Angelika Ungerer ist Gründerin der "Omas gegen rechts Wetterau". Auch in Zeiten von Corona geht die Arbeit weiter.
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Angelika Ungerer ist Gründerin der »Omas gegen rechts Wetterau«. Auch in Zeiten von Corona geht die Arbeit weiter.

Treffen mit Angelika Ungerer

»Omas gegen rechts« bleiben auch in der Corona-Krise aktiv

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Nicht nur die Lesung mit Monika Salzer, der Gründerin von »Omas gegen rechts«, ist wegen der Corona-Krise ausgefallen - sondern auch weitere Aktionen. Doch wie geht es für die Gruppe weiter?

"Omas gegen rechts - warum wir für die Zukunft unserer Enkel kämpfen.« So lautet der Titel des Buchs von Monika Salzer, welche die Bewegung »Omas gegen rechts« gegründet hat.

Am vergangenen Montag sollte die Österreicherin in Karben lesen, doch die Veranstaltung fiel wegen der Corona-Krise aus. »Wir hatten lange gezögert und diskutiert, ob wir die Lesung stattfinden lassen, und die Stühle weit auseinander stellen. Die Entscheidung wurde uns durch die Verordnungen dann mehr oder weniger abgenommen«, berichtet Angelika Ungerer, Gründerin des Zusammenschlusses »Omas gegen rechts« Wetterau. Warum sie, wie sie sagt, für die Zukunft der Enkel kämpft, schildert sie im Gespräch mit dieser Zeitung - auf Abstand, vor dem Spaziergang mit ihrem Hund in Bad Vilbel. Traurig fand die Gruppe laut Ungerer vor dem Hintergrund der aktuellen Krise auch, dass ein Projekt an der Bad Vilbeler John-F.-Kennedy-Schule nicht stattfinden konnte. »Wir wollten dort über Rassismus diskutieren, dies vor dem Hintergrund des Dritten Reichs. Und den Jugendlichen erzählen, wie es war.«

»Omas gegen rechts«: Jahrzehnte lang Toleranz erarbeitet

Die Jugend erlebe momentan Einschnitte wegen Corona, aber es sei dann doch noch etwas anderes, wenn eine Bedrohung wegen Krieg oder Verfolgung da sei, konstatiert Ungerer.

In ihrem Buch sage Autorin Salzer vieles so, wie es auch Ungerer empfindet: »Es ist genau wie sie es sagt.« Der Vater ihres Enkelkinds sei Kurde. »Und ich möchte, dass mein Enkelkind keine Repressalien erlebt, keine Verfolgung wie im Dritten Reich. Sondern, dass man die Menschen annimmt wie sie sind, wo wir ja fast angekommen sind, zumindest großenteils.« Die Toleranz, die sich die Gesellschaft jahrzehntelang erarbeitet habe, solle erhalten bleiben: »Dass meine Töchter unabhängig sind und nicht am Herd stehen wie früher.«

Vor dem Hintergrund von Corona sei es schwierig, die Arbeit der Gruppe Omas gegen rechts zu organisieren. »Mit Blick auf die Kommunalwahlen wollten wir im Frühling auf die Wochenmärkte gehen, einmal im Monat und informieren. Am 21. März war Internationaler Tag des Rassismus - da hatten wir einen Stand in Friedberg gemietet.« Momentan geschehe die Verständigung stattdessen mehr über die Sozialen Medien.

»Omas gegen rechts«: Jede Gruppe ist autark

»Wir haben uns alle am 21. März positioniert, haben getwittert, auf Instagram und Facebook unsere Banner und Spruchschilder gepostet.« Ungerer gründete die Wetterauer Gruppe im November 2018. »Auch über Facebook, so entstehen die Gruppen ja alle. Wir haben schnell Mitstreiterinnen gefunden, auch Mitstreiter, denn wir haben auch viele Männer.« Manchmal werde schon gelästert, wenn die Gruppe fotografiert wird, beispielsweise auf einer Demo: »Da sind ja mehr Männer als Omas.«

Es gibt dabei zwei Strömungen: Während die »Omas gegen rechts Deutschland« ein Verein sind, wollen die Wetterauerinnen und viele andere Regionalgruppen laut Ungerer ein freies eigenständiges Bündnis bleiben, genannt das »Omas gegen rechts-Deutschland-Bündnis«.

Jede Regionalgruppe sei autark, »wir haben keinen Vorstand und keinen Pressesprecher«, erläutert sie. Dem Bündnis sei es wichtig, basisdemokratisch zu sein. Die zwei Organisationsformen gehen ihren Worten zufolge auf Anna Ohnweiler aus Nagold und Gerda Smorra aus Bremen zurück. Ohnweiler gründete im Januar 2018 eine Gruppe auf Facebook, Smorra tat das Gleiche ungefähr zwei Stunden später. »Zuerst hat man sich gemeinsam verständigt, aber jetzt haben die »Omas gegen rechts Deutschland« einen Verein ins Leben gerufen, mit vielen parteipolitischen Stimmen in Nagold. Und das wollten nicht alle.« Das freie Bündnis habe eine eigene Webseite,und eine Facebook-Gruppe, in der alle Administratoren vom Omas gegen rechts-Bündnis Mitglied sind. »Wir haben jemanden, der die Homepage betreut, sich um die Gestaltung und Grafik von Flyern kümmert, einen für die Musik - jede macht, was sie kann und ihr Spaß macht.«

»Omas gegen rechts«: Online bestellen

Der Titel »Omas gegen rechts - warum wir für die Zukunft unserer Enkel kämpfen« von Monika Salzer ist unter der ISBN 978-3-426-27811-6 im Droemer Verlag erschienen. Das Buch kostet 12,99 Euro und ist über die Online-Portale des örtlichen Buchhandels bestellbar.

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