Anke Milnik und Adolf Koch haben selber Patenschaften für Pflanzbeete vor ihren Grundstücken übernommen. Ob das Petterweiler Projekt Anstoß für weitere Karbener Patenschaften ist, wird sich noch zeigen müssen. FOTOS: HOLGER PEGELOW
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Anke Milnik und Adolf Koch haben selber Patenschaften für Pflanzbeete vor ihren Grundstücken übernommen. Ob das Petterweiler Projekt Anstoß für weitere Karbener Patenschaften ist, wird sich noch zeigen müssen. FOTOS: HOLGER PEGELOW

Patenschaften

In Petterweil sollen Bürger öffentliche Grünflächen pflegen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Wie kann das Straßenbild in Petterweil verbessert werden, ohne dem Bauhof noch mehr Arbeit zu bescheren? Dieser Frage sind der Ortsbeirat und die Stadt nachgegangen. Ihre Lösung: "Patenschaften für öffentliche Grünflächen".

Adolf Koch und Anke Milnik hocken neben einem kleinen Pflanzbeet. Die kleine Pflanzfläche ist neu bepflanzt worden. Fette Henne, Storchenschnabel und Lavendel kann man erkennen. Die beiden Ortsbeiratsmitglieder sind nicht zufällig an diesem November-Morgen in der Holtzmannstraße. Sie sind mit Erstem Stadtrat Friedrich Schwaab und der Chefin des Bauhofes, Kristina Quenzel, und ihrem Stellvertreter Eric Rau erschienen, um eine Aktion offiziell zu eröffnen. "Patenschaften für öffentliche Grünflächen" nennt sie sich. Wochenlang ist sie akribisch vorbereitet worden. In diesem Herbst nun ist sie an den Start gegangen.

"Die Idee dazu hatten die Ortsbeiratsmitglieder schon länger", berichtet Adolf Koch. Der SPD-Ortsvorsteher und seine CDU-Kollegin Anke Milnik haben sich ebenso wie Erster Stadtrat Friedrich Schwaab (CDU) mit dem Thema länger befasst und dafür ein Konzept erarbeitet. "Da war einiges an Vorarbeit nötig", berichtet Schwaab, der selber in dem Karbener Stadtteil wohnt. Anlass war offenbar, dass die Pflanzbeete in einigen Straßen nicht sehr schön ausgesehen haben. Das Unkraut wucherte, viele Pflanzen waren verdörrt, die Erde verdichtet. "Das alles machte einen ungepflegten Eindruck", weiß Koch.

Aber nun war es nicht einfach so, dass der Bauhof Schippe und Spaten in die Hand nahm. Vielmehr sollten die direkten Anwohner mit ins Boot geholt werden. Deshalb klapperten der Stadtrat und die Ortsbeiräte zunächst einmal alle Straßen ab und notierten, wo geeignete Pflanzflächen für derartige Patenschaften liegen. "Wir haben insgesamt 70 solcher Flächen notiert", berichtet Schwaab vor Ort.

Danach ging es weiter: "Wir haben bei den Leuten geklingelt und für eine solche Patenschaft geworben", berichtet Anke Milnik. Das Ergebnis kann sich nach tagelangen Befragungen durchaus sehen lassen: Immerhin 30 Paten haben die Pflege von insgesamt 50 Beeten übernommen", betont der Stadtrat.

Um der Angelegenheit einen offiziellen Charakter zu geben, hat man bei der Stadt eine Vereinbarung zur Übernahme einer Patenschaft erarbeitet. Darin verpflichtet sich der Pate, die städtische Grünfläche zu pflegen. Diese ist zuvor vom Bauhof frisch aufgearbeitet worden.

Stadt erarbeitet Urkunde

Das war beispielsweise in diesen Tagen in der Holtzmannstraße anscheinend ein schwieriges Unterfangen. "Die Erde war regelrecht festgebacken", berichtet Eric Rau. Zudem sei die Erde ausgelaugt gewesen, weshalb man sie rausgenommen und neues Pflanzsubstrat eingebracht habe. Und dann kamen die Pflanzen hinzu, "vor allem solche, die für Insekten gut sind".

Nachdem die Bauhofmitarbeiter ihre Arbeit getan hatten, kamen die Anwohnerinnen und Anwohner ins Spiel. Die Paten haben ab jetzt die Aufgabe, "unerwünschten Aufwuchs", früher Unkraut genannt, zu erschweren und darauf zu achten, dass die Pflanzung nicht über die Begrenzung der Pflanzfläche hinauswächst. Die Paten müssen die Pflänzchen auch wässern. Darüber hinaus haben sie sich mit ihrer Unterschrift dazu verpflichtet, Krankheitsbefall, Schäden an Pflanzen oder der Pflanzfläche sofort dem Bauhof zu melden.

In den Pflanzbeeten in Petterweil stehen auch zumeist Bäume. Deren Pflege liegt weiterhin in den Händen des Bauhofes. Immerhin seien das 40 Bäume im öffentlichen Straßenraum, informiert Schwaab. Die werden indes beim Gießen der Beete gleich mit dem kühlen Nass versorgt.

"Wir haben sofort ja gesagt, als man uns gefragt hat", sagt eine Nachbarin. Sie pflegt das Beet vor ihrem Haus. Unweit davon entfernt hat auch Ortsvorsteher Koch eins in Pflege. Auch etliche weitere Anwohner dieser beispielhaft ausgewählten Straße haben eine Patenschaft abgeschlossen. Lediglich für drei Beete fand sich kein Pate. "Die werden weiterhin vom Bauhof betreut", informiert der Stadtrat.

Damit öffentlich sichtbar ist, dass ein Beet von einem privaten Paten betreut wird, hat die Stadt Schilder mit den jeweiligen Namen aufstellen lassen. Als kleines Dankeschön erhalten die Paten Gutscheine, die sie in heimischen Geschäften einlösen können.

Am Tag des offiziellen Starts der Patenschaftsaktion sieht es in der Straße sehr gepflegt aus. Nun hoffen alle Beteiligten, dass das so bleibt. Damit die Hundebesitzer ihre Vierbeiner nicht dort hineinmachen lassen, haben die Paten auch noch Schilder angebracht, die darum bitten, die Beete nicht als Hundeklo zu nutzen.

Pilotprojekt in der Testphase

Das jetzt in Petterweil gestartete Projekt für Patenschaften für öffentliche Grünflächen gilt als Pilotprojekt für die gesamte Stadt. "Wir wollen zunächst Erfahrungen sammeln", sagt Erster Stadtrat Friedrich Schwaab. Im Mai werde man den städtischen Gremien einen Erfahrungsbericht vorlegen. Den hatte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) im August in der Stadtverordnetenversammlung zugesagt. Dabei ging es allerdings um Patenschaften für Bäume, wie von der SPD beantragt. Private Paten sollen die Bäume vor allem wässern, so die Idee der Fraktion. Vor dem Start einer solchen Aktion will die Stadt laut Bürgermeister aber erstmal die Erfahrungen aus Petterweil abwarten. In Klein-Karben hatte es vor vielen Jahren einmal einen ähnlichen Anlauf gegeben, der nach einiger Zeit im Sand verlief.

Das jetzt in Petterweil gestartete Projekt für Patenschaften für öffentliche Grünflächen gilt als Pilotprojekt für die gesamte Stadt. "Wir wollen zunächst Erfahrungen sammeln", sagt Erster Stadtrat Friedrich Schwaab. Im Mai werde man den städtischen Gremien einen Erfahrungsbericht vorlegen. Den hatte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) im August in der Stadtverordnetenversammlung zugesagt. Dabei ging es allerdings um Patenschaften für Bäume, wie von der SPD beantragt. Private Paten sollen die Bäume vor allem wässern, so die Idee der Fraktion. Vor dem Start einer solchen Aktion will die Stadt laut Bürgermeister aber erst mal die Erfahrungen aus Petterweil abwarten. In Klein-Karben hatte es vor vielen Jahren einmal einen ähnlichen Anlauf gegeben, der nach einiger Zeit im Sand verlief. pe

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