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Imkerei

Petterweiler Martin Döbler kümmert sich um tausende von Bienen

  • vonJürgen Schenk
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Ein Bienenschwarm bringt den Tagesplan von Martin Döbler aus Petterweil schon mal durcheinander. Der Imker rückt dann aus, um die Bienen samt Königin einzufangen.

Diesen Freitagmorgen hatte Martin Döbler ganz anders verplant. Als plötzlich sein Handy klingelt, geht es für ihn um eine spezielle Art von »Notfalleinsatz«. Der Imker von der Petterweiler Riedmühle wird nach Okarben gerufen. Auf einem Grundstück gibt es ein Problem, das nach einem Fachmann verlangt.

Mit Ablauf eines Tages sind gegenüber der evangelischen Kirche etwa 5000 Bienen zu Besuch gekommen und haben es sich an einer Mauer gemütlich gemacht. Um die Königin herum hat sich in Traubenform ein ganzer Bienenschwarm gebildet. Aus imkerischer Sicht ist jetzt ein Kunstgriff vonnöten. Fachmann Döbler nennt die Aktion »den Schwarm einfangen«.

»Der Platz hier ist ideal für die Bienen«, erklärt er Patrizia Gervasi, die dort wohnt, wo sich der Schwarm aufhält. »Es gibt im Umfeld viele Blumen, die Innenseite der Mauer ist geschützt und von der Sonne aufgewärmt.« Beim Einfangen käme es nur darauf an, die Königin zu finden und von den anderen zu isolieren. Dann würden sich automatisch alle Bienen an deren Geschmack orientieren und ihre Nähe suchen. Auf diese Weise sei es möglich, den gesamten Schwarm in eine Box aufzunehmen.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, besprüht Döbler den summenden Haufen zunächst mit Wasser, um das Hochfliegen zu verringern. Dann kehrt er die Tiere in mehreren Anläufen von der Mauer in eine bereitgestellte Kiste. Gleich kommt es in der Luft zu chaotischem Flugverkehr. Hektisch versuchen die Arbeiterinnen ihre Königin zu finden. Versteckt sie sich noch im Mauergefüge? Oder ist sie vielleicht doch schon in der Kiste? Ganz sicher ist sich der Imker auch nicht.

Wetterauer Imker: Sensoren auf Blumenwiese

»Durch die Gitterabdeckung kann sie nicht mehr aus der Box raus, die anderen aber zu ihr hinein«, sagt Döbler. »Nach einer gewissen Zeit werden wir wissen, was los ist. Heute Abend fahre ich dann noch mal hierher und nehme den Schwarm mit zur Riedmühle. Ab morgen früh werden die Bienen dann ihre Sensoren auf unsere Blumenwiese einstellen.« Zehn Bienenvölker sind derzeit im Heitzhöfertal bei Petterweil aktiv. In den Sommermonaten zählt ein Volk bis zu 40 000 Tiere. Ihr Ausflugradius beträgt bis zu zwei Kilometern. Durch die Blütenmischung dieser Gegend und die benachbarten Rapsfelder erhält der Honig im Frühjahr eine ganz eigene Geschmacksnote. Der Imker hat ihm den Namen »Petterweiler Blumenwiese« gegeben. Mitte des Jahres dominieren neben blühenden Sommerblumen Obstbäume, Holundersträuche, Linden- und Walnussbäume den Geschmack des Honigs. Döbler hat sich der traditionellen Magazin-Imkerei verschrieben. Auf dem Areal um die ehemalige Mahlmühle hat er ausreichend Stellplätze für die Bienenvölker.

»2010 haben wir die Riedmühle gekauft«, erzählt Döbler, der auch als Geigensolist »Martin der Geiger« bekannt ist. »Ein Jahr später habe ich die Imkerei aufgebaut. Der Urgroßvater meiner Frau war auch Imker. Sie kann sich noch gut an sein Handwerk erinnern«, erzählt Döbler. Seine Kenntnisse habe er zum Teil beim Imkerverein Nidderau/Schöneck und im Bieneninstitut in Kirchhain erworben, wo Ausbildungen angeboten werden.

Wetterauer Imker: Ausbildung am Bieneninstitut

»Das Wichtigste sind aber praktische Erfahrungen mit der eigenen Bienenzucht.« Und eine Portion Kreativität könne nicht schaden. Eines seiner Produkte steht bei Feinschmeckern ganz hoch im Kurs: Honigschaum. Auf den ersten Blick sieht die weiße Schicht auf manchen Honigsorten sicher nicht besonders appetitlich aus. »Manche Leute rufen mich sogar an, weil sie wissen wollen, ob der Honig überhaupt noch gut sei«, erzählt er. »Aber ich kann sie beruhigen: Das, was sie sehen, ist Teil des ganz natürlichen Kristallisationsprozesses.« Honigschaum bestehe aus feinsten Luftbläschen und Pollenkörnern. »Beides steuert den delikaten Geschmack bei. Honigschaum ist so etwas wie die Essenz des Honigs.«

Man könne ihn einfach im Glas wieder untermischen oder in Verbindung mit süßen oder herzhaften Snacks genießen. Im Angebot der Imkerei befinden sich außerdem Spezialitäten wie Honiglikör und Honig-Balsamico, der für Soßen oder Salatdressings verwendet wird.

Und Döbler hat noch eine Maxime: Verkauft wird nur der eigene Honig , für den die Bienen die Tracht im Heitzhöfertal gesammelt haben. Ist der Honig dann ausverkauft, heißt es für die Liebhaber: Warten bis die neue Ernte im Glas ist wie aktuell. Ende Mai hat er den frischen 2020er Honig geschleudert.

Imkern in der Wetterau: Über die Riedmühle

Verkaufs- und Übergabedokumente im Staatsarchiv Darmstadt lassen vermuten, dass die Mühle schon lange vor dem Jahr 1500 bestanden hat. Sie hatte einen Mahlgang mit vermutlich zwei Mahlsteinen. Bis 1854 war sie Eigentum der Grafen zu Solms-Rödelheim-Assenheim und ging danach in Privatbesitz über. In der Mühle wurden Weizen und Roggen zu weißem und schwarzem Mehl vermahlen sowie Getreide geschrotet.

1928 wurde die Riedmühle ein Opfer des großen »Mühlensterbens« und stellte den Betrieb ein. Weil die Riedmühle über Jahrhunderte hinweg eine sogenannte »Bannmühle« war, durften die Einwohner Petterweils ihr Mehl nur dort mahlen lassen. Im Gegenzug war der Müller nach geltendem »Bannrecht« verpflichtet, ehrenwert zu handeln, korrekt zu berechnen und niemand zu bevorzugen. Ein Sprichwort spiegelt das bis heute wieder: »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.« 

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