In Karbens Stadtteil Petterweil sind wohl die Überreste des historischen Obertors gefunden worden.
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In Karbens Stadtteil Petterweil sind wohl die Überreste des historischen Obertors gefunden worden.

Fundstücke

Karben: Bauarbeiter legen in Petterweil historisches Gemäuer frei

  • VonJürgen Schenk
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Es sind spannende Tage für Geschichtsinteressierte in Petterweil. Bauarbeiter haben unter der Straßenoberfläche eine nicht ganz unerwartete Entdeckung gemacht.

Karben – An der Kreuzung Alte Heerstraße/Am Dicken Turm/Alte Haingasse endete Petterweil einst. Wenn Horst Preißer seine historischen Ortsführungen unternimmt, zeigt er bewusst auch diese Stelle. »Genau hier war das Obertor«, erklärt der Lokalhistoriker mit. »Bei dem jetzt freigelegten Mauerwerk dürfte es sich um das Fundament handeln.«

Eigentlich war es nicht anders zu erwarten gewesen. Die alten Karten und Aufzeichnungen konnten nicht trügen. Sie berichten von einem mächtigen, turmartigen Gebäude, das die ganze Breite der Hauptstraße überspannte. In der Chronik »1200 Jahre Petterweil« beschreibt Wolfhard Bornschein das Obertor als mehrgeschossig. »Unter- und Obergeschoß waren aus Steinen gemauert; den Abschluß bildete ein verhältnismäßig großes steinernes Dachgeschoß, welches mit Schiefer bedeckt war und dem Obertor zu einem mächtigen Aussehen verhalf.«

Historisches Fundament in Karben-Petterweil: Sonnenuhr und Gefängniskammer

Über den beiden Torflügeln sollen sich auf der Südseite eine Pechnase und eine Sonnenuhr mit römischen Ziffern befunden haben. Unter dem Dach gab es eine Gefängniskammer, in der während der Hexenverfolgung zahlreiche Personen eingesperrt wurden. Das Obertor bildete den südlichsten Punkt der mittelalterlichen Dorfbefestigung. Durch eine Mauer war es mit dem »Dicken Turm« und dem »Hohen Turm« verbunden.

»Diese ehemalige Wehranalage macht deutlich, welche Bedeutung dem Dorf früher zukam«, erklärt Preißer. Tatsächlich muss Petterweil schon im Hochmittelalter ein relativ sicherer Flecken gewesen sein. Um das Jahr 1394 ließen die Herren von Falkenstein an der Süd-Ost-Ecke des Dorfes eine Burg mit Wassergraben errichten. Die Vermutung liegt nahe, dass ebenfalls zu dieser Zeit die anderen Elemente der Dorfbefestigung entstanden sein könnten. Sicher weiß das aber niemand. Jetzt ist ein günstiger Augenblick, um diese und andere Fragen zu klären.

»Die Bauarbeiten in diesem Bereich der Alten Heerstraße werden weiterhin archäologisch begleitet«, kündigt der Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal an. »Alle Funde werden durch Zeichnungen und Fotografien dokumentiert. Von dem Fundament wird mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms ein 3-D-Modell erstellt. Alles, was nicht baurelevant ist, kommt danach weg.«

Karben: Archäologen erfassen Funde in Petterweil

Auch die Bodenstruktur im Schacht der angrenzenden Wasserleitung ist von Interesse. Sie wird von Spezialisten der Firma AAB (Archäologische Ausgrabungen und Bauprojektbetreuung) auf Hinweise untersucht. Möglicherweise sind im weiteren Verlauf noch zwei alte Brunnen zu erwarten, deren Existenz Horst Preißer bestätigen kann. »Durch derartige Untersuchungen können wir bis in die Zeit der Ortsgründung zurückschauen. Hin und wieder finden wir auch noch römische Spuren«, erklärt Experte Lindenthal.

Was auffällt: Um das Mauerwerk herum wurden in der Vergangenheit immer wieder verschiedene Arbeiten ausgeführt. In den 1970er-Jahren hat die Deutsche Post Telefonkabel unter die Straßendecke gelegt. Und bei Kanalarbeiten wurde das Fundament sogar angeschnitten, wie man an den Baggerspuren erkennen kann. Aber niemand hat dabei die historische Hinterlassenschaft bemerkt.

Bei den Straßenbauarbeiten ist das alte Fundament der Stadtmauer aufgetaucht.

Dass bei der von Ersten Stadtrat Friedrich Schwaab anberaumten Ortsbesichtigung auch Zuschauer anwesend sind, verwundert weiter nicht. Selbst die Kleinen stehen staunend vor dem Steingebilde. Ihnen wird schon in der Grundschule die Petterweiler Historie näher gebracht. Die achtjährige Jenny hatte erst vor Kurzem über das Obertor im Unterricht gesprochen. Jetzt kann sie die Reste davon mit eigenen Augen betrachten. »Ich finde das alles sehr interessant«, sagt sie. »Mit meiner Klasse bin ich auch schon mal hier gewesen.«

Das Interesse an der Petterweiler Geschichte will Horst Preißer wach halten. Er hofft, dass er im nächsten Schuljahr wieder Kinder auf historischen Spuren durch führen kann. Auch die regelmäßigen histden Ort bald wieder Schulklassen durch Petterweil führen. Den ersten historischen Ortsrundgang nach über eineinhalb Jahren Corona-Pause hat er am Samstag angeboten.

Karben: Sanierung der Ortsdurchfahrt in Petterweil

Seit einigen Monaten ist die Petterweiler Ortsdurchfahrt fest in der Hand der Bauarbeiter. Hier wird grundlegend saniert: Neue Hausanschlüsse, neue Abwasserkanäle, neue Bürgersteige, Leerrohre für Glasfaser, die Ovag erneuert Stromleitungen, die Bushaltestellen werden erneuert und später kommt auch ein neuer Straßenbelag. Der Anstoß die Ortsdurchfahrt mit Alter Heerstraße und Sauerbornstraße zu sanieren, kam von Hessenmobil. Die Stadt und die Stadtwerke haben sich quasi angeschlossen. Gearbeitet wird in Sanierungsabschnitten. Derzeit läuft der zweite Abschnitt, bis September sollen die Arbeiten hier beendet sein. Seit Mitte Juli sind sie schon am Knotenpunkt von Landstraße (Alte Heerstraße) und Kreisstraße (Sauerbornstraße) abgeschlossen. Richtung Norden ist die Alte Heerstraße weiterhin gesperrt.

Von der Baustelle ist auch der Nahverkehr betroffen. Inzwischen kann der Bus x27 wieder auf seiner ursprünglichen Route fahren. Er stoppt an den Haltestellen »Sporthalle« und »Alte Heerstraße«. Die Linie FB 73 fährt weiter auf einer Umleitungsstrecke durch Petterweil über die Robert-Blum-Straße und die Schlossstraße. Nach Angaben der Stadt wird der Knotenpunkt Alte Heesrtraße/Rodheimer Straße/Schlossstraße/Martins-Kirchgasse von Montag, 2. August, an bis zum Freitag, 27. August, komplett gesperrt sein. Ab dann führt die Umleitungsstrecke für die Linie FB 73 über den Solmserweg, Höfer Weg und Berenger Straße. kai

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