Seit vier Jahren lebt Omar Yaghmour aus Damaskus in Okarben. Auf seinem E-Piano spielt der leidenschaftliche Musikschüler am liebsten einen bunten Mix aus arabischen und Latino-Rhythmen sowie spanischer Folklore. FOTO: CHRISTINE FAUERBACH

Von Damaskus nach Okarben

Okarben: Omar Yaghmour hat seinen Traumjob gefunden

Der Syrer Omar Yaghmour lebt mittlerweile seit vier Jahren in Okarben. Der 29-Jährige macht eine Ausbildung zum Augenoptiker. In zwei Jahren möchte er sie erfolgreich abgeschlossen haben. Doch das ist längst nicht seine einzige Leidenschaft.

S eit vier Jahren lebt Omar Yaghmour in Deutschland. Zwei Wochen nach seiner Ankunft in Hessen zog der 29-Jährige mit seiner Mutter Fatima Ghweili und seiner drei Jahre jüngeren Schwester Rasan von Friedberg nach Okarben. Die Familie wohnt in einer Wohnung in Ortsrandlage. Vom Balkon im dritten Stock hat die Familie einen unverbauten Ausblick ins Grüne.

Filme schauen hilft beim Lernen

Geboren und aufgewachsen ist Omar Yaghmour in Damaskus. Dort hat er sein Abitur gemacht und dann von 2010 bis 2013 Politikwissenschaften studiert. "Ich habe meinen Abschluss nicht mehr gemacht, bin vorher geflohen", sagt er. Aus den anfangs friedlichen Protesten im Rahmen des Arabischen Frühlings Anfang 2011 entwickelte sich eine andauernde, bewaffnete Auseinandersetzung verschiedener Gruppen.

An dem Bürgerkrieg beteiligten sich im Laufe der Jahre immer mehr Nationen und Gruppierungen. Seit neun Jahren befindet sich das Land in einem anhaltenden, blutigen Konflikt, dessen Ende nicht absehbar ist. Omar Yaghmour flüchtet. Er reist in die Türkei aus und 16 Monate später in Deutschland ein. "Am Anfang war es schwierig. Ich sprach Syrisch, Englisch und Türkisch, aber kein Wort Deutsch."

Voller Elan lernt er mit Hilfe des Internets und Filmen Deutsch, noch bevor er in Friedberg einen Sprachkurs besucht. Nach eineinhalb Jahren hat er gute Sprachkenntnisse erworben. Seine drei Jahre ältere Schwester Randa, die in Niedersachsen lebt und Augenoptikerin ist, weckte sein Interesse an einer Ausbildung in der Optikerbranche. "Meine Mutter war Lehrerin, mein 2008 verstorbener Vater Allgemeinmediziner. Er hat in Spanien studiert und war dort verheiratet. Meine Schwestern und ich haben einen Halbbruder in Spanien. Nach 20 Jahren auf der iberischen Halbinsel ist unser Vater 1985 nach Damaskus zurückgekehrt. Dort haben sich unsere Eltern kennengelernt."

Auch Schwester Rasan interessiert sich für die Gesundheitsbranche, sie will eine Ausbildung in einer Apotheke machen.

Ausbildung zum Optiker

Omar Yaghmour suchte einen Ausbildungsplatz. "Ich habe mehr als 40 Bewerbungen geschrieben, aber nur Absagen bekommen", erinnert er sich. Dann bekam er bei Treffen im Diakonischen Werk Wetterau in Karben Hilfe. "Mehrere Frauen haben mir bei den Formulierungen geholfen und mir die korrekte Form für Bewerbungen gezeigt."

Er machte anschließend ein einwöchiges Praktikum in der Filiale von Fielmann in Friedberg auf der Kaiserstraße. Und bekam einen Ausbildungsplatz als Augenoptiker. Vor einem Jahr fing er als Azubi in der Fielmann-Filiale auf der Kaiserstraße an. "Die Ausbildung dauert drei Jahre. Der Beruf macht mir großen Spaß. Ich bin bisher in der Werkstatt beschäftigt. Dort lerne ich den sicheren Umgang mit den optischen Geräten, eigne mir spezielles mathematisches und physikalisches Wissen rund ums Auge an. Mein Chef sagt, dass das Handwerk wichtig ist und ich in der Werkstatt die Grundlagen lege, um danach Kunden individuell beraten zu können."

Kontakte in Deutschland geknüpft hat er bisher kaum. "Dafür fehlt mir die Zeit. Ich sehe auch meine in Frankfurt-Höchst lebenden syrischen Freunde kaum. Meine Zeit ist mit Berufsschule, Ausbildung, lernen und Klavierspielen ausgefüllt. Ich brauche zum Lernen wegen der Sprache länger als deutsche Azubis."

Sein Ziel ist es, in zwei Jahren seine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Seit einem Jahr besucht er die Musikschule in Bad Vilbel und hat Klavierunterricht bei Ralf Merten. "Ich habe bereits als Kind Klavier gespielt und besitze ein E-Piano. Am liebsten spiele ich Musik mit arabischen Rhythmen, die ich mit Latinorhythmen mische. Ich liebe den Wechsel zwischen diesen beiden Rhythmen wie auch spanische Folklore und einige Klassiker."

Körperlich fit hält er sich mit Joggen. Zu seinen Erfahrungen in Deutschland sagt Omar: "Meine Familie und ich haben positive Erfahrungen gemacht. Es gab Leute, die uns geholfen haben. Ich behandele jeden so wie ich behandelt werden möchte. Von Landsleuten höre ich auch anderes."

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