Schwarz-weiße Kunst: Dem kleinen italienischen Bergdorf Canale di Tenno hat sich Pressesprecher Rainer Wagner angenommen. FOTO: PRIVAT

Die Perspektive wechseln

  • vonJürgen Schenk
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Mitte März ist es wieder so weit: Im Bürgerhaus Okarben sollen die Karbener Fototage dem Publikum neue Blickwinkel und Impressionen aufzeigen. Weshalb Knipsen nichts mit Fotografieren zu tun hat, warum sich auch der Bürgermeister wieder auf ein Stadträtsel freuen darf und was sonst noch alles geboten wird, verraten Rainer Wagner und Michael Lucas vom Fotoclub Karben.

Längst hat die Veranstaltung einen festen Platz im Terminkalender der Stadt. In diesem Jahr findet bereits die 38. Ausgabe statt. Kontinuität und Können scheinen den Erfolg der jährlichen Ausstellung zu begründen.

Der Verein entstand im Jahr 1972 als Ableger eines Volkshochschulkurses. »Fotografieren in Theorie und Praxis« lehrte seinerzeit Gottfried Arnold von der Wetterauer Zeitung einigen begeisterten Amateurfotografen. Daraus wurde in der Folge zunächst der »Foto- und Schmalfilmclub Karben« und sieben Jahre später schließlich der Fotoclub Karben. Aktuell zählt der Verein 42 Mitglieder; 20 davon nehmen an der diesjährigen Ausstellung teil.

Bilderrätsel zu Stadtvierteln

»Ein festes Thema wird den teilnehmenden Ausstellern nicht vorgegeben«, erläutert Pressesprecher Rainer Wagner, der auch mit eigenen Bildern vertreten sein wird. »Alle schauen, was sie gut finden, und stellen ein Portfolio zusammen.« Darauf darf man gespannt sein. Die Vorankündigung verspricht jedenfalls viele Facetten vom kreativen Schaffen der Vereinsmitglieder. Bilder von Reisen, Landschaften, Städten, Pflanzen, Tieren, gefühlten Momenten und abgelichteten Ewigkeiten sollen die Betrachter erfreuen. »Magie des Augenblicks«, »Sonnenaufgang«, »Jahreszeiten«, »Luftgaukler« oder »Verspiegelt« heißen die Titel, um nur eine Auswahl zu nennen.

Wagners Schwarz-Weiß-Fotografien erzählen zum Beispiel vom pittoresken Charme eines Dorfes in Italien. »Canale di Tenno liegt in den Bergen über dem Gardasee«, sagt er. »Der Ort war lange Zeit verlassen, wurde dann wieder besiedelt. Er ist irgendwie unwirklich, mit engen Gassen, in die kaum Sonnenlicht fällt. Alles sieht noch aus wie im Mittelalter. Bei der Schwarz-Weiß-Fotografie tritt die Bedeutung von Licht und Schatten, Kontrasten, Linien und Formen in den Vordergrund. Die Reduktion auf Helligkeitsstufen lässt das Bild grafisch wirken. Durch den Verzicht auf Farbe wird das Motiv verfremdet dargestellt und lädt zum Nachdenken ein.«

Eine Gemeinschaftswand wird es auch dieses Jahr wieder geben und dort stellt der Fotoclub diesmal seine »Top 5 der internen Wettbewerbe« vor. »Übers ganze Jahr verteilt laufen bei uns fünf Wettbewerbe. Die jeweils fünf besten Bilder, die intern gekürt wurden, finden sich an der Stellwand wieder. Insgesamt werden also 25 Bilder als Gemeinschaftsthema zu sehen sein«, führt Michael Lucas aus.

Das beliebte Stadträtsel gehört auch wieder zum Programm. Es geht es darum, Ecken, Winkel und Charakteristika zu erraten und den verschiedenen Karbener Stadtteilen zuzuordnen. Das war in den Vorjahren ein echter Publikumshit, bei dem auch Bürgermeister Guido Rahn immer seinen Spaß hatte. Aber es werde zunehmend schwieriger, frische Orte zu finden, machen Wagner und Lucas deutlich. Vieles sei eben schon einmal dabei gewesen und bekannt. Jetzt werden die Motive spezieller. Damit dürfte das Erkennen der Fotos selbst für ausgewiesene Karben-Kenner nicht so leicht von der Hand gehen.

In einer Zeit, die von Schnellschüssen geprägt ist, stehen die Fotoclubler genau auf der anderen Seite. Die Tendenz zum Knipsen sei durch die digitale Fotografie entstanden. »Aber genau das unterscheidet uns davon«, skizziert Lucas. »Knipsen ist nicht gleich Fotografieren. Wir wollen nicht in diese Schiene verfallen, suchen uns die Motive viel bewusster aus. Vom ersten Bild an soll die Qualität so aussehen, wie wir sie uns vorstellen. Ohne große Nachbearbeitung zuhause.« Wagner ergänzt, dass man mit den Aufnahmen Inhalte und Geschichten erzählen wolle. »Mit jedem Foto wollen wir eine Aussage treffen.«

Vernissage ist am Freitag, 13. März, um 19 Uhr im Bürgerhaus Okarben. Fotoausstellung, Beamer-Schauen und Stadträtsel finden am 14. März von 14 bis 18 Uhr und am 15. März von 11 bis 18 Uhr statt. Für die Beamer-Schauen gilt ein spezieller Zeitplan. Der Eintritt ist frei.

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