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An der Kurt-Schumacher-Schule lernen die Schüler, ein Instrument zu spielen, angeleitet unter anderem von Claus-Carsten Behrendt, der auch einige Orchester dirigiert.

Wetterauer Schulpreis

Die Musik macht’s

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Musikalische Aufbauarbeit ist das Ding der Karbener Kurt-Schumacher-Schule. Das würdigt der Wetteraukreis nun mit dem Wetterauer Schulpreis 2019.

Musikhören ist die große Leidenschaft vieler Jugendlicher. Dabei können sie eine Party feiern, ihren Gedanken nachhängen oder einfach mal abschalten. In diesen Fällen machen andere die Musik. Aber was ist, wenn Jugendliche die passiven Rolle verlassen und selber aktiv werden? Selber ein Instrument spielen und mit anderen gemeinsam für ein Konzert üben? Wer sich diese Fragen stellt, findet Antworten darauf an der Kurt-Schumacher-Schule (KSS).

Dort wird seit über 20 Jahren musikalische Auf- und Ausbauarbeit betrieben. Bereits im April hat diese Zeitung über das Erfolgsmodell geschrieben, das nun vom Kreisausschuss des Wetteraukreises mit dem Schulpreis 2019 bedacht wird. Dabei sind auch zwei der Schüler zu Wort gekommen.

Einer von ihnen: Sebastian Prediger, der die Tuba spielt. Das schwere Teil hat es ihm angetan, "wegen der tiefen Töne", wie er gesagt hat. Seit fünf Jahren bläst er die Tuba, spielt sowohl in der Stadtkapelle Karben als auch im Jugendorchester Attacca. Corin Sachse hatte bereits einen Draht zur Musik, denn er spielte zunächst Klavier. Als Fünftklässler kam er in die Bläserklasse und lernte erstmals das Saxofonspielen.

"Viele, die kommen, haben vorher kein Instrument gespielt", sagt Musiklehrer und Orchesterleiter Claus-Carsten Behrendt. "Zunächst probieren alle alle Instrumente aus. Manche entdecken dabei Instrumente, an die sie vorher nicht gedacht haben." Damit aber nicht alle plötzlich Saxofon oder Trompete spielen, hilft man seitens der Schule ein wenig nach. Die Schüler hätten drei Wünsche frei, "eines der Instrumente wird es dann".

Und dann beginnt der Unterricht. Gelehrt werden entweder ein Holz- oder ein Blechblasinstrument. Für Schüler am Bläserklassenprojekt gibt es vier Stunden Musikunterricht pro Woche, zwei mehr als für die übrigen Schülerinnen und Schüler. Das bezieht sich auf die fünften und sechsten Jahrgangsstufen.

Kooperation mit der Stadtkapelle

Und was kommt ab Jahrgangsstufe sieben? Dann können die Mädchen und Jungen in eines der drei weiterführenden Jugendblasorchester wechseln. Genau das unterscheidet die musikalische Erziehungsarbeit an der KSS von der Musikerziehung an anderen Schulen. Möglich macht das eine Kooperation sowohl mit der Musikschule Bad Vilbel und Karben als auch mit der Stadtkapelle. Dadurch können die Schüler eine durchgehende musikalische Ausbildung bis zum Schulabschluss haben.

Dass das Erlernen eines Instrumentes stark nachgefragt ist, zeigt sich an den Schülerzahlen. Nach Angaben von Direktorin Ursula Hebel-Zipper und Claus-Carsten Behrendt nehmen über 130 Schüler an den Bläserklassen teil. "Ein Großteil kommt aus dem Gymnasialzweig. Wir haben auch viele Schüler aus dem Realschulzweig", betonen die Verantwortlichen. "Das sind inzwischen so viele, dass wir erstmals eine Bläserklasse aus dem Realschulzweig bilden konnten."

Sie weisen ebenso darauf hin, dass die Bläserklassen einen integrativen Charakter haben. Sprachbarrieren würden durch das gemeinsame Üben überwunden. "Wir haben auch Schüler aus den DAZ-Klassen beim Projekt." DAZ heißt Deutsch als Zweitsprache, das sind Klassen, in denen beispielsweise auch Flüchtlinge unterrichtet werden. Integrativ ist das Projekt ebenfalls, weil laut Behrendt ein Schüler mit einem Teilhabe-Assistenten dabei mitwirke, also ein behinderter Schüler.

Übrigens kostet der zusätzliche Instrumentalunterricht die Eltern nur ein Bruchteil dessen, was sie sonst für privaten Musikunterricht zahlen müssten. Auch die Tatsache, dass ihre Kinder die Freizeit sinnvoll gestalten, ist wichtig bei dem Projekt.

Jugendliche bleiben dabei

Aber die Direktorin weiß, dass es bei manchen in der Pubertät einen Bruch geben könne. "Bei uns bleiben die meisten Schüler aber trotz Pubertät am Ball." Der pädagogische Wert liegt laut der Verantwortlichen darin, dass gemeinsam etwas einstudiert und auf ein Konzert hin geübt wird. Behrendt kann nur einen kleinen Teil der Konzerte aufzählen, die von den Jugendorchestern übers Jahr gespielt werden: Sommerkonzerte, Gottesdienste, Volkstrauertag, Hochzeiten, Martinsumzüge, Weihnachtskonzerte und vieles mehr.

Dass die KSS den Wetterauer Schulpreis erhält, freut die Verantwortlichen. Der Orchesterleiter sagt: "Ich bin stolz auf die Schüler." Und Direktorin Hebel-Zipper betont: "Ich bin stolz auf alle, die an dem Projekt mitwirken." Das bezieht sich zweifelsohne auch auf Behrendt. Der Musiklehrer und Orchesterleiter gibt zu, das Projekt sei sehr zeitaufwendig. "Aber es lohnt sich."

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