Ein Parkplatz mit Autos darauf.
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Eine der Umweltschutzmaßnahmen, die zur Diskussion steht: Der Parkplatz des neuen Gewerbegebietes in Karben soll mit einer wasserdurchlässigen Decke gebaut werden. (Symbolbild)

Am Warthweg

Neues Gewerbegebiet in Karben: Wie weit wird der Umweltschutz reichen?

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Ein großes Gewerbegebiet, das die Umwelt weniger belastet als andere? Das könnte bald am Karbener Warthweg entstehen. Zumindest sollen umweltverträgliche Aspekte geprüft werden.

Karben – Ein dickes Planwerk hat den Stadtverordneten auf ihrer jüngsten Sitzung vorgelegen. Es handelt sich um den Bebauungsplan 236 »Am Warthweg«. Die Stadt hat es von einem Wettenberger Planungsbüro erarbeiten lassen. Es geht um die Entwicklung der Fläche des jetzigen Rewe-Centers. Ausgelöst durch die Absicht des Rewe-Konzerns, das Center direkt an die Bundesstraße 3, also mehr nach vorne verlegen zu wollen, will die Stadt die Gelegenheit ergreifen und die restliche Fläche in ein Gewerbegebiet umwandeln. Denn davon hat die Stadt zwar reichlich, aber die sind fast vollständig belegt. Und so plant die Stadt, neben und gegenüber dem dann neu zu erbauenden Center heimische Firmen anzusiedeln. Bis die aber gebaut werden können, muss zunächst ein Bebauungsplan die rechtliche Grundlage schaffen.

Neues Gewerbegebiet in Karben: Grüne kritisieren Planwerk

In der jüngsten Sitzung lag den Stadtverordneten dieses Planwerk vor. Es stieß zwar grundsätzlich auf Wohlwollen, weil alle wissen, dass in Karben noch Gewerbeflächen benötigt werden, vor allem für expandiere heimische Unternehmen. Dennoch hatten explizit die Grünen einiges auszusetzen.

Deren neuer Fraktionsvorsitzender Markus Dreßler machte deutlich, dass man nicht gegen das Gewerbe sei. Aber es gelte einige Umweltaspekte zu berücksichtigen. Dreßler kritisierte namens der auf sechs Köpfe angewachsenen Fraktion die »immense Versiegelung unseren guten Wetterauer Bodens«. Es werde in Zukunft zu Hitzesommern und Starkregenereignissen kommen, der gute Karbener Boden sei dafür geschaffen, diesen Extremwetterereignissen umzugehen. Man verstehe, dass sich Karbener Unternehmen entwickeln wollten und auch, dass sich ein in die Jahre gekommener Supermarkt modernisieren wolle, um wettbewerbsfähig zu sein. »Was wir nicht verstehen ist, dass Sie uns einen zum überwiegenden Teil konzeptionslosen B-Plan zur Abstimmung vorlegen, welcher nur bruchstückhaft das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz berücksichtigt.«

Neues Gewerbegebiet in Karben: Mehr Dachbegrünung und Fotovoltaik

Man hätte etwas mehr Dachbegrünung erwartet, ebenso klare Aussagen für Fotovoltaikanlagen auf den Dächern. Man wundere sich auch, dass hier keine Tiefgarage berücksichtigt werde, wie es beispielsweise in der Neuen Mitte der Nachbarstadt Bad Vilbel sei. Oben gebe es einen Marktplatz zum Verweilen, auch wenn der nicht unbedingt grün sei, unten werde geparkt. »Selbst das ist besser als das, was hier im Warthweg geplant ist«, kritisierte Dreßler weiter.

Bürgermeister Guido Rahn scherzte, es sei interessant, dass die Karbener Grünen die Planung der Bad Vilbeler CDU lobten.

Neues Gewerbegebiet in Karben: Nachts soll es dunkel bleiben

Er wies den Grünen-Fraktionschef darauf hin, dass man noch ganz am Anfang des Verfahrens stehe. Hier gehe es doch zunächst um die frühzeitige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ebenso wie der Öffentlichkeit. »Es werden doch alle gehört und alle können sich einbringen.« Aber wenn die Fraktion etwas wünsche, könne sie doch einen Antrag einbringen.

Die Grünen verlangten daraufhin eine Sitzungsunterbrechung, formulierten einen Antrag und brachten ihn zu dem B-Planentwurf ein. Darin werden gefordert, dass die Dachflächen der Gebäude zu 50 Prozent begrünt sein müssten. Zudem sollte die Hälfte der Parkplätze des Rewe-Centers unterirdisch angeordnet werden, die oberirdischen Stellplätze sollten mit einer wasserdurchlässigen Decke versehen werden. Zudem solle für den Vogel- und Insektenschutz die Beleuchtung nachts zwischen 22.30 und 5 Uhr abgeschaltet werden.

Neues Gewerbegebiet in Karben: Hälfte der Fläche von heimischen Unternehmen angefragt

Nach einer weiteren, diesmal durch die CDU-Mehrheitsfraktion beantragten Sitzungsunterbrechung, sagte deren Fraktionsvorsitzender Mario Beck, die CDU wolle, dass diese Aspekte der Grünen geprüft würden. Die CDU änderte aber, dass 60 Prozent der Dächer mit Fotovoltaik ausgestattet sein müssten, zudem sei zu prüfen, ob die durch das künftige Gewerbegebiet verlaufende Straße nicht breiter werden könne, damit dort entlang ein Fahrradweg gebaut werden könne. Der jetzige Parkplatz sei überdimensioniert und voll versiegelt, gab auch Beck zu. Dennoch sei wichtig, dass Karben weitere Gewerbeflächen schaffe. Für 50 Prozent der Flächen lägen bei der Stadt bereits Anfragen heimischer Unternehmer vor.

Neues Gewerbegebiet in Karben: Ladesäulen für E-Autos und -Bikes

Die SPD-Fraktion brachte den Prüfantrag ein, am Warthweg auch Ladesäulen für E-Autos und E-Bikes zu prüfen. »Man könnte auch überlegen, den Bus dort durchfahren zu lassen.« Die SPD regte an, sogar 60 Prozent der Stellplätze unterirdisch zu bauen.

All diese Aspekte werden nun in einem Prüfantrag zusammengefasst und sollen durch die Fachleute auf ihre Realisierbarkeit hin geprüft werden. Der B-Plan 236 samt den Prüfanträgen wurde bei je einer Enthaltung aus Reihen der CDU und der Grünen sonst mit großer Mehrheit verabschiedet. In circa einem Jahr wird man wissen, was davon umsetzbar sein könnte.

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