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Da ist sie wieder: Kabarettistin Sarah Hakenberg präsentiert in der Karbener Kulturscheune auf Einladung der Kulturinitiative vorab ihr Programm »Wieder da«.

Mit Biss zurück auf der Bühne

  • VonChristine Fauerbach
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Karben (cf). »Wieder da!« in Karben war Sarah Hakenberg. Zum dritten Mal rockte die Kabarettistin und Liedermacherin mit bissig-brillanten Scherzen, mitreißenden Schmähliedern, raffinierten Protestsongs und unverfrorener Ohrwürmern das Publikum in der Kulturscheune des Jugendkulturzentrums (Jukuz) Selzerbrunnen.

Die Künstlerin bevorzugte angesichts der nasskalten Witterung die Bühne in der Kulturscheune vor der Open-Air-Bühne auf dem Gelände. Auf Einladung der Kulturinitiative Karben (KiK) präsentierte Sarah Hakenberg in Karben eine Vorpremiere ihres neuen Musik-Kabarett-Programms »Wieder da!« mit dem sie derzeit durch das Rhein-Main-Gebiet tourt.

Gäste sind im 2-G-Modell

Den Gäste - alle im 2-G-Modus - ist ein Abend zum Genießen geboten worden. Die mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnete Liedermacherin hat auch nach längerer Bühnenpause nichts von ihrem Biss eingebüßt. Hakenberg gibt ihrer Freude darüber Ausdruck, dass sie wieder auf den Brettern, die für sie die Welt bedeuten steht und ihre An- und Einsichten mit dem Publikum teilen kann. Erst wurde sie durch eine längere Babypause in ihrem Drang zurück auf die Bühne zu kommen ausgebremst und dann vom Corona-Lockdown.

»Ich bin gut durch die Krise gekommen. Meine Kids fanden es total lustig für ein paar Monate unter der Brücke zu leben. Und gegessen haben die sowieso noch nie so viel«, verrät sie. Zwar habe sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren viel mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht als zuvor, doch das hatte auch Schattenseiten, denn die müssen um 8 Uhr in der Kita sein. Und erklärt das Dilemma: »Mein Mann ist in allen Sachen, die keinen Spaß machen, viel kompetenter als ich es bin.«

Doch jetzt ist sie wieder da, ebenso wie Musiker, die fleißig proben und Schüler, die zur Schule gehen. »Wir waren alle nur mal kurz weg und sind jetzt wieder da. Ach, wie schön es doch vorher war.« Zur Hochform läuft die Mutter auf als sie das Weltbild im Kinderbuch »Leo Lesemaus« auseinandernimmt. In der Mäusefamilie werden alle Rollenklischees bestätigt und fragwürdige Botschaften verbreitet wie Hakenberg anhand zahlreicher Zitate belegte. Wer die Künstlerin im kleinen Schwarzen, High Heels und charmantem Lächeln auf der Bühne stehen sieht, kann kaum glauben, welche bissig-brillanten Scherze und staubtrockenen Liedtexte zu eingängigen Melodien aus ihrem Mund kommen.

Wie sie die nächste Krise besser bewältigen könnte, besingt sie zu Ukulelenklängen in ihrem Lied »SUV«: Die Pointe »Alles vergessen!« singt das Publikum spontan mit. Adressaten ihres boshaft-heiteren Spotts sind unter anderem unpolitische CDU-Wähler.

Ex-US-Präsident Donald Trump widmete sie das Lied »Der Riesenkürbis«, aber auch schadenfrohe Vermieter, unentspannte Eltern und pathologische Wohnzeitschriften-Leserinnen bekommen ihr Fett weg. Fröhlich plaudernd informiert sie ihre Wetterauer Fans über »Abgründe, die in unserem Inneren schlummern und vom großen Wirrwarr da draußen«. Besser werde die Welt dadurch auch nicht, aber zumindest besser erträglich.

Über ihren Frust beim Texten und Komponieren singt sie im Song »Reinhard Mey«.

Hakenberg findet wie ihr Publikum sichtlich Gefallen an ihren mit feiner Ironie durchwirkten Wortbeiträgen, bitterbösen Gags und kritisch-heiteren Liedern. Stürmisch herbeigeklatscht wurden daher auch die zwei Zugaben.

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