. Und: Der Buß- und Bettag hat auch keine so lange christliche Tradition wie beispielsweise Ostern.

Schauen wir nun noch einmal ins 21. Jahrhundert. Wie können Karbenerinnen und Karbener den Buß- und Bettag begehen?

Wir haben im Gesamtkirchenvorstand beschlossen, in der aktuellen Situation auf einen Gottesdienst zu verzichten. Die Organisation unter den Hygiene- und Abstandsregeln hätten wir unter der Woche einfach nicht stemmen können. Es wird jedoch einen Gottesdienst zum Mitnehmen geben, der an den Kirchen aushängt (siehe Kasten). Er regt an, sich Gedanken dazu zu machen, an welchen Stellen man Fehler gemacht hat.

Reicht das Nachdenken darüber denn aus?

Dies ist der erste Schritt, um Buße zu tun. Der schwierigere, aber sicher richtige Schritt ist dann, auch auf den anderen zuzugehen und offen um Verzeihung zu bitten. Das kann schriftlich - etwa in Form eines Briefes, einer E-Mail oder auch einer Whatsapp-Nachricht - mitunter einfacher sein als im persönlichen Gespräch. Der Buß- und Bettag kann dafür auch heute noch ein guter Anlass sein.

Predigt für zuhause

Zum Buß- und Bettag hat Pfarrer Christian Krüger den Gottesdienst zum Mitnehmen gestaltet. Dieser hängt heute an allen Karbener Kirchen aus.. Alle Gottesdienste - sowohl Termine für Präsensveranstaltungen als auch alle verschriftlichten Gottesdienste zum Mitnehmen - gibt es auch unter www.gesamtkirchengemeinde-karben.ekhn.de. jkö

Zum Buß- und Bettag hat Pfarrer Christian Krüger den Gottesdienst zum Mitnehmen gestaltet. Dieser hängt heute an allen Karbener Kirchen aus. Alle Gottesdienste - sowohl Termine für Präsensveranstaltungen als auch alle verschriftlichten Gottesdienste zum Mitnehmen - gibt es auch unter www.gesamtkirchengemeinde-karben.ekhn.de. jkö

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