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Ratlosigkeit bei den Katholiken

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Von: Holger Pegelow

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Die Gläubigen der Pfarrgruppe Karben/Heldenbergen sind von der Personalie Korfmann kalt erwischt worden. Das Bistum Mainz hat den Geistlichen von seinen Dienstverpflichtungen freigestellt. Die Gründe sind unbekannt. © Holger Pegelow

Die Ostergottesdienste des katholischen Pfarrbezirks Karben/Heldenbergen haben ohne Pfarrer Thomas Korfmann stattgefunden. Für die Gemeinde war das nichts Neues.

Denn schon kurz vor Weihnachten hatte das Bistum Mainz den Geistlichen »von allen dienstlichen Verpflichtungen freigestellt«. Die Gründe dafür sind nicht öffentlich gemacht worden. Bei den hiesigen Katholiken ist man ratlos.

W ir sind alle kalt erwischt worden«, sagt Monika Görtz aus Heldenbergen, die dem gemeinsamen Pfarrgemeinderat des Bezirks Karben/Heldenbergen angehört. Kalt erwischt worden sind die Gottesdienstbesucher am vierten Advent des vergangenen Jahres. Da hatte ein Abgesandter aus Mainz in allen Gottesdiensten des Pfarrbezirks die Abberufung Korfmanns verlesen. »In den kommenden Wochen« werde Korfmann seinen priesterlichen Dienst in der Pfarrei nicht ausüben können. Es stünden Vorwürfe im Raum, die aus seiner Zeit vor dessen Wechsel nach Heldenbergen stammen, denen derzeit noch nachgegangen werde. Was das genau heißt, weiß auch der stellvertretnde Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Frank Eschmann (Karben) nicht. »Wir wissen nur, dass die Staatsanwaltschaft ermittelt.« Und die spreche nur mit der Spitze des Bistums. »Die Vorwürfe gegen Pfarrer Korfmann sind uns nicht bekannt. Nicht einmal er selbst weiß, worum es bei den Ermittlungen geht«, versichert Eschmann, der nach eigenen Angaben in Kontakt mit dem beurlaubten Pfarrer steht. Dass die Amtskirche mit dieser Personalie Ratlosigkeit, ja gar Unverständnis ausgelöst hat, war ihr wohl selbst klar.

Denn in dem von Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz unterzeichneten und in den Gottesdiensten verlesenen Brief heißt es, man sei sich bewusst, »dass diese Situation jetzt Fragen hinterlässt oder sogar (...) Unverständnis auslöst. Das wird noch eine gewisse Zeit auszuhalten sein.«

Schirmer vor drei Jahren abberufen

Vielleicht müssen sich die Katholikinnen und Katholiken in Karben und Heldenbergen auf eine ähnlich lange Zeit einstellen wie seinerzeit, als zu Pfingsten 2019 der damalige Pfarrer Bernhard Schirmer von seinen Verpflichtungen freigestellt worden war.

Seither hat es im Pfarrerteam des Pfarrbezirks einige personelle Änderungen gegeben. Zum Jahresende 2019 hatte die rund 4700 Mitglieder zählende Gemeinde mit Pfarrvikar Stefan Oberst einen neuen Pfarrer bekommen. Doch schon ein Jahr später bat er aus gesundheitlichen Gründen um seine Entpflichtung von allen Aufgaben.

Zu Beginn des Jahres 2021 kam dann Pater George Chittilappilly in die Gemeinde, der zuvor viele Jahre als Gießener Klinikseelsorger gearbeitet hatte. Pater George ist weiterhin in der Gemeinde tätig, er wird von dem afrikanischen Pfarrer Ajimon Joseph unterstützt, den das Bistum hier eingesetzt hat.

Arbeit durch Ehrenamtliche

Heute gilt das, was Pfarrer Korfmann seinerzeit beim Ausscheiden von Oberst in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt hatte: Die personellen Änderungen seien schwierig für die Gemeinde, sie hätten aber eines bewirkt. »Es gibt viele, die sich mehr als vorher engagieren, einige verstärkt in der Jugendarbeit.«

Das bestätigen die beiden Pfarrgemeinderatsmitglieder jetzt. »Vieles wird jetzt auch durch Ehrenamtliche gestemmt.« Vor allem die Jugend- und die Seniorenarbeit. Görtz und Eschmann loben Pfarrer Korfmann für sein Engagement vor allem in der Jugendarbeit. »Wir alle versuchen, den Betrieb am Laufen zu halten.« Jedoch habe man auch immer noch mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen, als viele Begegnungen und Veranstaltungen hätten abgesagt werden müssen.

Seitens des Bistums heißt es, für die priesterlichen Dienste habe man Vertretungsregelungen getroffen. Zudem wurde der Dorn-Assenheimer Geistliche Kai R. Wornath als kommissarischer Pfarradministrator eingesetzt.

Ob und wann Thomas Korfmann zurückkehren wird, ist unklar. Görtz und Eschmann betonen jedoch: »Wir fragen regelmäßig beim Bistum an.«

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