Der Peter-Geibel-Platz mit dem Brunnen und im Hintergrund dem Geburtshaus des Wetterauer Mundartdichters. Ein Platz, an dem sich ein Aufenthalt durchaus lohnt. 	FOTOS: HOLGER PEGELOW
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Der Peter-Geibel-Platz mit dem Brunnen und im Hintergrund dem Geburtshaus des Wetterauer Mundartdichters. Ein Platz, an dem sich ein Aufenthalt durchaus lohnt. FOTOS: HOLGER PEGELOW

Peter-Geipel-Platz

Ein Platz fast wie im Urlaub

Sucht man in Karben nach einem idyllischen Ort, wird man garantiert in Klein-Karben fündig. Im Ortskern unweit der Kirche liegt der Peter-Geibel-Platz - gerade an Sommertagen eine kleine Oase.

Ein heißer Tag im August. Wenn man sich auf eine der grünen Metallbänke im Schatten des Peter-Geibel-Platzes setzt, kann man die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Es fällt der Brunnen in der Platzmitte auf, das Plätschern des Wassers ist zu hören. Wer den Blick schweifen lässt, stößt auf ein aus Sandstein hergestelltes Stadtwappen auf einem kleinen Sockel.

Plötzlich ist der 12-Uhr-Glockenschlag der Kirche zu hören. Es ist ruhig an diesem Mittag, kaum ein Auto fährt. Ein paar Radfahrer kommen die Dortelweiler Straße herunter, biegen ab, kurven am Geibel-Platz vorbei in Richtung Sportplatz. Als sie durch sind, fällt der Blick auf ein Fachwerkhaus, schön renoviert, mit rankenden Weinreben und einem hölzernen Fass davor. Fast könnte man meinen, man sei im Urlaub - irgendwo in einem entfernten mittelalterlichen Städtchen.

Dabei können viele Karbenerinnen und Karbener zu Fuß hierher gehen, brauchen nicht einmal ein Auto. Denn der Peter-Geibel-Platz liegt mitten in Klein-Karben. Wer ihn sucht, sollte auf einen Spaziergang oder einer Radtour entlang der Nidda einmal dort abbiegen, wo der Wegweiser der Regionalparkroute in Richtung »Alt-Klein-Karben 0,4 km« deutet. Nach wenigen Minuten kommt er schon dort an, wo sich der Stadtteil noch ein wenig Heimeligkeit bewahrt hat.

Es ist quasi der Höhepunkt des alten Teils von Klein-Karben, einem Stadtteil, der in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr gewachsen ist und wo sich unter das gute Dutzend alter Fachwerkhäuser, die in der Denkmalliste des Landes Hessen aufgeführt sind, immer mehr moderne Bauten gemischt haben.

Geschichtsträchtige Häuser

Dabei ist Höhepunkt nur rein historisch gemeint: Geografisch ist es eher ein Tiefpunkt. Das erkennt man daran, dass der Weg zur St.-Michaelis-Kirche über eine steile Treppe nach oben führt. Und selbst das Peter-Geibel-Haus, das Geburtshaus des berühmtem Wetterauer Mundartdichters, steht leicht erhöht zum Peter-Geibel-Platz.

Man sollte an diesem Ort nicht unbedingt nur auf der Bank sitzen bleiben, sondern ein wenig umherlaufen, um all das zu erfassen, was den Reiz dieses Fleckchens ausmacht. Wer den Platz also verlässt und ein paar Schritte in Richtung Fachwerkhaus läuft, stößt auf das Geburtshaus Geibels.

Über den Karbener Heimatdichter und Mundartpoeten, der von 1841 bis 1901 lebte, muss nicht mehr viel gesagt werden. Denn seine gereimten Burlesken, Satiren und Humoresken in Wetterauer Mundart gehören zur regionalen Kulturgeschichte.

Sein Geburtshaus, von privat liebevoll restauriert und nach einem Brand erneut saniert, erinnert an den Wetterauer Poeten. Der nach ihm posthum benannte alte Dorfbrunnen hält die Erinnerung an den im echten Beruf praktizierenden Tierarzt wach.

Wer vor dem Geibelschen Geburtshaus steht, sollte einmal den Blick nach links schweifen lassen. Hier steht, das alte Spritzenhaus. Es wurde Mitte des 18. Jahrhunderts auf den Grundmauern eines Flankenturms aus dem 15. oder 16. Jahrhundert errichtet, der die Kirchhofummauerung zu sichern hatte.

Sonnenuhr aus der Dorfschule

Wer auf dem Platz genau schaut, entdeckt die alte Sonnenuhr. Die stammt aus der ehemaligen Dorfschule. Der gebürtige Klein-Kärber Rainer Züsch hat bei einem Rundgang durch das alte Klein-Karben einmal erzählt: »Bis hinauf in den Schulsaal konnten wir das Klappern der Pferdehufe auf dem Kopfsteinpflaster hören, wenn die Bauern zur Mittagszeit vom Feld kamen. Das war für uns das Zeichen, dass die Schule bald aus war.« In der Vorgängerschule lehrten Theologen schon um das Jahr 1600 Allgemeinwissen und lateinische Sprache. Sie war eine der ältesten Schulen in Karben. Ihre Sonnenuhr bekam später, als Wahrzeichen des Ortes, einen Ehrenplatz am Peter-Geibel-Brunnen.

Wie der Brunnen die Dorfgeschichte spiegelt, hat Geibel selbst in einem Gedicht »Die Leackmerje Grith« festgehalten. Im Ehezwist wurde die »Gritt« von ihrem Mann in einen großen Pflaumenmus-Topf gesteckt. Daraufhin hat diese im Brunnen ihre Kleider gewaschen.

Unweit des damaligen Flusslaufs der Nidda gelegen - der Fluss verlief deutlich näher am alten Ortskern als heute - war damals die Dorftränke für das Vieh, er war ebenso beliebter Treffpunkt der Klein-Kärber. Heute hat er diesen Charakter verloren. Dennoch lohnt es sich, sich einige Zeit dort aufzuhalten, einen Moment innezuhalten und zu versuchen, ein wenig Geschichte zu atmen. An heißen Tagen ist unter schattigen Kugelahornbäumen dafür beste Gelegenheit.

Fränkischer Brauch

Rainer Züsch und einige Sozialdemokraten wollen den Brunnen am Peter-Geibel-Platz und damit dieses Kleinod im Ortskern Klein-Karbens alljährlich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Deshalb schmücken sie jedes Jahr zu Ostern seit dem Jahr 2010 den Brunnen nach altem fränkischen Brauch. Das soll für Aufmerksamkeit sorgen, da viele Menschen auf dem Weg zur Sportanlage an dem Platz vorbeifahren.

In den Jahren vor dem Osterschmücken hatten die Sozialdemokraten auf dem Platz ein Weinfest veranstaltet. pe

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