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In der Corona-Krise stimmen sich die Regisseure Oliver Becker und Janine Karthaus (Laptop) vom Open Mind Ensmble mit Autorin Nicola Piesch (r.) per Videochat ab. FOTO: CHRISTINE FAUERBACH

Nach "Müllratte" und "Alice" nun "Run"

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Karben(cf). Ein Drehbuch zu schreiben, einen Film zu planen und dann zu drehen ist zu allen Zeiten eine Herausforderung. Unter den Corona-Einschränkungen gestaltet sich so ein Projekt noch einmal schwieriger. Neben künstlerischen Herausforderungen gilt es die finanziellen zu meistern. Umso mehr freut sich das Open Mind Ensemble (OME) über die Förderzusage vom Wetteraukreis für sein Filmprojekt "Run" mit Mitteln aus dem Projekt "Demokratie leben!", das vom Bundesfamilienministerium gefördert wird. "Die Förderung deckt rund 35 Prozent der Produktionskosten ab. Deshalb sind weitere Förderer und Spender für unser soziales Kunstprojekt willkommen", sagt Oliver Becker.

Der Karbener führt gemeinsam mit der Musical-Darstellerin und Schauspielerin Janine Karthaus Regie. Unterstützt werden sie bei der Dramaturgie von Regisseurin Heike Englisch. Am Drehbuch von "Run" wie der Arbeitstitel lautet, schreibt Nicola Piesch. Sie hat "Run" gewählt, "weil Rennen und Laufen im körperlichen und im übertragenen Sinn im Kurzfilm eine große Rolle spielen wird".

Dreharbeiten sollen Ende Juli beginnen

Grundlage für das Drehbuch bildet ihr Jugendroman "Graf Müllratte", der bereits literarische Vorlage für das gleichnamige sehr erfolgreiche Theaterstück des OME war.

"Ein Film ist nachhaltiger als ein Theaterstück", begründet Becker den Genrewechsel. Ermöglicht wird dieser, weil Autorin Piesch offen für Bearbeitungen ihres Stoffes ist. "Wir entnehmen Bausteine aus dem Buch, dessen Inhalte sich gut transformieren lassen, und interpretieren sie neu. Die Filmgeschichte wird sich vom Buch und Theaterstück unterscheiden. Allerdings spielt die Handlung dieses Mal nicht wie im Roman in der Schule, sondern in einem anderen Kontext. Machtspiele begegnen uns aber überall", sagt Piesch.

Der Kurzfilm dauert 45 Minuten. Er greift sexuelle Vielfalt, Diskriminierung, Ausgrenzung und Diversität (Verschiedenheit), Vielfältigkeit auf. Die Handlung basiert auf den Werten "du bist du, egal wie du aussiehst, wen du liebst, wo du herkommst oder wie alt du bist".

Angeboten werden keine Lösungen, sondern die Zuschauer werden zur Auseinandersetzung mit den Themen, zum Nachdenken und Interpretieren angeregt. Daraus können sich dann Lösungen wie bei den Theaterstücken "Müllratte" und "Alice" ergeben", sagt Becker: "Es wird nicht simpel und auf gar keinen Fall eine Komödie." Bedingt durch die Corona-Pandemie konferieren Piesch aus Bad Homburg sowie Becker aus Karben und Karthaus aus Rheinland-Pfalz per Video. Das Trio arbeitet am Drehbuch, bespricht die Besetzung der Rollen. Jeder der 30 Darsteller, die zwischen 16 und 75 Jahre alt sind, bekommt eine Rolle auf den Leib geschrieben und bespricht Details des Drehs. Gedreht wird zehn Tage lang in Karben und im Kreis Offenbach ab Ende Juli. Die Drehtage plant Produktionsassistent Sven Schreiter minutiös, denn "ein Drehtag ist teuer", sagt Piesch. Deshalb muss es auch ein strenges Zeitmanagement und professionelle Abläufe geben.

Die Kostüme organisiert Anita Zang. Vorbereitet werden die Darsteller, die darauf brennen, ihre Texte zu erhalten, in Einzel-Coachings. "Es ist für alle eine Herausforderung", sagt Piesch. "Im Gegensatz zur Bühne müssen die Darsteller im Film klein, natürlich und sehr intensiv spielen, gehen mit der Kamera ein intimes Verhältnis ein", sagt Karthaus. Die Musik komponiert Patrick Bohlender von Pabo Music aus Nidderau. Der Kurzfilm soll in Zusammenarbeit mit der Schönecker Filmproduktion Roko Media von Robert Kohlmeyer ab 12. März 2021 in regionalen Kinos laufen und im Unterricht zum Thema Diversität genutzt werden.

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