Rainer Obermüller, Monika Heinz und Lothar Beier (v. l.) zeigen in der Museumshalle einige neue Exponate. FOTOS: JÜRGEN SCHENK
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Rainer Obermüller, Monika Heinz und Lothar Beier (v. l.) zeigen in der Museumshalle einige neue Exponate. FOTOS: JÜRGEN SCHENK

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Museum mit Bedacht "wachküssen"

  • vonJürgen Schenk
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Monatelang schlummerte das Landwirtschafts- und Heimatmuseum der Stadt Karben in einer Art Dornröschenschlaf. Auch der ehrenamtliche Museumsdienst und die Aktivitäten des Geschichtsvereins waren eingeschlafen. Das alles soll sich bald ändern. Am 1. November möchte man das Museum wieder "wachküssen". Derzeit wird noch an einem passenden Hygienekonzept gefeilt. Denn man will bei den Sonntagsöffnungen in den Räumen des Degenfeld’schen Schlosses kein Risiko eingehen.

D as Leben hinter den "Kulissen" ging trotz Corona beständig weiter. Einen völligen Stillstand gab es nicht. Mitglieder des Teams um Museumsleiter Rainer Obermüller trafen sich vor Ort und schauten nach dem Rechten. Der Geschichtsverein tagte einmal in der Woche im Petterweiler Archiv. Dabei ging es nicht nur um den Ist-Zustand, sondern auch um die Zukunft.

Standesamtliche Trauungen möglich

Neuzugänge bei den potenziellen Ausstellungsstücken hielten in der Zwischenzeit im Museum Einzug. In erster Linie handelte es sich um noch nicht inventarisierte Konvolute. Die Stücke sind zum Teil Hinterlassenschaften aus dem "Rendeler Hof", den die Familie Schneider in diesem Jahr verkaufen musste (diese Zeitung berichtete). Darunter befinden sich Holzkegel und Kugeln von der ehemaligen Kegelbahn, eine Trommel aus den 50er Jahren und andere erhaltenswerte Dinge. Die Sammlung des Karbener Heimatforschers Herbert Schuch umfasst eher sogenanntes "Flachwerk". Damit sind Schriften, Urkunden und Bilder gemeint. Solche Dinge kommen in der Regel in das Archiv des Geschichtsvereins in Petterweil.

"Leider mussten seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zehn bis zwölf Veranstaltungen im Heimatmuseum ausfallen", bilanziert Rainer Obermüller. "Gerade unsere beliebten Referate im Trauzimmer konnten wegen der begrenzten Platzzahl und den Abstandsregeln nicht stattfinden. Das wird auch erst einmal so bleiben müssen." Bei standesamtlichen Trauungen, die nach wie vor im Degenfeld’schen Schloss abgehalten werden, fänden zurzeit höchstens zehn Gäste Platz. Aber man wolle mit den Vorträgen natürlich viel mehr Menschen erreichen, stellt der Museumsleiter klar. Die Vorfreude über die Wiedereröffnung des Museums steht aber auch für ihn eindeutig im Vordergrund. 25 Leute kümmern sich ehrenamtlich um den Museumsdienst. "Und die lauern schon alle hinter den Türen und können es kaum abwarten, bis es wieder los geht", sagt Obermüller.

In Vorfreude auf die Grundschüler

Monika Heinz freut sich bereits auf die Kinder der Karbener Grundschulen. Im nächsten Frühjahr will die frühere Geschichtslehrerin wieder die Dritt- und Viertklässler durchs Museum führen. Historische Aspekte im Rahmen des Sachkundeunterrichts möchte sie den Jungen und Mädchen praktisch näher bringen. "Und ich bin jetzt schon gespannt auf die vielen Rückfragen, die wieder kommen werden", sagt sie. "Bei den alten Schreibmaschinen kann es schon mal vorkommen, dass die Kinder nach der Enter-Taste fragen. Beliebt sind der Kaufmannsladen und das historische Klassenzimmer. Bei den ausgestellten Berufen können sie sich interessanterweise vor allem für das Fleischerhandwerk begeistern." Überrascht sei sie immer wieder über die Kenntnisse zur jüdischen Geschichte und wie unverkrampft mit diesem Thema umgegangen werde. "Das kann nur mit der Aufklärung in der Schule und im Elternhaus zusammenhängen", glaubt Heinz.

Gern würde sie noch mehr vorhandene "Schätzchen" den Besuchern zeigen. Doch aus Platzgründen kann nicht alles in die Vitrinen gelangen. Besonders die zeitgenössische Mode habe es ihr angetan.

Privatführungen in Familiengröße könnten im Moment stattfinden, informiert Obermüller. "Wenn jemand bei uns anruft, findet sich immer eine Möglichkeit. Das Museum kann zu diesem Zweck aufgeschlossen werden."

Bei der Wiedereröffnung des Karbener Landschafts- und Heimatmuseums gelten ab November die gängigen Hygienebestimmungen: Mund- und Nasenschutz tragen, Abstand halten, Hände desinfizieren und das Ausfüllen eines Zettels zur Kontaktnachverfolgung bei Infektionen. Ein mögliches Einbahnstraßensystem in den Ausstellungsräumen und im Parterre wird derzeit noch diskutiert. Für regelmäßiges Durchlüften wird gesorgt werden.

Die Öffnungszeit bleibt: Jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Adresse: Westliche Ringstraße 2 in Groß-Karben. jsl

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