Auf Wohnungssuche

Niemand vermietet an anerkannte Asylbewerber

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Er ist 28 Jahre alt und hat einen Job. Seit Wochen sucht der anerkannte Flüchtling Robel Kidane-Temelso eine Wohnung. Vergebens. So muss er weiter in der Karbener Gemeinschaftsunterkunft wohnen..

W ohnraum ist knapp und teuer, in der südlichen Wetterau allemal. Man könnte meinen, es sei alles belegt. Doch weit gefehlt. Die Flüchtlingshilfe Karben hat in der Stadt nach Angaben von Ulrike Loos einige leerstehende Wohnungen und Häuser ausgemacht. Auch die Leiterin des Fachdienstes Soziales, Susanne Schubert, bestätigt: "Wir haben in Karben auch Leerstände." Warum die Häuser und Wohnungen nicht bewohnt sind, weiß niemand so recht. Derweil ist der für die Wirtschaftsförderung zuständige Ex-Stadtrat Otmar Stein nach Angaben von Erstem Stadtrat Friedrich Schwaab in der gesamten Stadt unterwegs, um alle Freiflächen zu registrieren und die Eigentümer zum Verkauf zu bewegen. Dahinter steckt die Idee der Stadt, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und vor allem Baulücken zu füllen.

Denn allenthalben werden Wohnungen gesucht. Nicht nur von Flüchtlingen, wie Schubert und Schwaab sagen. "Wir haben alle Gruppen zu berücksichtigen, die auf Transferleistungen angewiesen sind."

Ein neues Leben aufbauen

Am schwersten haben es derzeit anerkannte Flüchtlinge, eine Wohnung zu finden. Robel Kidane-Temelso erlebt das am eigenen Leib. 2015 ist er aus Eritrea geflohen, vor der Diktatur, vor der Unfreiheit, sagt er. Er kam dann nach Karben in die Gemeinschaftsunterkunft Fasanenhof. Sein Asylantrag wurde positiv beschieden, er hat Deutschkurse belegt und sich Arbeit gesucht. Derzeit hat er eine Stelle bei einer Reinigung in Bad Vilbel. Er möchte sich nun sein eigenes Leben aufbauen. Doch das geht nicht ohne Wohnung. "Ich schaue immer die Anzeigen durch und rufe dann an. Aber alle Vermieter lehnen mich ab", sagt er. Er habe noch nicht einmal die Möglichkeit gehabt, sich eine Wohnung anzuschauen.

Die Ablehnung, von der der 28-Jährige erzählt, kennen die Aktiven der Flüchtlingshilfe nur allzu gut. Der Klein-Karbener Pfarrer Werner Giesler fasst die Ängste so zusammen: "Die Menschen haben Angst, dass die Flüchtlinge die Miete nicht zahlen und alles in Unordnung bringen." Alle bisherigen Versuche, diese Meinung zu durchbrechen, seien vergebens gewesen. Auch Stadtrat Schwaab berichtet von drei betagten Petterweilerinnen, die einmal in der Woche ins benachbarte Kirchencafé gehen und die in Petterweil alleine in großen Häusern wohnen. Aber auch sie wären nicht bereit, an Flüchtlinge zu vermieten.

Susanne Schubert sagt, dass sie im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in Frankfurt eine deutsche Vermieterin davon überzeugt habe, eine Familie mit Migrationshintergrund aufzunehmen. "Sie war anfangs sehr skeptisch, dann haben wir sie doch überzeugen können. Schließlich hat sie an eine polnische Familie vermietet. Das Zusammenleben in einem Haus klappt prima."

Wegen Eigenbedarfs gekündigt

Im Rahmen der Pressekonferenz von Stadt und Flüchtlingshilfe wird auch berichtet, dass die Stadt eine kleine Wohnung im Haus des Mütter- und Familienzentrums für einen Flüchtling herrichtet. Dem Flüchtling, der gleichfalls in Bad Vilbel eine Arbeit gefunden habe, sei wegen Eigenbedarfs gekündigt worden, berichtet Giesler. Schwaab kündigt an, dass der Flüchtling dort "vorübergehend" untergebracht werden könne. Das Glück haben die allerwenigsten.

In Karben gibt es nach Angaben Schuberts 48 Personen als anerkannte Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften. Diese möchten Stadt und Flüchtlingshilfe in Mietwohnungen unterbringen. Reinhard Wortmann, der Robel Kidane-Temelso betreut, sagt: "Wir wollen, dass sich diese Menschen integrieren." Und Pfarrer Giesler appelliert mit einem einzigen Satz an Immobilienbesitzer: "Die wenigste Integration findet in den Gemeinschaftsunterkünften statt."

Infos

48 Flüchtlinge dürfen bleiben

Seit März 2014 werden der Stadt Karben Flüchtlinge zugewiesen. Aktuell werden in den sechs städtischen Flüchtlingsunterkünften 245 Plätze vorgehalten. 196 Flüchtlinge leben zurzeit dort, 48 von ihnen sind anerkannt, haben also ein dauerhaftes Bleiberecht. Wie schwer es ist, geeignete Wohnungen zu finden, damit die Anerkannten aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen können, zeigt die von Stadtrat Mario Schäfer erstellte und vorgelegte Statistik: Dem nach sind drei anerkannte Flüchtlinge bereits seit 2013 in den Unterkünften, in den Jahren 2015 und 2017 wurden jeweils die Asylanträge von 17 Personen positiv beschieden. (pe)

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