Ohne Pfarrer Werner Giesler ist die St.-Michaelis-Gemeinde in Klein-.Karben gar nicht mehr denkbar.
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Ohne Pfarrer Werner Giesler ist die St.-Michaelis-Gemeinde in Klein-.Karben gar nicht mehr denkbar.

Pfarrer Werner Giesler: Aus 3 Jahren werden 30

Karben (bnk). Als Pfarrer Werner Giesler vor drei Jahrzehnten nach Klein-Karben kam, wollte er eigentlich nur drei Jahre bleiben. Wie kam es dazu, dass er mittlerweile nun schon 30 Jahre hier ist und damit der dienstälteste Geistliche in der Stadt ist?

Er hatte sich anfangs alles ganz anders vorgestellt. Denn ursprünglich wollte Giesler am liebsten nach Friedberg, da damals sein Freund gerade eine Pfarrstelle dort angetreten hatte. Doch dies klappte nicht. Also schaute er sich in der Umgebung um und bewarb sich auf die damals gerade freie Stelle in Klein-Karben, für die er eine Zusage erhielt. So kam es, dass Pfarrer Giesler mit seiner jungen Familie – er hatte bereits einen Sohn – am 1. Dezember 1985 nach Klein-Karben kam. Am 19. Januar 1986 wurde er dann ordiniert. Nach drei Jahren sagte der Kirchenvorstand endgültig ja.

Während dieser Zeit entwickelte sich die Zusammenarbeit zwischen Kirchenvorstand und Pfarrer sehr positiv. »Wir passten einfach gut zusammen«, sagt Giesler. Hinzugekommen sei, dass er Klein-Karben noch als Arbeiterdorf kennengelernt habe. Es habe hier noch einige arme Leute gegeben. »Da war soziales Arbeiten angesagt, das liegt mir«, ergänzt er. Zusammen mit einer Sozialarbeiterin gründete er einen sozialen Arbeitskreis und initiierte einen ambulanten Pflegedienst. Dieser wurde später vom Arbeiter-Samariter-Bund übernommen, und die Stadt klinkte sich ebenfalls ein.

Auch dass es mittlerweile Schulsozialarbeit gibt, ist auf Giesler zurückzuführen. Wichtig ist dem Pfarrer eine gute Vernetzung. Zusammen mit dem Deutsch-Ausländischen Freundeskreis gründete er in 1988 die Gedenktage zur Reichspogromnacht, später kam noch die Initiative Stolpersteine hinzu.

Hühnerstall umgebaut

Gerne erinnert sich Giesler an die Anfänge der Jugendarbeit, mit der er als junger Pfarrer schnell begann: »Das erste Projekt war damals der Umbau eines alten Hühnerstalls auf dem Gemeindegrundstück zur Jugendhütte.« Zu vielen Jugendlichen von damals hat er heute noch Kontakt. Aktuell gibt es drei Jugendgruppen, zwei davon unter seiner Leitung.

Im Rückblick sagt Giesler: »Ich habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt.« Dies lag auch daran, dass der Kirchenvorstand ihm bis zum heutigen Tag wohlgesonnen ist. Einen Wechsel der Pfarrstelle habe er »nur in der Theorie manchmal durchgespielt«, sagt er. »Ich bin einfach gerne geblieben.

« Dazu gehörte, dass die Familie schnell heimisch wurde, man pflegt gute nachbarschaftliche Kontakte und hat seinen Freundeskreis in Karben. Auch die beiden erwachsenen Söhne sind bis jetzt hier in Karben geblieben.

Die Haupttätigkeit eines Pfarrers setzt sich aus den Arbeiten für Gottesdienste, Beerdigungen, Taufen, Trauungen und Konfirmationen zusammen. In den 30 Jahren hat Giesler knapp 350 Trauungen, etwa 1000 Taufen, 1200 Konfirmationen und 900 bis 1000 Beerdigungen durchgeführt. Hinzukommen der Schulunterricht und die Seelsorge; die Menschen kommen mit Schulsorgen und Eheproblemen zu ihm. Auch die Trauer- und Sterbebegleitung gehört dazu.

Hat er im Rahmen seiner vielfältigen Tätigkeit Erlebnisse, an die er sich besonders erinnert? Ja, sagt er und nennt im Rahmen der Jugendarbeit das Theaterspielen. Diese Projekte helfen den Jugendlichen während der Pubertät, das Selbstbewusstsein zu stärken. Ein Highlight seien immer die alljährlichen Krippenspiele. Aber gab es auch frustrierende Erlebnisse? »Nein«, sagt er. »Ich bin dankbar, dass ich die großen Niederlagen hier nicht erlebt habe.«

Der Festgottesdienst zum 30-jährigen Dienstjubiläum findet am morgigen Sonntag um 11 Uhr in der St.-Michaelis-Kirche statt.

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