Vorangekommen: So sieht die neue Ortsdurchfahrt Groß-Karben aus der Autofahrerperspektive aus.	FOTO: HOLGER PEGELOW
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Vorangekommen: So sieht die neue Ortsdurchfahrt Groß-Karben aus der Autofahrerperspektive aus. FOTO: HOLGER PEGELOW

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Aus Ortsdurchfahrt wird eine Stadtstraße

  • Holger Pegelow
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Lange hat die Stadt darauf hingearbeitet. Jetzt ist es soweit: Aus der einstigen Durchgangsstraße für den überörtlichen Verkehr ist eine ansehnliche Stadtstraße geworden. Die Bahnhofstraße im alten Ortskern Groß-Karbens hat einen anderen Charakter erhalten.

O rtsvorsteher Gerd Herrmanns ist vor gut 40 Jahren nach Karben gezogen. »Schon damals habe ich gesehen, wie belastet die Bahnhofstraße ist«, sagte Herrmanns bei der Eröffnung der nunmehr grundsanierten Straße. Seinerzeit schon habe er gemeinsam mit dem damaligen Ortsvorsteher Karl Krieg für eine Ortsumgehung gekämpft. Dem Engagement für eine Umgehungsstraße haben sich seinerzeit viele andere Groß-Kärber angeschlossen. Denn aus der einstigen Dorfstraße war seit den achtziger Jahren mit immer mehr zunehmenden Autoverkehr eine Durchgangsstraße geworden.

Täglich fuhren an Spitzentagen bis zu 12 000 Fahrzeuge durch den engen Ortskern, wie sich Ekkehart Böing erinnert, bei der Stadt im Fachbereich Stadtplanung, Bauen und Verkehr für Verkehrsfragen zuständig. Vor allem im morgendlichen Berufsverkehr wälzte sich eine wahre Blechlawine über die Straße, erinnern sich viele ältere Karbener, wie etwa CDU-Mann Herrmanns, aber auch die Sozialdemokraten Christel Zobeley und Hans-Jürgen Kuhl..

Letztlich führte die Verkehrsbelastung zur Zerstörung von Fahrbahn und Gehwegen. Die Straße war an vielen Stellen uneben, stellenweise geflickt. Die ohnehin schmalen Gehwege brachen nach und nach auf. Die Folgen waren deutlich zu sehen. Immer weniger Fußgänger bewegten sich im alten Ortskern, Anwohner zogen aus ihren Häusern, Geschäfte machten dicht. Der Ortskern drohte am Ende sogar auszusterben.

Eine Umfahrung musste her, und für die wurde auf allen politischen Ebenen gekämpft. Nach jahrzehntelanger Planung und Gerichtsverfahren ist die Straße dann gebaut worden. Denn den überörtlichen Autoverkehr aus dem Ortskern herauszubekommen, war nach einhelliger Meinung die Grundvoraussetzung dafür, dass die jetzt erfolgten Sanierungen stattfinden konnten.

Einzelne Projekte vorher umgesetzt

Bis die Nordumgehung schließlich im November 2017 tatsächlich eröffnet wurde, hatte die Stadt aber schon kleinere Projekte umgesetzt. Denn Groß-Karben war im Jahr 2008 ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen worden. Das bedeutete Zuschüsse für die Aufwertung des alten Ortskerns. Im Bürgerbeteiligungsverfahren sei schnell klar geworden, dass die Umgestaltung und Sanierung der Ortsdurchfahrt und des Ortskerns sowie seiner angrenzenden Plätze das Kernprojekt des Dorferneuerungsprogramms sei, erinnert sich Ekkehart Böing. So wurden, bis zur Freigabe der Umgehungsstraße, verschiedene Projekte umgesetzt, wie etwa der Vorplatz des Friedhofes saniert, ein Freizeitfeld an der TG-Turnhalle angelegt, und eine Handvoll Privatleute sanierte das Degenfeldsche Schloss.

Eine Aufgabe übrigens, welche die Stadt seinerzeit nicht hatte stemmen können. Der Verkauf des Schlosses an einige Privatleute vorwiegend aus Karben machte dann den Weg frei. Es hat nach der Eröffnung der Umgehungsstraße nicht lange gedauert, da ging die einstige Landesstraße in das Eigentum der Stadt über.

Das machte den Weg frei für die grundhafte Erneuerung der Straße. Das Millionen-Projekt wurde in drei Abschnitte eingeteilt. Im Jahr 2018 ging es los: Der erste Abschnitt reichte vom Heldenberger Weg bis zum Leonhardischen Schloss. Dabei wurden nicht nur Kanalnetz, Gehwege und Fahrbahn erneuert, sondern auch der Lindenplatz und der Platz vor dem ehemaligen Eis-Rei. Der zweite Abschnitt schloss sich an, der dritte Abschnitt wird der zwischen Ludwigstraße und Burg-Gräfenröder Straße sein.

Pause nach erstem Teilstück

Nachdem der erste Bauabschnitt fertiggestellt worden war, pausierte die Sanierung der Groß-Karbener Umgehung aber erst einmal. Denn Hessen Mobil, das Straßen- und Verkehrsmanagement des Landes, hatte überraschend angekündigt, dass man die Fahrbahn der Ortsdurchfahrt Klein-Karben sanieren werde. Die Stadt hängte sich quasi drauf und renovierte Gehwege und Bushaltestellen.

In diesem Jahr also ist der zweite Abschnitt fertiggestellt und am Freitagmittag eröffnet worden. Für die Autofahrer, die noch die alte Piste kennen, bedeutet das ein neues Fahrgefühl. Man rollt ohne Ruckeln und Hoppeln durch den alten Ortskern. Es sind an einigen Stellen auch abgesenkte Bordsteine eingebaut worden, die Überwege werden demnächst noch markiert. »Hier läuft es sich viel besser als vorher«, meinte eine Seniorin, die zum Einkaufen gegangen ist. Und Fahrgäste der Busse können am Friedhof nun barrierefrei ein- und aussteigen.

So herrschte bei der offiziellen Freigabe der Straße also eitel Sonnenschein bei allen Beteiligten. Nun kommt es nur noch auf zwei Dinge an: Erstens, dass keine Lastwagen durchfahren, auch wenn immer von Ortsdurchfahrt gesprochen wird. Man habe, sagt Bürgermeister Guido Rahn (CDU), ein Lkw-Durchfahrtsverbot angeordnet, »das wir auch kontrollieren werden«. Und zweitens: »Dass vielleicht doch noch einige Privatleute mehr ihre Häuser sanieren. Wir bräuchten ein zweites Dorferneuerungsprogramm.« Die Stadt jedenfalls ist schon mal mit gutem Beispiel vorangegangen.

320 Meter lang ist der zweite Bauabschnitt in der Ortsdurchfahrt Groß-Karben, der jetzt grundhaft saniert worden ist. Dabei wurden 1185 Quadratmeter Pflaster verlegt und 10 000 Quadratmeter Fahrbahn asphaltiert. Hinzu kommen 670 Meter Bordsteine und zwei Bushaltestellen. Am Friedhof wird Anfang kommenden Jahres noch ein Fußgängerüberweg errichtet. Zudem werden demnächst noch Parkplätze markiert und Zebrastreifen. pe

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