Das sind die Neuen bei der SKG-Theatergruppe: Janina Gärtner (Neuzugang Schauspiel), Mike Augusto, Jutta Sprate und Angelika Braune-Schulz (alle Souffleure). 	FOTO: CHRISTINE FAUERBACH
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Das sind die Neuen bei der SKG-Theatergruppe: Janina Gärtner (Neuzugang Schauspiel), Mike Augusto, Jutta Sprate und Angelika Braune-Schulz (alle Souffleure). FOTO: CHRISTINE FAUERBACH

Neue Unsichtbare für den »Spiegel«

  • vonChristine Fauerbach
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Karben (cf). Seit 100 Jahren wird bei der SKG Okarben Theater gespielt. Am 20. Juli 1920 gründete der damalige Gesangsverein Frohsinn die Theatergruppe »Der Spiegel«. Sie führte Singspiele und Volksstücke auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Dramen auf die Bhne gebracht. Seit 50 Jahren stehen heitere Volksstücke, Bauernschwänke und Lustspiele auf dem Spielplan. Inszeniert werden sie seit 2007 von Bernd Pliquett. Regisseur des Kinder- und Jugendtheaters ist Andreas Czuba, der zugleich als Stellvertreter von Marie-Luise Bienstock die SKG Okarben, Sparte Theater, leitet.

Das Jubiläum wollen die Aktiven im Oktober mit zwei Inszenierungen feiern. »Piraten in der Rumpelkammer« lautet der Titel des Stückes von Christina Stenger mit dem das Kindertheater am 17. und 18. Oktober die Fans mit Fantasie und Spielwitz unterhalten möchten.

Regisseur Bernd Pliquett will mit dem Ensemble des Erwachsenentheaters das Lustspiel »Airport Sturzflug« von Horst Helfrich inszenieren. Geplant sind Aufführungen am 23., 24., 30. und 31. Oktober. Bei der turbulenten Verwechslungskomödie in vier Akten werden 19 der derzeit 22 SKG-Schauspieler auf der Bühne stehen. Damit ihnen bei Texthängern geholfen werden kann, hatte die Spartenleitung in Inseraten Souffleure gesucht.

»Wir hatten Erfolg«, sagt Marie-Luise Bienstock und freut sich. Fünf Interessenten meldeten sich bei ihr und Andreas Czuba. Sie alle wollen die beiden derzeitigen Souffleusen unterstützen. Wie wichtig die Unterstützung ist, wissen die Schauspieler. Denn eine der unsichtbaren Helferinnen musste im vergangenen Jahr krankheitsbedingt bei der Premiere von »Frau Pieper lebt gefährlich« passen. Damit künftig ausreichend Souffleure für alle Aufführungen da sind, kamen die Verantwortlichen auf die Idee mit den Anzeigen.

Eine Bewerberin fürs Ensemble

Gemeldet haben sich Janina Gärtner aus Assenheim, Mike Augusto aus Klein-Karben, Jutta Sprater aus Okarben, Angelika Braune-Schulz aus Okarben und Sylvia Juraschek aus Wöllstadt. Alle bringen Theatererfahrung mit. Janina Gärtner stand bereits mehrfach bei Aufführungen in der Schule oder der Kirchengemeinde auf der Bühne. »Ich liebe es, in eine komplett andere Rolle zu schlüpfen, Verhaltensweisen und Emotionen auszuprobieren«, sagt die Lehramtsstudentin. Regisseur Bernd Pliquett will sie wegen ihrer Erfahrungen nicht als Souffleuse, sondern als Schauspielerin einsetzen. Mike Augusto, der erst vor einigen Monaten aus Frankfurt nach Klein-Karben gezogen ist, bezeichnet sich als aktiven Theatergänger. Jetzt will der Betriebswirt und Dozent, der bereits im Schultheater mitspielte, »einmal ausprobieren wie es als Souffleur im Theater ist«.

Ein »SKG-Eigengewächs« ist Jutta Sprater, die im Karneval aktiv ist, zuletzt in der inzwischen aufgelösten Gruppe »Die Zuckerpuppen« und das gesamte Theaterensemble bestens kennt. »Ich habe Bühnenerfahrung und will ausprobieren, ob mir das Soufflieren liegt«. Das will auch Angelika Braune-Schulz, die demnächst in Ruhestand geht. »Ich habe Interesse daran mitzuspielen und als Souffleuse zu arbeiten.« Auch die pensionierte Lehrerin Sylvia Juraschek, die beim ersten Souffleurstreffen - noch vor den derzeitigen Regeln für Treffen - nicht dabei sein konnte, will sich ins Team einbringen.

Wie wichtig Souffleure für jede gelungene Inszenierung sind, erklärt Regisseur Bernd Pliquett: »Ihre Aufgabe ist es, den unter Lampenfieber leidenden Darstellern auf der Bühne unauffällig zu helfen, falls diese ihren Text vergessen oder ihrem Text voraus sind.« Dabei sei Einfühlungsvermögen besonders wichtig. »Souffleure müssen aber auch erahnen, ob der Schauspieler vielleicht nur eine Kunstpause setzt«, fügt Andreas Czuba hinzu.

Leselampe für Platz im Dunklen

Damit die Hilfe perfekt klappt, gibt es mehrere Voraussetzungen. »Souffleure müssen Lesen können, über Geduld, Konzentrationsfähigkeit, Gelassenheit und über eine belastbare Stimme verfügen«, zählt Bernd Pliquett auf. Der Souffleur muss so leise sprechen, dass kein Zuschauer etwas davon merkt, und gleichzeitig so laut, dass der Darsteller auf Anhieb wieder in seinen Text zurückfindet. Schauspieler müssen Blickkontakt zum Souffleur halten, der ständig zwischen dem Gesagten und dem Textverlauf abgleicht. Um dies leisten zu können, muss der Souffleur den Text, im Fall von »Airport Sturzflug« sind es immerhin 64 Seiten, kennen und bei der Aufführung konzentriert mitlesen. Deshalb sei es wichtig, dass alle Souffleure bei den Leseproben und allen anderen dabei sind, um ein Feeling für das Stück zu entwickeln und die Problemstellen der Darsteller zu kennen.

»Das Handwerkzeug unserer Souffleure sind das Textbuch und eine Leselampe«, verrät Marie-Luise Bienstock. Auch bei der SKG Okarben befindet sich der Arbeitsplatz des Souffleurs im Kasten, der am vorderen Bühnenrand so tief eingelassen ist, dass man gerade noch die Bühne übersehen kann.

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