"Ohne Handy kein Außenseiter"

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Immer häufiger wird die Frage gestellt, welche Rolle die Digitalisierung in der Bildung einnimmt. Was sollten Kinder in der Grundschule wissen und können, um sicher und gesund mit digitalen Medien aufzuwachsen? An der Selzerbachschule in Klein-Karben wurden erneut Schülerworkshops und ein Elternabend zum kompetenten Umgang mit Smartphone, Tablet und Internet angeboten. Hier einige Ergebnisse.

Immer häufiger wird die Frage gestellt, welche Rolle die Digitalisierung in der Bildung einnimmt. Was sollten Kinder in der Grundschule wissen und können, um sicher und gesund mit digitalen Medien aufzuwachsen? An der Selzerbachschule in Klein-Karben wurden erneut Schülerworkshops und ein Elternabend zum kompetenten Umgang mit Smartphone, Tablet und Internet angeboten. Hier einige Ergebnisse.

Die Klein-Karbener Grundschule hat ein Medienkompetenzprogramm für die Schüler der vierten Klassen, das im dritten Jahr in Folge von dem Medienwissenschaftler Jörg Astheimer der Initiative "6 Degrees*" angeboten wird. "Wir setzen darauf, Kinder, Eltern und Lehrer zu erreichen und einen kompetenten Umgang mit Smartphones und Tablets zu fördern", sagt Sonja Manke, stellvertretende Schulleiterin der Selzerbachschule. Die Kinder lernen im Beisammensein mit ihren Klassenlehrern den maßvollen und sicheren Umgang mit Handy und Internet.

Inhaltliche und zeitliche Kontrolle

In den vierten Klassen der Schule gibt es heute nicht mehr Kinder mit Smartphones als in den beiden letzten Jahrgängen. Nach wie vor halten viele Eltern der Schule an der Überzeugung fest, dass Kinder in der Grundschule noch keine Smartphones benötigen. Hier liegen die Erziehungsberechtigten laut Astheimer richtig. Denn die Risiken, denen Kinder bei einem eigenen Smartphone ausgesetzt sind, überwögen bei Weitem gegenüber den Chancen. Auch ein oft gehörtes Vorurteil, wonach Kinder ohne Smartphone in eine Außenseiterrolle gedrängt würden, lasse sich nicht bestätigen. Mehr noch: Nach wie vor seien alle Kinder davon überzeugt, dass die Freude, die man im realen Leben mit anderen Kindern hat, nicht durch Smartphones ersetzbar sei.

Mehr denn je setzten die Eltern der Grundschule außerdem auf eine inhaltliche und zeitliche Kontrolle – sei es persönlich oder durch Kinderschutzprogramme. Bei einer größeren Zahl von Kindern als bisher finde eine zeitliche Begrenzung durch Apps oder andere Geräte statt. "Die Kinder aus der 5. und 6. Klasse geben uns klar zu verstehen, dass wir die Eltern unbedingt auf eine zeitliche Begrenzung der Bildschirmzeit hinweisen sollen. Unser Ziel ist es auch, die Erfahrungen der älteren Kinder an die jetzigen Grundschüler und deren Eltern weiterzugeben", sagt Astheimer.

Auch die Schule leistet im Rahmen des Unterrichts einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung von Medienkompetenz. "Wir arbeiten in dieser Hinsicht Hand in Hand", betont Manke. Aufgrund einer Lektüre zur E-Mail- und Chat-Kommunikation wüssten die Kinder bereits, welche Fotos sie im Netz verwenden oder verschicken dürfen – und welche nicht. Auch der Gebrauch eines Nicknames oder Pseudonyms anstelle des eigenen Namens sei den Schülern vertraut. Spätestens in der 5. Klasse werde diese Kompetenz relevant, da drei von vier Kindern in dieser Jahrgangsstufe Youtube und WhatsApp als Lieblings-Apps nennen. Auch Snapchat ist in diesem Alter die beliebteste App jedes dritten Kindes.

"Uns bleibt eigentlich nur wenig Zeit, um präventiv zu arbeiten, um Eltern und Kinder aufzuklären," meint Astheimer. "Da sich Kinder in Einzelfällen unkontrolliert im Netz bewegen, ist es dringend geboten, die Grundschüler und deren Eltern über Risiken aufzuklären." Auch der Unterschied zwischen der realen Kommunikation und dem Chat sei für viele Kinder noch erklärungsbedürftig. Ziel sei es, dass nach dem Workshop jedes Kind verstanden hat, dass "ein Smiley kein Ersatz für den Eindruck ist, den wir bekommen, wenn wir andere Menschen von Angesicht zu Angesicht sehen".

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