Margarethenhof

Nach Großfeuer auf Margarethenhof: Das erste Ostern nach dem verheerenden Brand

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Nach dem verheerenden Brand hat sich der Alltag auf dem Kloppenheimer Margarethenhof eingestellt. Zumindest fast, denn Karl-Wilhelm Kliem wühlt sich weiter durch Unmengen von Papierkram.

Von einem Stapel zum nächsten eilt Karl Wilhelm Kliem am Montagnachmittag. Der eine besteht aus aufgetürmten Paletten mit bunt bemalten Ostereiern. 100 Stück hat Erwin Fritzel für seinen kleinen Laden auf dem Lindenhof in Ober-Eschbach bestellt. "Hier sind die Eier einwandfrei und vor allem kriegt man vor Ostern noch welche", sagt er. Der zweite Stapel, der an diesem Nachmittag auf Karl-Wilhelm Kliem wartet, ist allerdings nicht ganz so hübsch anzusehen wie die leuchtenden Ostereier. Der besteht nur aus Papier: "Wir wollen den Stall eins zu eins wiederaufbauen, so wie er vor dem Brand dort stand und auch genehmigt war. Trotzdem müssen wir jetzt durch alle Genehmigungsverfahren noch mal neu durch."

14 Behörden seien es, die zum Wiederaufbau gehört werden müssen. "Das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie möchte außerdem eine neue Windausbreitungsberechnung haben. Das kostet Geld und Unmengen Zeit und das obwohl die zuvor genutzte Prognose jahrelang in Ordnung war", ärgert sich Kliem. "Dann wundern sich aber alle, wenn sich die Hauptproduktion von Eiern ins Ausland verlagert."

40 000 Eier am Tag

Weniger als 20 Prozent der in Hessen benötigten Eier, würden in Hessen gelegt werden. "Vor dem Brand haben wir rund 60 000 Eier täglich produziert. Aber das sind nicht einmal zwei Prozent von dem, was allein im Rhein-Main-Gebiet täglich benötigt wird", gibt Karl-Wilhelm Kliem zu bedenken. "Wir vergessen manchmal, welche unglaublichen Lebensmittelmengen in so einem Ballungsraum verbraucht werden."

Zu Ostern ziehe die Nachfrage natürlich ordentlich an. "Nach dem Brand schaffen wir nur noch rund 40 000 Eier täglich. Wir würden momentan einen echten Engpass haben, doch einer unserer Großkunden, der sonst ein Viertel unserer Eier kauft, verzichtet vorerst. So können wir alle anderen Kunden versorgen", erläutert Kliem.

Margarethenhof setzt auf Bodenhaltung

Die Legeleistung der Hühner sei gut, ein Indiz dafür, dass es den Tieren gut gehe. Der Margarethenhof setzt auf Bodenhaltung, um die benötigte Zahl an Eiern gewährleisten zu können. Diese Haltung steht nicht selten in der Kritik, doch stehe das Wohl der Tiere immer im Vordergrund, erklärt Kliem, während er den großen Stall hinter dem Hof aufschließt. 12 000 Hühner leben in der gigantischen Halle, können sich aber auch in den Wintergarten begeben. Die Luft ist zwar recht staubig und die Hühner laut, doch fällt sofort auf, dass es in dem Stall trotz der vielen Tiere völlig neutral riecht.

Die Ställe sind auf dem neuesten technischen Stand, sagt Kliem, zudem gibt es auf dem Hof immer wieder angekündigte und unangekündigte Kontrollen. Mit dem Aufbau des abgebrannten Stalls wird der Hof wieder über rund 60 000 Legehennen verfügen, die täglich zwischen sieben und acht Tonnen Futter benötigen. Große Teile des Futters importiert Kliem derzeit von der Donau, doch möchte er bald damit beginnen, dieses selbst anzubauen. "So haben wir eine noch bessere Kontrolle über die Qualität."

Investitionen verschoben

Die Qualität der Eier schätzen vor allem die Kunden, die den Margarethenhof besuchen. Und die wollen zu Ostern vor allem eines: bunte Farben. Gefärbt werden die Eier für Ostern von einem Betrieb in Nordhessen. Und das hat nicht nur optische Gründe: "Das Ei altert durch einen gewissen Gasaustausch. Die Farbe verschließt die Schale aber, sodass gefärbte Eier mehrere Monate lang haltbar sind", erklärt Karl Wilhelm Kliem.

"Kurz nach dem Brand war es recht leer hier. Doch mittlerweile kommen extrem viele Kunden zu uns, auch viele neue Kunden. Wir verlieren durch den Brand einen sechsstelligen Betrag und müssen alle Investitionen erst mal verschieben", rekapituliert der Hofbesitzer. "Doch die Kunden sind uns treu und das ist uns sehr viel wert. Wir kriegen das hin." Im September soll der neue Stall stehen.

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