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Die Acrylic-Pouring-Technik ist in Australien entstanden. Heidemarie Möhrig-Jost von der Karbener Künstlerinitiative wendet sie an und zeigt ihre Werke beim 1. Karbener Kunstmarkt.

Kunst in Karben

Neue Mitte wird zur Kunstmeile

  • VonJürgen W. Niehoff
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Was als Notlösung wegen der Pandemie gedacht war, hat sich am Samstag zu einem Renner entwickelt: Der 1. Karbener Kunstmarkt auf der Neuen Mitte.

Der 1. Karbener Kunstmarkt ist ein echtes Zufallsprodukt«, sagt Rolf Theis. Er steht am Samstag inmitten von Staffeleien und Kunstwerken auf der Neuen Mitte. »Eigentlich sollte unsere Sommerausstellung auch in diesem Jahr wieder im August in unserem Atelier an der Christinenstraße sein«, sagt der leidenschaftlicher Maler und Tonkünstler, der Vorsitzender der Karbener Künstlerinitiative ist. Klar, dass er seine Staffeleien und einige seiner Skulpturen zur Freiluftausstellung auf dem neu entstandenen Marktplatz mitgebracht hat.

Mit Aktionen den Platz beleben

Doch als feststand, dass sich zu einer Ausstellung im Atelier immer nur fünf Personen gleichzeitig hätten aufhalten dürfen, fiel im Kreise der 45 Mitglieder der Künstlerinitiative nach langer Diskussion die Entscheidung, diese Ausstellung im August schweren Herzens ausfallen zu lassen, stattdessen aber eine Ausstellung im Freien im neuen Stadtzentrum zu veranstalten. »Eine absolut richtige Entscheidung, wie man am deutlichen Interesse der Bürger schon jetzt sehen kann«, sagt Bürgermeister Guido Rahn (CDU), der an diesem Samstag auch auf dem Marktplatz erschienen ist, über eine weitere Attraktion Karbens. »Schon der gestrige Abend mit der Veranstaltung ›Kultur in der Mitte« mit vielen bekannten Künstlern war ein voller Erfolg und zeigt, dass die Menschen wieder verstärkt Kontakt zu ihren Mitbürgern suchen«, sagt Rahn, der schon kurz nach Gründung vor sieben Jahren Mitglied der Karbener Künstlerinitiative geworden ist. »Allerdings nur passives Mitglied, denn weder male ich noch bin ich sonst künstlerisch tätig«, erklärt Rahn. Er wünscht sich die Fortsetzung des Karbener Künstlermarktes. »Zwei- bis dreimal pro Jahr könnte der hier wirklich auf dem Neuen Markt seine Kunstwerke der breiten Öffentlichkeit präsentieren.«

An diesem Samstagvormittag stellen zwölf Künstler, die meisten von ihnen sind Frauen, ihre Kunstwerke aus. Unter ihnen ist Heidemarie Möhrig-Jost, die sich für das Gestalten in Acrylic-Pouring-Technik entschieden hat. Diese Arbeitsweise steht für das Gießen flüssiger Acrylfarbe, um auf diesem Wege wunderschöne abstrakte Bilder zu kreieren. »Das Schöne daran ist, dass man dazu keinerlei Vorerfahrung im Zeichnen oder Malen benötigt.« Schon mit nur wenig Übung könnten innerhalb kurzer Zeit erste Werke erstellt werden. »Die meiste Zeit bei dieser Maltechnik geht für die Vorbereitung drauf. Welche Farben passen zusammen und wie und wo werden sie auf der Fläche aufgebracht. Der Gießvorgang geht im Verhältnis dazu dann ganz schnell«, erklärt Möhrig-Jost.

Eine ganz andere Stilrichtung hat hingegen Elke Lange-Helfrich eingeschlagen. Das ist unschwer an ihren Kunstwerken zu sehen. Sie ist studierte Kunstpädagogin und hat erst recht spät, »erst richtig mit der Pensionierung, als mehr Ruhe in mein Privatleben einkehrte« mit dem Gestalten begonnen. Ihre Bilder gehören eher dem Impressionismus an. Gegenstände und Umrisse verschwimmen miteinander, reflektieren, spiegeln sich. Es scheint, als versuche sie das Licht einzufangen,

»Ich versuche, Musik in Farbe wiederzugeben. Der Betrachter soll halt einen Eindruck zurückbehalten«, erklärt die Künstlerin, die erst mit Tonskulpturen ihren Ausflug in die darstellenden Künste begonnen hat und die gern auch einmal gesellschaftliche Themen auf die Leinwand zu bannen versucht.

Etliche Werke finden neue Besitzer

Dass der 1. Karbener Kunstmarkt auch handfeste Interessen wie dem Verkauf der ausgestellten Kunstwerke verfolgt, daran erinnert Theis ausdrücklich. »In der Regel kosten die ausgestellten Werke zwischen fünf Euro für bedruckte Kaffeetassen bis 500 Euro für angemalte Bilder«, erklärt er.

Und dass dies keine Wunschträume sind, erlebt er selbst schon beim Auspacken seiner Bilder und Tonskulpturen. Denn ein Bild stößt schon beim ersten Betrachten auf das Interesse eines Besuchers. Und nicht nur das, sondern er kauft das Bild anschließend auch.

Keine Kaufabsichten hat Sepp Vahlensieck beim Gang über den Markt. Er sei nur im nahen Geschäft einkaufen gewesen und habe den Kunstmarkt zufällig entdeckt. »Aber ich bin selbst Künstler und Mitglied der Stadtkapelle und bin deshalb an allem, was mit Kunst zusammenhängt, interessiert. Hoffentlich ist dieser Kunstmarkt nicht nur eine Eintagsfliege, sondern wird zu einer Dauereinrichtung.«

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