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Biolandwirt Sebastian Mager baut Kartoffeln ohne chemische Dünger und ohne chemische Spritzmittel an. Die landwirtschaftliche Arbeit erfolgt vielfach nach traditioneller Art und Weise.

Bio-Bauernhof

Ökologisch, artgerecht und traditionell

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Viele haben kaum eine Vorstellung davon, wie auf einem Bio-Bauernhof gearbeitet wird. Artgerechte Tierhaltung, Obst und Gemüse aus eigenem Anbau? Der Karbener Biolandwirt Sebastian Mager betreibt regionale und nachhaltige Landwirtschaft.

V or gut 30 Jahren wussten nur wenige, was genau sich hinter dem Begriff Bio verbirgt oder was nachhaltige Landwirtschaft ist. Zu jener Zeit, Anfang der 1990er Jahre, stellte Sebastian Magers Vater Albrecht vom konventionellen auf biologischen Landbau um.

Für die Familie war zu Beginn klar: "Wir bieten das an, was wir erzeugen: 100 Prozent regional und 100 Prozent saisonal." Bei einer solchen Maxime wären aber viele Obst- und Gemüsesorten nicht das ganze Jahr über zu erhalten gewesen, blickt Sebastian Mager zurück. "Die Erwartungshaltung der Kunden ist eine andere als nur saisonale Ware."

Also habe man mit anderen Biolandwirten aus der Umgebung zusammengearbeitet. "Wir haben Waren, die wir nicht selber angebaut haben, von befreundeten Betrieben abgeholt. Und wir haben Obst und Gemüse, das wir angebaut haben, dort mit hingenommen." Mager erzählt, auf diese Weise habe man sich zentral in Bruchköbel immer ausgetauscht.

Der Biolandhof Mager verkauft seine Waren beispielsweise auf Wochenmärkten und im eigenen Hofladen am Ende des Ulmenweges. Dort bietet er nicht nur das an, was auf dem Hof selber angebaut wird.

Traditionelle Kreislaufwirtschaft

Nicht immer klappt das 100-prozentig mit dem Siegel Regional. Sebastian Mager gibt zu, dass beispielsweise die Avocados "aus Europa" stammten. Angesichts des zunehmenen Umweltbewusstseins und der CO2-Diskussion überlege man schon, ob man dieses Gemüse aus dem Angebot nehmen solle.

Nicht nur das Prädikat regional trifft auf den Öko-Bauernhof am Rande von Klein-Karben zu. Traditionell arbeite man gleichfalls. Er versteht darunter "alte Anbaumethoden". Die funktionieren auf dem Hof wie folgt: "Die Basis für den Ackerbau ist eine spezielle Fruchtfolge", sagt Mager. Auf einem Acker wächst zwei Jahre lang die Luzerne, das ist eine Pflanze, die den atmosphärischen Stickstoff in organischen Stickstoff umwandelt und ihn somit an den Boden abgibt. Im dritten Jahr wird auf demselben Feld Weizen gesät. "Der braucht am meisten Nährstoffe."

Im vierten Jahr kommen die Kartoffeln, im fünften das Futtergetreide für die Hühner und im sechsten Jahr die Sorten, die am wenigsten Nährstoffe benötigen, wie etwa Futtererbsen, aber auch Roggen oder Dinkel. Diese sogenannte Kreislaufwirtschaft sei vor der Erfindung des Kunstdüngers Standard in der Landwirtschaft gewesen.

Traditionell heiße aber auch, man sei nicht so stark mechanisiert wie andere Betriebe. "Wir haben auch unsere Maschinen, aber bei uns machen wir noch viel in Handarbeit."

80 Hektar Fläche bewirtschaftet die Familie Mager mit zwölf Angestellten rund um den Hof. Ein Drittel davon befindet sich direkt um den Hof herum, aber es gibt auch Felder in anderen Karbener Stadtteilen und in Kaichen.

Dem Tierwohl verpflichtet sieht man sich gleichwohl. So haben Schweine und Hühner viel Auslauf. Drei Viertel des Tages seien die Schweine mit Futtersuche beschäftigt. Deshalb leben sie nicht nur im Stall, sondern haben auch davor viel Auslauf. Der Bereich ist mit Stroh ausgelegt, dazwischen finden die Tiere Kartoffelreste, Karotten und anderes Gemüse.

In der konventionellen Tierhaltung seien die Schweine nach drei bis vier Monaten schlachtreif, "bei uns nach rund sieben Monaten". Auf dem Magerhof werde keinem Schwein der Schwanz und keinem Huhn der Schnabel kupiert. Auch die Schädlingsbekämpfung folgt traditionsreichen Erkenntnissen. Der Magerhof setzt etwa gegen den Kartoffelkäfer "einen natürlichen Gegenspieler ein, den Bacillus thuringiensis", erklärt Mager. Auch Läuse an Gurken werden mit Larven bekämpft. "Die Eier dafür kommen mit der Post." Florfliegen, Marienkäfer oder Schlupfwespen sind hier die natürlichen Gegenspieler.

Heizen mit Holzpellets

Und wie sieht es in Klein-Karben aus in Sachen Nachhaltigkeit aus? "Angesichts der Klimakrise überprüfen wir unser eigenes Leben", sagt der 42-jährige Vater von drei Kindern. So erzeuge man einen Teil des Stroms für den Hof selber, die Heizung werde mit Holzpellets betrieben, und Strom kaufe man nur aus Ökostrom hinzu. Vor Jahren schon habe man die Plastikverpackungen im Hofladen auf Papier umgestellt. Mager gibt angesichts der aktuellen Diskussion, auch innerhalb der Familie, zu, dass der Weg nicht immer einfach sei: "Wir haben einen Anspruch an unsere Arbeit und unser Leben. Wir wollen zufriedene Kunden, aber unseren eigenen Prinzipien treu bleiben." Manchmal, sagt er, sei das "schon ein ganz schöner Spagat".

Der Magerhof in Klein-Karben ist seit 1994 anerkannter und kontrollierter Erzeugerbetrieb bei Bioland, dem Anbauverband für organisch-biologischen Landbau und Tierhaltung. Rund 60 Schweine und etwa 850 Hühner werden auf dem Hof gehalten. Dort wird auch ein eigener Laden betrieben. Neben den eigenen Produkten wie Kartoffeln, Eiern, Fleisch- und Wurstwaren, Brot und Brötchen, Kuchen, Obst und Gemüse gibt es ein umfangreiches Naturkostsortiment sowie Pflege- und Reinigungsprodukte, handgemachte Keramik, glutenfreie Produkte und Tiefkühlkost. Viele Produkte werden auch auf den Wochenmärkten samstags in Klein-Karben an der Kirche und mittwochs in Schöneck-Büdesheim auf dem Platz vor dem Rathaus angeboten. pe

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