Antonio Gurliaccio, bekannt als einer der beiden "Bienenbotschafter", hat ein Konzept zur naturnahen Nutzung des Geländes des aufgelösten Kleintierzuchtvereins Klein-Karben erarbeitet. FOTOS: HOLGER PEGELOW
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Antonio Gurliaccio, bekannt als einer der beiden "Bienenbotschafter", hat ein Konzept zur naturnahen Nutzung des Geländes des aufgelösten Kleintierzuchtvereins Klein-Karben erarbeitet. FOTOS: HOLGER PEGELOW

Auf Gelände des Kleintierzuchtvereins

Naturschutzinsel mit Kleintieren

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Auf der Homepage der Stadt Karben ist er noch verzeichnet. Doch der Kleintierzuchtverein Klein-Karben hat sich längst aufgelöst. An seiner Stelle soll auf der Anlage nahe der Nidda etwas ganz Neues entstehen.

Was sind das noch für Zeiten gewesen, als ganze Familien im Oktober einen Spaziergang entlang der Nidda gemacht haben. Und sie hatten nur ein Ziel: Die Anlage der Klein-Karbener Kleintierzüchter. Das war nicht nur ein Gewusel in, sondern auch vor den Käfigen und Volieren. Denn die Klein-Kärber Züchter boten zu den alljährlichen herbstlichen Wertungsschauen einiges auf.

Im Archiv dieser Zeitung findet sich ein Bericht von Ende Oktober 2010. 21 Tiere wurden bei einer Rassegeflügelschau des KTZV in der Zuchtanlage mit "hervorragend" bewertet, elf Tiere erhielten das Prädikat "vorzüglich". Der langjährige Vorsitzende des Vereins, Bernd Beck, konnte mit einigem Stolz verkünden, dass 240 Tiere - 60 Hühner und Enten und 180 Tauben - von drei Preisrichtern begutachtet worden waren.

Mitgliederzahl praktisch halbiert

Da war noch nichts davon zu spüren, dass es mit der Kleintierzucht in Klein-Karben kontinuierlich bergab gehen sollte. Vier Jahre später, selbe Anlage, gleiche Veranstaltung. Der Bericht über die Kleintierschau trägt die Überschrift "Familien zeigen sich kaum noch". Das drückt aus, wie das Interesse zurückgegangen war. Bernd Beck, seinerzeit 2. Vorsitzender des Vereins, erinnerte sich im Oktober 2014, dass der KTZV einst zirka 120 Mitglieder gezählt habe, seinerzeit waren es gerade mal noch rund 60 Tierfreunde. Und einer der Gründe war der: "Es fehlt der Nachwuchs." Gerade mal eine Familie mit zwei Kleinkindern war bei der Ausstellung 2014 zu sehen.

Der letzte Vorsitzende des KTZV, Wolfgang Datz, berichtet, der Verein habe im vergangenen Jahr gerade mal 52 Mitglieder gehabt, "davon vier aktive". Zu der geringen Zahl der Aktiven komme auch, dass die Mitglieder "nur ältere Leute waren", wie Datz sagt. Deshalb habe man beschlossen, den Kleinztierzuchtverein Klein-Karben zum 31. Dezember 2019 aufzulösen. Man habe das Vereinsgelände an die Stadt zurückgegeben.

Dort ist offenbar eine Idee gereift, die ihren Anfang schon vor drei Jahren hatte. Denn einer der vier aktiven, auf der Anlage verbliebenen Mitglieder ist Antonio Gurliaccio. Er ist bekannt als einer der beiden "Bienenbotschafter", die ihr Domizil in Klein-Karben unweit der evangelischen Michaelis-Kirche haben. Schon im Jahr 2016 hat er mehrere Bienenvölker auf dem Gelände des KTZV aufgestellt, die in den umliegenden Wiesen und Feldern reichlich Nahrung finden und so nicht nur zur Befruchtung beitragen, sondern auch noch leckeren Honig produzieren.

Projekt mit Insekten und Blumen

Gurliaccio stellt auch nach traditionellem Handwerk sogenannte Klotzbeuten her, naturnahe Nisthöhlen für Bienen. "Ich habe mittlerweile zehn Klotzbeuten dort installiert, sagt er. Da der "Bienenbotschafter" auch Hühner züchtet, hatte ihn Datz seinerzeit vorgestellt. Gurliaccio hat nach eigenen Angaben ein Konzept für die Kleintierzuchtanlage erarbeitet und der Stadt vorgeschlagen. Wie genau es aussieht, will er gegenüber dieser Zeitung noch nicht verraten. Aber nur soviel: Insektenhotels und Wildblumenweisen soll es enthalten. "Die Skizzen haben wir schon gemacht."

Bürgermeister Guido Rahn nennt das neue Projekt in der Stadtverordnetenversammlung "Naturschutzinsel Karben". Es solle dafür ein neuer Verein gegründet werden. Rahn spricht von interessierten Bürgern. Vier Kleintierzüchtern habe man angeboten, dort weiter zu bleiben. Das Projekt Naturschutzinsel sei coronabedingt von der "Bienenbotschaft" aufs nächste Jahr verschoben worden. Man werde den bisherigen Nutzern Verträge für ein weiteres Jahr anbieten und dann im nächsten Jahr zusammen mit der "Bienenbotschaft" das weitere Vorgehen gegebenenfalls unter Einbeziehung der verbliebenen vier Nutzer abstimmen, teilt Rahn dieser Zeitung ergänzend mit.

Und Gurliaccio verspricht, er werde im nächsten Frühjahr konkreter informieren, was man dort genau vorhabe. Man darf gespannt sein. Übrigens auch darauf, wann der KTZV von der städtischen Homepage gelöscht wird.

Als vor gut 100 Jahren eine Schar Kleintierzüchter beschloss, einen Verein zu gründen, gab es in Klein-Karben weder einen Supermarkt, in dem man seine Lebensmittel, womöglich auch sein Brathähnchen kaufen konnte, noch eine Geflügelfarm. Zu der Zeit war die Aufzucht von Tauben, Kaninchen und Hühnern eine sinnvolle und beliebte Freizeitbeschäftigung, bei Zuchtschauen auch von der Politik immer wieder hervorgehoben. Doch das Interesse hat massiv nachgelassen. Andere Freizeitbeschäftigungen haben ihr den Rang abgelaufen. pe

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