Der Apothekergarten mit Heilpflanzen im Karbener Natur-Erlebnis-Garten. 	FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH
+
Der Apothekergarten mit Heilpflanzen im Karbener Natur-Erlebnis-Garten. FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH

Wer raschelt, brummt und quakt denn da?

  • vonChristine Fauerbach
    schließen

Karben (cf.) Naturfreunde können ab Sonntag wieder auf Entdeckertour durch den Natur-Erlebnis-Garten Karben gehen. Wegen der Corona-Pandemie eröffnet das Naturparadies mitten am Selzerbrunnen mit fast zweimonatiger Verspätung wieder seine Türen für Besucher. Dafür wird es im Sommer durch die Absage des Open-Air-Konzertes keine Unterbrechung geben.

Im Laufe dieser Woche wird das Gemeinschaftsprojekt der Rapp’s Kelterei und der Stadt Karben von Mitarbeitern des städtischen Bauhofes aus seinem Dornröschenschlaf geholt. Wege, der Barfuß- und der geologische Pfad sowie der Spielbereich für Kinder müssen von heruntergefallenen Ästen und altem Laub befreit, das Gras geschnitten, die Inhalte der Fühlkästen überprüft oder ausgetauscht, neue Bänke aufgestellt sowie neue Schilder wie das am Insektenhotel befestigt werden.

»Es gibt viel zu tun«, sagt Michael Schneider. Der Verkaufsleiter ist bei der Rapp’s Kelterei für einige Naturschutzprojekte wie den Natur-Erlebnis-Garten Karben zuständig.

Das 4000 Quadratmeter große Areal zwischen Taunus und Selzerbrunnen lädt Besucher aus jedem Alter zum Entdecken einer Wunderwelt der Natur mit allen Sinnen ein. Rund um den Natur-Erlebnis-Garten tobt das pralle urbane Leben. Da mischt sich der Baulärm aus dem Neubaugebiet am Taunus Brunnen mit dem Vibrieren vorbeifahrender Züge auf der Main-Weser-Bahn und Motorengeräusche vorbeifahrender Autos auf städtischen- und der Bundesstraße. Fahrradklingeln und Gesprächsfetzen von Passanten aus der Brunnenstraße wehen aufs Areal.

Klassenzimmer aus Weiden

Wer es betritt, wird von lautem Vogelgezwitscher und einem Froschkonzert empfangen. Überall im Gras, auf Bäumen und in Büschen raschelt es verdächtig. Die meist nicht sichtbaren tierischen Bewohner sind aktiv. Einzig Schmetterlinge, Insekten, Vögel wie Amseln, Rotkehlchen, Meisen und Spatzen sowie Teich- und Laubfrösche gewähren einen kurzen Einblick in ihre Lebensräume.

»Im Natur-Erlebnis-Garten zeigen wir verschiedene Lebensräume heimischer Tiere und Pflanzen wie Streuobstwiese, Acker, Reisighaufen, zwei Teiche voller Frösche und Molche, Hecken, Trockenmauer und Trockenrasen«, sagt Schneider. Er ist von Anfang an dabei und der zentral gelegene Natur-Erlebnis-Garten ist eins seiner Herzensprojekte. Hier gibt es nicht nur ein grünes, schattenspendendes Klassenzimmer aus Weiden für wissbegierige Schüler und einen Spielbereich mit Rutsche, Kletterseil und Wasserpumpe, sondern Kräutergarten, je einen begehbaren Reisighaufen und Dachboden, einen Barfußpfad und zwei Fühlkästen.

Aroma-Kräuter und Duftsträucher

Blumenliebhaber werden von bereits in voller Blüte stehenden Sommerblumen wie Pfingstrosen, aber auch aromatisch duftenden Kräutern und Duftsträuchern begrüßt. Einige von ihnen laden Wildbienen zum Schmausen ein wie Wiesen-Margerite, Klatschmohn, Ringel-und Sonnenblumen. Bienennahrung enthalten auch die Blüten von Kräutern wie Dill und Rosmarin, Großer Kapuzinerkresse und Echtem Majoran.

Wohnraum finden Wildbienen und Honigbienen in dem im Mai 2019 von Bienenbotschaftern neu errichteten Insektenhotel - das alte war baufällig - und in einer Bienenklotzbeute auf der Rückseite des Pavillons am Eingang. Viel Wissenswertes über die fleißigen Pollen- und Nektarsammlerinnen, die durch das Bestäuben von Nutz- und Wildpflanzenblüten nicht nur ökologischen Pflanzenvielfalt, sondern auch zum Überleben der sich von Früchten und Pflanzen ernährenden Tiere beitragen, finden Besucher auf den Infotafeln. Bereits mit einem bunten Blühstreifen im Garten und/oder bienenfreundlichen Blumen und Kräutern in Blumenkästen auf Balkon und Terrasse lässt sich der Tisch für Wild- und Honigbienen fast das ganze Jahr über decken.

Raupen und Schmetterlinge laben sich unter anderem an Brennnesseln und Disteln, Hornklee, Weiden und Birken. »Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen füttern.« Für Vögel wie den Steinkauz, aber auch Grünspecht, Gartenrotschwanz und Grauschnäpper gibt es auf der Streuobstwiese Nisthilfen oder Nistplätze in Bäumen und Büschen. Der geologische Pfad lädt zu einem Blick in die Erdgeschichte ein. »Wer die erdgeschichtlichen Abläufe in der Umgebung von Karben begreifen will, muss wissen, dass Hessen vor 540 Millionen Jahren noch auf der südlichen Erdhalbkugel lag.« Diese und weitere spannende Geschichten gibt es in Karbens Naturparadies zu entdecken. cf

Geöffnet ist der Natur-Erlebnis-Garten, Brunnenstraße 2 in Karben, vom 31. Mai bis 4. Oktober 2020 sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie für Gruppen oder Klassen nach Terminabsprache mit der städtischen Mitarbeiterin Sylvia Lesiak, Telefon 0 60 39/481-512 oder per E-Mail an Sylvia.Lesiak@karben.de. Der Besuch ist kostenlos, Hunde sind im Garten nicht erlaubt.

Seit wann gibt es den Natur-Erlebnis-Garten Karben?

Die Grundidee wurde 2003 entwickelt, die Eröffnung fand 2006 statt. Seither besteht das erfolgreiche Gemeinschaftsprojekt der Rapp’s Kelterei und der Stadt Karben und wird von vielen natur- und heimatverbundenen Besuchern genutzt.

Wer trägt zum Gelingen bei neben Stadt und Kelterei?

Die Bauhofmitarbeiter pflegen den Garten vorbildlich. Ein großes Lob geht auch an die acht Ehrenamtlichen wie Ralf Berster, welche die Besucher begrüßen, führen und kompetent beraten.

Wird der Garten bei anhaltender Trockenheit gewässert?

Wir wässern nur punktuell bei Neuanpflanzungen, sonst nicht. Ein Apfelbaum im Eingangsbereich ist verdorrt, alle anderen tragen Laub. cf

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare