Vor allem sonntags ist das Naturfreundehaus ein beliebter Treffpunkt. Trotz Lockerungen werden Haus und Terrasse weiter leer bleiben. Der Grund: Den Naturfreunden fehlen Helfer, die ein nötiges Hygienekonzept umsetzen könnten.
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Vor allem sonntags ist das Naturfreundehaus ein beliebter Treffpunkt. Trotz Lockerungen werden Haus und Terrasse weiter leer bleiben. Der Grund: Den Naturfreunden fehlen Helfer, die ein nötiges Hygienekonzept umsetzen könnten.

Schwere Zeit

Naturfreundehaus Karben: Beliebter Treffpunkt bleibt weiter geschlossen

  • vonJürgen Schenk
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Es ist es ruhig rund ums Naturfreundehaus am Silberwiesenweg. Die Stühle stehen gestapelt am Rand. Die Bänke im Garten sind verwaist. Wie gehen die Naturfreunde mit der Situation um?

Die Karbener Naturfreunde mussten in ihrer über 90-jährigen Geschichte Höhen und Tiefen überstehen. Das Vereinsleben liegt derzeit brach. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie reißen ein großes Loch in die Kasse des Traditionsvereins. Es müssten in den nächsten Wochen und Monaten weitere Lockerungen kommen, damit ein Konzept erstellt werden kann, um im beliebten Vereinsheim wieder Gäste empfangen zu können. Bei der aktuell vorhandenen Personalstärke klappe es wohl nicht, die Hygieneregeln am Silberwiesenweg in Okarben umzusetzen, geben Hans-Joachim Thun und Peter Barowski von den Naturfreunden zu bedenken. Und finanziell gehe es immer mehr ans »Eingemachte«.

Maifeier, Vatertag, Sommersonnenwendfeier, Irischer Abend - die Ausfälle aller Veranstaltungen treffen den Verein empfindlich. Andere Großveranstaltungen wird es in diesem Kalenderjahr im und am Naturfreundehaus nicht geben. Mitte März begann die Talsohle; die als Schutz- und Wanderhütte ausgewiesene Lokalität musste in den Lockdown.

Naturfreunde Karben: Zu klein für Treffen auf Abstand

»Nach diesen drei Monaten ist es für uns immer noch sehr schwierig«, macht der Vereinsvorsitzende, Hans-Joachim Thun, seinem Frust Luft. »Die leichten Lockerungen bringen uns nichts. Im Haus ist es sinnlos, denn der Raum ist einfach zu klein für Zusammenkünfte. Und draußen fehlt es am Personal, um die Vorschriften einzuhalten.«

Für Thekendienst und Kontrollen bräuchte man schon bei den normalen Sonntagsöffnungen vier bis fünf Leute, rechnet Thun vor. Einer müsste sich stundenlang vor der Toilette platzieren und diese auch regelmäßig desinfizieren. »Das können wir personell nicht stemmen. Vor Corona ging das gerade noch so, unter den jetzigen Bedingungen reicht es nicht aus.«

Hinter seiner Prognose steht allerdings auch die Gewissheit: Bei Wiederöffnung muss mit einem großen Besucherstrom gerechnet werden. Das Gelände am Heitzhöferbach ist sehr beliebt, wenn man sich im Grünen treffen möchte. Vor allem im Sommer. 50 bis 100 Gäste zählen die Naturfreunde normalerweise sonntags. Wie zur Bestätigung kommt am Nachmittag plötzlich ein Fahrradfahrer vorbei. Ein Stammgast, wie Thun schon von Weitem erkennt. Ob denn wieder geöffnet sei, will der Radler wissen. Die Antwort, die er vom Vereinsvorsitzenden bekommt, fällt negativ aus: »Nein, das können wir zurzeit leider noch nicht machen.«

Naturfreunde Karben: Dem Verein fehlt es an Nachwuchs 

In der Zwischenzeit ist auch Peter Barowski dazugekommen, der zum aktiven Kern der Naturfreunde gehört. Er nennt das Kind beim Namen. »Früher musste man Mitglied sein, um die Hütte für eine private Feier nutzen zu können. Deshalb hat unser Verein noch 80 Mitglieder. Die meisten von denen werden aber nur noch als Karteileichen geführt. Zum Helfen stehen höchstens 10 bis 15 Leute bereit.«

Ein Problem fördert das andere. Denn auch bei den Naturfreunden fehlt es am Nachwuchs. Der Altersdurchschnitt liegt derzeit bei 60 Jahren. Da wisse man schließlich auch, dass man zur Corona-Risikogruppe gehöre. Und ein Hüttendienst mit Mund- und Nasenschutz sei für die meisten Aktiven nun mal keine Option, stellen Thun und Barowski fest.

Wenn die letzten Stricke reißen, kann der Verein noch einen Unterstützungsantrag beim Landesverband stellen. Ob aus dem Topf des Konjunkturpakets für alle 47 in Hessen betriebenen Naturfreundehäuser genug übrig bleibt, scheint indes ungewiss. Allein bis Ende Mai soll es nach Angaben des Landesvorstands zu Einnahmeausfällen von circa 410 000 Euro gekommen sein.

Dergestalt scheint es auch fraglich, wann ein Neustart in Karben möglich sein wird. »Vielleicht im Herbst«, meint Hans-Joachim Thun.

»Unser Hauptstandbein sind Privatfeiern, und die können auch drinnen sein.« Und einen Wunsch hat er noch, damit es mit dem beliebten Treffpunkt weitergehen kann: »Es wäre schön, wenn sich ein paar Unterstützer finden würden. Zum Helfen muss man kein Vereinsmitglied sein. Wir hoffen sehr, dass es bald eine Lösung geben wird.«

Naturfreunde Karben: Die Geschichte des Naturfreundehauses

Im Protokoll einer Vorstandssitzung vom Januar 1952 taucht erstmals der Plan zum Bau eines Vereinsheimes auf. Konkret wurde das Vorhaben sechs Jahre später, als am »Silberbörnchen« ein 300 Quadratmeter großer Platz gepachtet wurde. Dann fasste man aber den Entschluss, den »Zeltplatz« näher an die B 3 zu verlegen. Der ursprüngliche Platz lag näher an Petterweil. In den Protokollen wird von einem »Behelfsheim« gesprochen, das zwischen 100 und 150 Quadratmetern groß sein sollte. Die damalige Jugendgruppe half beim Bau der Hütte mit. Der Gemeinderat Okarben stimmte in seiner Sitzung vom Januar 1961 dem Bauantrag zu und legte die Pachtdauer auf 40 Jahre fest. In den 70er Jahren wurde die Ur-Hütte zu klein und der Bau eines neuen Vereinsheims ins Auge gefasst. »Nur wenige Stunden vor deren Einweihung, am 24. Juni 1977, wurden noch die letzten Leitungen verlegt und angeschlossen«, heißt es in der Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum der Naturfreunde Okarben.

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