Momente, die deutsche Geschichte widerspiegeln

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"Zwischen zehn und 20 entscheidet sich, ob man Stern wird oder nur Schnuppe, oder ob man sein Leben lang in der großen Suppe herumschwimmt", schreibt Eva Demski in ihrem Buch "Den Koffer trag ich selber – Erinnerungen". Mitgebracht hat es die bekannte Autorin zu ihrer zweiten Lesung ins Karbener "Kuhtelier" Dieter Körber begrüßte als Vorsitzender die Autorin im Namen des Karbener Literaturtreffs und des gespannten Publikums. "Dieses Buch ist keine Autobiografie und kein Roman. Es hat mich lange begleitet. Ich habe inzwischen lieber meine Vermeidungsbücher geschrieben, also Bände über Katzen und den Garten", berichtet die Autorin.

"Zwischen zehn und 20 entscheidet sich, ob man Stern wird oder nur Schnuppe, oder ob man sein Leben lang in der großen Suppe herumschwimmt", schreibt Eva Demski in ihrem Buch "Den Koffer trag ich selber – Erinnerungen". Mitgebracht hat es die bekannte Autorin zu ihrer zweiten Lesung ins Karbener "Kuhtelier" Dieter Körber begrüßte als Vorsitzender die Autorin im Namen des Karbener Literaturtreffs und des gespannten Publikums. "Dieses Buch ist keine Autobiografie und kein Roman. Es hat mich lange begleitet. Ich habe inzwischen lieber meine Vermeidungsbücher geschrieben, also Bände über Katzen und den Garten", berichtet die Autorin.

In "Den Koffer trag ich selber – Erinnerungen" gewährt sie auf 400 Seiten Einblicke in ein ereignisreiches Leben. Es ist reich an Momentaufnahmen, die die deutsche Geschichte der vergangenen Jahrzehnte widerspiegeln. Zugleich ist es "ein Leben, das gar nicht erst hätte anfangen sollen", liest die 1944 Geborene. Demski erinnert, wie der Untertitel ankündigt, an Menschen, die ihr wichtig, teils prominent, waren. So wie ihre Oma Kitty "sie ist die Wiedergängerin in meinem Leben, sie ist mein Mythos". Oder sie erinnert sich an den Nachbarn, Freund und Verrisse liebenden Marcel Reich-Ranicki. "Etwas nahm mir die Menschen weg, die mir wichtig waren. Immer wieder." Sie schwelgt in Erinnerungen, ohne zu jammern. Das entspreche nicht ihrem Charakter. "Ich bin immer etwas herb, wenn gejammert wird", bekennt sie selbstkritisch.

Weihnachten mit Reich-Ranicki

Der Titel des Buches sei zweideutig. Er spiele auf die Last des Lebens an, beinhalte aber auch die Lust, selbst für sich verantwortlich zu sein. Pate für den Titel stand eine ihrer Marotten. "Ich packe immer alles wie das Material für meine Reiseberichte in grüne Mappen, die ich in kleinen Köfferchen aufbewahre, obwohl ich sesshaft bin."

Ihrem Publikum liest Demski Passagen aus den Nachkriegsjahren in ihrer Heimatstadt Regensburg und aus der Zeit in Frankfurt vor. Außerdem widmet sie sich dem umfangreichsten Kapitel ihrer Erinnerungen. Es heißt "Das überfüllte Jahrzehnt, gemeint sind die Jahre von 1964 bis 1974. Das Regensburg ihrer Kindheit war dunkel und grau und voller Geheimnisse, die in vielen düsteren Kellern unter den Kellern der Häuser schlummerten wie Krimifan Demski berichtete. Sie beschreibt, wie sie vom Regensburger Patrizierhaus mit den Eltern in eine Frankfurter Dachkammerwohnung zieht. Das sei eine schöne Zeit der Anarchie gewesen, in der das Fernsehen verbindendes Element zwischen vielen verschiedenen Welten, die der Kinder und die der Erwachsenen, bildete. Die Eltern waren dem Mief und der Kontrolle in der Kleinstadt entkommen. Die Tochter suchte sich wie "ein kleiner Planet" mit ihren Freunden ihren eigenen Weg. Sie kämpfte darum "ernst genommen zu werden", denn das sei die erste Hürde ins Erwachsenensein, gegen alle, die sagten "Es ist doch vorbei" (Zweiter Weltkrieg).

Sie erzählt, wie es sich anfühlte, jung zu sein in politisch unruhigen Zeiten. Amüsant wird es, wenn sie an die zwölf gemeinsamen Weihnachtsabende mit dem Ehepaar Reich-Ranicki und meist zwölf anderen Gästen erinnert. Dann las der bekannte Literaturkritiker aus dem Lukasevangelium, um anschließend gnädig zu urteilen: "Ist gar kein schlechtes Buch!"

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