Massive Vorwürfe

Oberburg-Verkauf spaltet Burg-Gräfenrode

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Massive Vorwürfe erhebt die Interessengemeinschaft gegen den Verkauf der Oberburg von Burg-Gräfenrode gegen den Kirchenvorstand.

Die Sitzung in der Kirche wirkt bei den Gegnern des Oberburgverkaufs noch nach. Als sie sich mit dem WZ-Redakteur treffen, sind Wut und Enttäuschung spürbar. "Wir sind gar nicht richtig zu Wort gekommen. Der Moderator hat uns mit abweisenden Handbewegungen ständig nach hinten geschoben." Und das hatte seinen Grund, denn Vertreter der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau sowie die stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes der evangelischen Gemeinde Burg-Gräfenrode begründeten mit vielerlei Zahlen, warum sie das historische Gebäude verkaufen wollen. Doch nicht nur die Art der Versammlungsführung ärgert das Quintett aus Astrid Fielding, Karlfred Heidelbach, Kurt W. Rühle, Ekkehard Müller und Martin Hahn. Auch die dort präsentierten Zahlen belegen nach ihrer Ansicht: "Der Kirchenvorstand hat sich keine Gedanken um Einnahmen gemacht." Die dargestellten 300 000 Euro zur Sanierung der Elektrik seien durch den geplanten Verkauf eines Teils des Grundstücks an die Stadt Karben gedeckt. Danach hätten die Vertreter der Kirche für die nächsten 30 Jahre 1,2 Millionen Euro Sanierungskosten geschätzt. "Den Kosten haben sie aber keinerlei Einnahmen entgegengesetzt", sagen die Gegner. Zudem bezweifeln sie die hohen Ausgaben. So seien viele Fenster in der Burg Mitte der Neunziger Jahre neu gemacht worden. "Das Dach ist ebenfalls in dieser Zeit erneuert worden. Es wird jedes Jahr kontrolliert." Für die Gegner des Verkauf ist die Burg "in baulich ordentlichem Zustand".

Bei der Sanierung des auf dem Gelände stehenden Lieselturms habe sich eine große Spendenbereitschaft bei den Burg-Gräfenrödern gezeigt. Gerade Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach war unterwegs, um Spenden einzutreiben. Zudem gebe es die Möglichkeit, Teile der Kollekte für die Sanierung der Burg zu verwenden oder Feste zu veranstalten. Zudem gebe es Zuschüsse vom Denkmalschutz. In der Burg seien im Oberschoss zudem zwei Wohnungen vermietet worden. Deren Mieten lägen 50 bis 60 Prozent unter den ortsüblichen Mieten. "Die ganze Rechnerei ist unseriös", sagt Ekkehard Müller.

Für die Verkaufsgegner, die 532 Unterschriften gesammelt haben, ist klar, dass die Sache "ein Geschmäckle" hat. Nicht nur die Präsentation von Philipp von Leonhardi als Käufer belege das. Man wisse aus dem Kirchenvorstand, dass es bei einer ersten Abstimmung ein Patt gegeben habe. Zudem sei nach dem Ausscheiden von einem Kirchenvorstandsmitglied eine Nachrückerin berufen worden, "die gar nicht auf der Wahlliste stand". Die beiden eigentlichen Nachrücker, Gegner des Burgverkaufs, seien nicht berücksichtigt worden. "Dann stand es plötzlich fünf zu drei für den Verkauf", wundern sich die Gegner.

Trotz aller Kritik bieten sie nach wie vor ihre Mitarbeit an. "Wir sind bereit, uns aktiv einzubringen, auch mit Fachwissen", sagt etwa Ingenieur Hahn. Mit dem Pfarrer sei man so verblieben, dass er sich die Argumente der Gegner anschaut und sich dann wieder meldet.

Das bestätigt Dautenheimer gegenüber dieser Zeitung. Er wundert sich indes, "dass sich bei mir niemand über den Verlauf vom Sonntag beschwert hat". 80 Prozent der Redezeit hätten am Sonntag doch die Gegner gehabt. Die Unterschriften seien erst zum Schluss übergeben worden, "weil wir davon nichts gewusst haben". Falsch sei, dass die Einnahmen nicht dargestellt worden seien. Dautenheimer betont, man sei kein Privatmann, sondern eine Anstalt des öffentlichen Rechts. "Wir müssen also Gelder vorhalten und kriegen keinen Kredit." Dies wäre nur möglich, wenn der Haushalt positiv wäre. "Aber die Kirchengemeinde hat ein strukturelles Defizit", sagt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Er bestreitet auch die Darstellung der IG zu den personellen Wechseln im Kirchenvorstand. Die Nachrückerin sei erst berufen worden, als die Abstimmung pro Verkauf bereits erfolgt gewesen sei.,

Am 19. September habe man die nächste Kirchenvorstandssitzung. An diesem Tag werde man die Anregungen der IG beraten "und dann wieder auf sie zukommen".

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