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Der Nidda mehr Platz geben

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Gewässerökologe Gottfried Lehr zeigt auf den Flussabschnitt in Groß-Karben: Die Nidda soll nach den Umbauarbeiten statt wie bisher gerade in zwei Kurven verlaufen und eines der Ufer zu einer Insel werden. 	(Foto: pe)
Gewässerökologe Gottfried Lehr zeigt auf den Flussabschnitt in Groß-Karben: Die Nidda soll nach den Umbauarbeiten statt wie bisher gerade in zwei Kurven verlaufen und eines der Ufer zu einer Insel werden. (Foto: pe) © Red

Karben (pe). In Bad Vilbel ist sie schon verwirklicht, im Karbener Stadtzentrum soll sie bald beginnen: die Renaturierung der Nidda. Für das Projekt steht in der Region ein Name: Gottfried Lehr. Der Gewässerökologe hat auch den Abschnitt zwischen Altenzentrum und KSV-Tennisplätzen geplant. Sein Credo: Dem Fluss mehr Platz geben.

Seit 30 Jahren befasst sich Gottfried Lehr mit der Nidda, hat unzählige Projekte im Auftrag von Städten und Gemeinden sowie der Gerti-Strohm-Stiftung geplant. Der Bad Vilbeler kennt den Fluss also wie kaum ein anderer. »Früher gab es hier drei bis fünf Fischarten, heute sind es beinahe 30«, sagt er zufrieden. Warum das so ist? Durch die Renaturierungsmaßnahmen. Denn aus dem einstigen Kanal Nidda soll ein naturnaher Fluss werden, der mehr Platz hat als bisher. Das ist das Ziel des Karbener Projektes im Stadtzentrum. Und: »Die Nidda soll eine Art Lebensachse werden, soll für die Menschen erlebbar werden«, sagt Lehr zur WZ. Ähnlich wie in der Neuen Mitte in Bad Vilbel.

Wie der 1,5 Kilometer lange Abschnitt zwischen der Kurve hinter dem ASB-Altenzentrum und den Tennisplätzen des Karbener Sportvereins in Klein-Karben mal aussehen soll, beschreibt Lehr so: »Genauso wie bei der Hassia, nur größer.« Dafür hat der Planer genügend Platz, denn links und rechts des Flüsschens gibt es viel Freifläche. Aber der Fluss verläuft auch hier wie zuvor in anderen Bereichen fast geradlinig, sieht aus, wie mit dem Lineal gezogen. Das möchte der Experte ändern: »Der Fluss kriegt wieder natürliche Strukturen«.

Wie die aussehen sollen, hat er bis ins Detail geplant. In Höhe des Altenzentrums soll das Gewässer zunächst eine Rechts- und danach eine Linkskurve machen. Ein Teil des alten Ufers soll als Insel gestaltet werden. Im Bereich der Brücke hinter dem Bürgerzentrum plant Lehr die Abflachung der beiden Ufer und große Buchten. »Das gibt so eine Art Niddastrand aus Kies«, beschreibt Gottfried Lehr. Die umliegenen Grünanlagen würden eingebunden. Der Hochwasserdamm werde nach hinten versetzt und erhöht. »Das Wohnen am Fluss wird nicht beeinträchigt«, beugt der Gewässerökologe möglichen Bedenken vor. Und im Bereich der Tennisplätze wird eine Idee des örtlichen Naturschutzbundes verwirklicht: Dort erhalte die Nidda eine Nebenschleife mit großen Inseln.

Eisvobel wird heimisch

Sobald die Ministerin für Umwelt und Klimaschutz, Priska Hinz, am Mittwoch den Bescheid über Zuwendungen des Landes Hessen übergeben haben wird, dürfte die Ausschreibung des Projektes seitens der Stadt erfolgen. Danach werden rund 60 000 Kubikmeter Erde bewegt. »Das wird schon eine größere Baustelle«, bereitet Lehr die Menschen schon mal vor, »denn es wird viel Boden geschoben. Und hinterher sieht es aus, wie frisch vom Friseur«.

Aber nach dem halben Jahr Bauzeit werde sich die Natur entwickeln. Auch da spricht er aus Erfahrung, denn er hat viele Nachweise darüber, wie gut sich Flora und Fauna entwickeln. »Der Eisvogel taucht bisher nur sporadisch mal hier auf«, zeigt der Experte in Richtung Groß-Karben.

Aber nach den Arbeiten werde er regelmäßig zu finden sein. Irgendwann werde man auch Fressspuren des Bibers sehen. Es gebe bereits drei Populationen in Bad Vilbel. »Der Biber wird als Landschaftspfleger auch nach Karben kommen«, weiß Lehr. Er sorge für eine natürliche Verjüngung des Baumbestandes. Auch für die Fische böten sich neue Chancen. »Die Nase profitiert besonders« sagt der Gewässerökologe.

»In Bad Vilbel gibt es nach der Renaturierung eine kleine, aber stabile Nasenpopulation.« Ebenso Bitterlinge und Schneiderfische werden im Karbener Abschnitt der Nidda wieder heimisch, sagt Lehr, der sicher ist: »Die Arbeiten zur Renaturierung der Nidda sind ein Schritt zur Gesundung des Flusses.«

Leben am Fluss

Mit den rund 860 000 Euro Maßnahmen zur Nidda-Renaturierung verfolgt die Stadt nach eigenen Angaben mehrere Ziele: die Verbesserung der ökologischen Bedingungen des Flusses, einen besseren Hochwasserschutz und – vor allem im innerstädtischen Abschnitt – einen Zugang zur Nidda. Der Fluss solle für die Bevölkerung erlebbar gemacht werden. Kinder sollen darin wieder spielen können. »Leben am Fluss« soll wieder ein Thema sein. Durch die Schaffung von Zugangsbereichen für die Menschen in den Innenstadtbereichen können die Renaturierungsbereiche außerorts, etwa im Bereich Klein-Karben Süd, stärker der Natur überlassen werden.

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