Angespannt ist die Situation am Seiteneingang des Bürgerzentrums kurz vor Beginn der AfD-Veranstaltung. FOTO: PEGELOW
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Angespannt ist die Situation am Seiteneingang des Bürgerzentrums kurz vor Beginn der AfD-Veranstaltung. FOTO: PEGELOW

Plötzlich die Eingänge blockiert

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Karben(pe). Die Bad Vilbeler Polizei und die Karbener Stadtpolizei sind am Dienstagabend in Bereitschaft. Denn die AfD-Bundestagsfraktion hat eine öffentliche Veranstaltung mit vier Rednern zu einen nicht näher bezeichneten Thema angemeldet.

Eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn schauen die Beamten, ob sich am Bürgerzentrum etwas tut. Aber Fehlanzeige - zunächst. Als die beiden Stadtpolizisten aus dem Wagen steigen und in Richtung Eingang zum großen Saal laufen, passiert’s. Von der Bahnhofstraße her stürmen schwarz gekleidete junge Leute herbei.

Polizei überrascht von Aktion

Sowohl der Haupteingang als auch der Eingang zu den Clubräumen werden blitzschnell besetzt. Am Haupteingang wird ein Plakat entrollt, auf dem "Grenzenlose Solidarität statt Nazis und Aluhüten" zu lesen ist. Während hier neun Demonstranten stehen, sind es am Eingang zu den Clubräumen elf weitere junge Leute, die skandieren: "Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda".

Jetzt ist allen Beamten klar: Die Lage ist ernst. Rasch wird Verstärkung angefordert, nach und nach treffen weitere Streifenwagen ein, ein Hundeführer ist dabei. "Wir sind von der Aktion überrascht worden", gibt der Leiter der Stadtpolizei, Manuel Peña Bermudez, zu. "Beim Neujahrsempfang der AfD war hier alles ruhig", wundert er sich. Allerdings sei es gelungen, rasch nachzualarmieren und sich auf die Situation einzustellen.

Bürgermeister Guido Rahn wird durch den Seitenein- und -ausgang aus der Verwaltung geleitet, die eigentlich in den Clubräumen angesetzte Sitzung der Stadtwerke-Betriebskommission wird an einen anderen Ort verlegt. Es kommt zu einem Gerangel vor dem Eingang zu den Clubräumen, als einige Besucher zur AfD-Veranstaltung wollen. Einsatzleiter Michael Pollesch von der Bad Vilbeler Polizei droht den Teilnehmern, sie mögen den Eingang freigeben. Auch dass es bei einer eventuellen Auseinandersetzung zum Einsatz von Pfefferspray kommen könnte. Einige Beamte drängen die jungen Leute unter Einsatz eines bellenden Polizeihundes zurück, und eine Handvoll Besucher schlüpft durch den Eingang.

Dann ändert die Polizei ihre Strategie: Sie sagt den Demonstranten zu, sie könnten vor den Türen ihren Protest ausdrücken, "aber friedlich". Die Besucher der AfD-Veranstaltung - später stellt sich heraus: rund 80 - werden durch den Hintereingang über die Terrasse hineingeschleust in den großen Saal. Aus Protest gegen die Veranstaltung der AfD sind auch einige "Omas (und Opas) gegen Rechts" aus Bad Vilbel erschienen. Die Stimmung ist kurz vor 19 Uhr angespannt. Die Polizei ahnt wohl, was die jungen Leute vorhaben und stellt die Tische und Bänke des Restaurants so, dass kein Durchkommen mehr ist. Doch die Demonstranten riechen den Braten. Plötzlich rennen sie los, aber auf der anderen Seite um das Bürgerzentrum herum und wollen den Saal von hinten stürmen.

"Omas gegen Rechts" dabei

Doch die Polizei ist schon da, es kommt zu einem Gerangel, ein Demonstrant geht zu Boden, ein anderer wird abgeführt. "Das sind die bewussten Provokationen, mit denen wir gerechnet haben", sagt Peña. Es kommt zu Wortgefechten, die teils aggressiven jungen Leute verlangen die Namen der am Einsatz beteiligten Beamten.

Aber die Situation beruhigt sich angesichts der Übermacht der Uniformierten schnell wieder. Das gute Dutzend Jugendliche sitzt später vor dem Eingang zu den Clubräumen herum, die anderen harren mit ihrem Plakat am Haupteingang aus. Gegen halb acht machen sich die "Omas gegen Rechts" wieder auf den Weg, während drinnen, hinter vorgezogenen Vorhängen, die AfD ihre Veranstaltung durchzieht. Es bleibt weiterhin ruhig, die Polizisten aber dennoch angespannt. "Wir haben sogar geschaut, ob die jungen Leute in die S-Bahn steigen", beschreibt Peña den Einsatz, der noch bis 22.30 Uhr gedauert hat.

Die Bilanz des Dienstags: Es hat keinen Verletzten gegeben, die Polizisten haben reichlich Überstunden angehäuft, die "öffentliche" Veranstaltung fand hinter verschlossenen Türen und Vorhängen statt, und zwei Dutzend Vermummte haben bei einer nicht angemeldeten Demonstration gezeigt, dass sie gegen Neonazis sind. Laut Polizeisprecher Ahlig sei eine Kamera beschlagnahmt worden. "Es besteht der Verdacht, dass damit etwas aufgenommen wurde, was einen Straftatbestand erfüllt." Von dem Besitzer der Kamera seien die Personalien aufgenommen worden.

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