»Mir fehlt die Zuversicht der Bürger«

  • vonChristine Fauerbach
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Karben (cf). Die Corona-Epidemie fordert auch die Stadtverwaltungen in vielerlei Hinsicht. Sie müssen beispielsweise Notdienste in den Kindertagsstätten einrichten und Hotlines für Hilfsbedürftige anbieten. Die Beschäftigten sind teilweise ins Homeoffice gezogen, haben nur über Telefon Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Es gilt vieles andere mehr zu regeln, und es gibt viele Fragen, denn eine solche Situation hat es auch für die Kommunen noch nicht gegeben. Zudem gilt es, die Wasser- und Stromversorgung sowie die Müllabfuhr aufrechtzuerhalten. Ein Gespräch mit Bürgermeister Guido Rahn über die derzeitige Situation in der Karbener Verwaltung.

Welche Belastungen hat die Corona-Krise für die Stadtverwaltung?

Allein schon die Entscheidung, welche Einrichtungen geöffnet bleiben oder geschlossen werden, wie Schwimmbad, Kitas, Bücherei, Trauerhallen, war nicht einfach. Teilweise geöffnet ist die Zulassungsstelle. Und an Beerdigungen in Karben dürfen zwölf Personen teilnehmen.

Die Verwaltung ist geschlossen. Wie funktioniert der Alltag?

Von über 300 Mitarbeitern ist die Hälfte im Dienst. Nach Hause geschickt haben wir Mitarbeiter mit Vorerkrankungen, Ältere, Mitarbeiter mit kleinen Kindern und Urlaubsheimkehrer.

Einige Mitarbeiter sind im Homeoffice. Der Besuchsverkehr in der Stadtverwaltung wurde auf Null gefahren. Die Kommunikation läuft übers Telefon oder E-Mails. Der direkte Kontakt zum Bürger fehlt. Im Gespräch vor Ort lässt sich vieles besser regeln.

Wie ist das in systemrelevanten Bereichen organisiert?

Für systemrelevante Bereiche wie Müllabfuhr, Kläranlage, Wasserversorgung oder Stadtkasse haben wir Zweier-Teams gebildet. Normalerweise sind die Gruppen mindestens doppelt so groß. Im Bauhof arbeitet die Hälfte der Mitarbeiter, 60 sind zu Hause.

Wie viele Kinder werden von wie vielen Erziehern notbetreut?

In den Kitas haben wir derzeit einen Traumschlüssel. In zwei Kitas sind bis zu 20 Kinder in der Notbetreuung. Sie werden von vier bis fünf Erziehern pro Kita betreut. Normalerweise kommen zwei Erzieher auf 25 Kinder.

Welche Probleme gibt es in der und für die Stadt?

Jeden Tag gibt es neue Vorschriften. So dürfen seit Dienstag Eisdielen nicht mehr ausliefern. Die Stadt unterstützt Restaurants, lässt jeden Tag von einem anderen das Essen für die Mitarbeiter liefern.

Was bereitet Ihnen derzeit am meisten Sorgen?

Es gibt in der Presse zu viel Negativberichterstattung. Wir haben 15 000 Bürger, die von Corona genesen sind. Mir fehlt die Zuversicht, ein »Wir schaffen das!« in der Bevölkerung.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie für die Stadt Karben?

Bereits in der ersten Woche hatten wir 100 000 Euro weniger Gewerbesteuereinnahmen. Viele Firmen wünschen sich eine Herabsetzung. Der Verzicht auf Kita-Gebühren bedeutet für die Stadt rund 80 000 Euro weniger Einnahmen pro Monat. Auch die Einnahmen im Schwimmbad oder im Wertstoffhof fehlen. Wir haben in 14 Tagen einen Verlust in Höhe von rund einer Viertelmillion Euro. Nach Ostern sollten seitens der Regierung Lockerungen ergriffen werden.

Wie verhalten sich die Bürgerinnen und Bürger?

Die meisten sind einsichtig, nehmen Rücksicht. Beschwerden kommen aber beispielsweise, weil der Wertstoffhof geschlossen ist.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Ich wünsche mir, dass sich angesichts der Krise mehr Leute dazu entscheiden, den täglichen Bedarf in den Geschäften vor Ort einzukaufen und nicht im Internet.

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