Nach einem langen Berufsleben: Alois Maier vor der Schreinerei, die jetzt von seinem Sohn geleitet wird. 	FOTO: JÜRGEN SCHENK
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Nach einem langen Berufsleben: Alois Maier vor der Schreinerei, die jetzt von seinem Sohn geleitet wird. FOTO: JÜRGEN SCHENK

Mit 89 immer noch aktiv

Ein Okarbener Schreiner mit Herz für Eulen

  • vonJürgen Schenk
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Der Okarbener Schreinermeister Alois Maier hat sich um den Naturschutz verdient gemacht. Besonders gilt sein Engagement den heimischen Schleiereulen. Auch mit fast 90 Jahren ist er noch rührig.

A lois Maier ist kein Mann großer Worte. Doch in aller Bescheidenheit hat der Schreinermeister Großes geleistet. Und das betrifft nicht allein den Familienbetrieb in Okarben, den er von seinem Vater übernommen und erfolgreich weitergeführt hat. Nebenbei kümmert er sich seit Jahrzehnten um den Naturschutz in Karben, war Mitbegründer des Nabu-Ortsvereins und des Arbeitskreises Umwelt. 1988 bekam er den Umweltschutzpreis der Stadt Karben.

In Kirchen und Scheunen

Seine größte Fürsorge gilt den heimischen Schleiereulen. Schon lange leben die Tiere auf seinem Grundstück als Untermieter. Im obersten Stock des Trafohäuschens bei der alten Mühle befindet sich ihr Nest.

Im kommenden Jahr wird Alois Maier 90 Jahre alt. Zufrieden kommt ihm heute ein Satz über die Lippen: »Gefährdet sind die Schleiereulen nicht mehr.« Dass dieser Erfolg wesentlich auch sein Verdienst ist, erwähnt er allerdings nicht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Familie Maier aus dem Sudetenland vertrieben worden. 1958 zog sie von Bad Sooden-Allendorf nach Okarben. »In der ehemaligen Walzenmühle an der Nidda wollte mein Vater von Anfang an eine Schreinerei aufbauen«, erinnert sich der Pensionär. Aus dem Vorhaben wurde Realität. Alois Maiers Sohn Armin führt das Familienunternehmen jetzt in der dritten Generation weiter.

1976 zogen dann die Schleiereulen ein. Das nicht mehr benutzte Trafohäuschen wurde für sie zum idealen Nistplatz. Im Giebel der benachbarten Mühle fühlten sie sich bei Temperaturen von bis zu 40 Grad im Sommer weniger wohl. Maier, der damals bereits im Umweltschutz aktiv war, kümmerte sich um deren Wohlergehen. Im Folgejahr wurde die Schleiereule vom Nabu zum Vogel des Jahres gekürt.

Mit seinen handwerklichen Fähigkeiten installierte der Schreinermeister von 1976 bis 2001 insgesamt 23 Nistkästen in und um Karben. Passend vor allem in Kirchen und Scheunen. »Viele Kirchengemeinden hatten zunächst Bedenken wegen der Uhrwerke in den Türmen«, erzählt Maier. »Genehmigt haben sie den Einbau schließlich aber doch.« Noch immer wundere er sich darüber, dass das Glockengeläut den Tieren nichts ausmache. Denn sie hätten ein sehr feines Gehör und liebten eigentlich einen Platz in stiller Abgeschiedenheit.

Nichtsdestotrotz scheinen die »Neubauwohnungen« gut angekommen zu sein. Innerhalb von zwei Jahren waren nämlich 65 Prozent der Nistmöglichkeiten besetzt. Viele Jahre inspizierte Maier die Brutplätze in Okarben, Groß-Karben, Klein-Karben, Petterweil, Kloppenheim, Burg-Gräfenrode, Rodheim, Wöllstadt und Kaichen selbst. Heute liegt dieses Ehrenamt in der Verantwortung der örtlichen Vogelschutzvereine. Für einen fast 90-Jährigen ist es wohl auch besser, wenn er nicht mehr über Leitern in die engsten Winkel von Scheunen und Kirchen klettern muss.

Zur Kontrolle der Nistplätze sei es notwendig, dass man regelmäßig nach dem Rechten schaue, rät er. »Außerdem muss der Dreck, den die Eulen hinterlassen, öfters mal weggemacht werden. Durch das Getrampel der Jungen wird er sonst am Boden fest wie Beton.« Bis zu diesem Jahr sind in all den Nistkästen ungefähr 1500 Jungvögel flügge geworden, schätzt der Karbener Nabu. Zahlreiche junge Eulen wurden von Alois Maier für die Vogelwarte auf Helgoland beringt.

Fundorte in der ganzen Wetterau

In den 80er-Jahren kamen Meldungen von tot aufgefundenen Tieren mit der entsprechenden Beringung unter anderem aus Frankreich und den Niederlanden. Andere wurden in Lorsch, Worms und Biblis gefunden. Die näheren Fundorte erstreckten sich über den gesamten Wetteraukreis und über Orte im Main-Kinzig-Kreis. Maier will weder rasten noch rosten. Deswegen ist er noch immer viel auf seinem Anwesen unterwegs.

Sein Tagesplan ist klar strukturiert. Wenn er nicht im Haus ist, findet man ihn oft beim Füttern seiner Tiere im Garten. Zu erzählen hat der rüstige Rentner immer etwas. Nicht nur von Schleiereulen, sondern auch von der Mühle und vom Nidda-Hochwasser in früheren Zeiten.

Wie weit junge Schleiereulen im Herbst wandern, hängt in erster Linie davon ab, wie es um die Feldmaus-Population bestellt ist. Gibt es in einem Jahr einen hohen Bestand an Schleiereulen, dafür jedoch nur wenig Feldmäuse, ist die Wanderungsbewegung der Schleiereulen dementsprechend größer.

Verhält es sich umgekehrt, bleibt der Eulennachwuchs meist in der Nähe ihrer Eltern. Normalerweise beträgt der Radius, in dem sich Jungvögel von ihrem Geburtsort entfernen, kaum mehr als 50 Kilometer.

In speziellen Einzelfällen allerdings wurden »Auswanderer« dieser Spezies sogar in Spanien entdeckt. jsl

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