Das Unternehmen Breitfeld & Schliekert bildet u. a. Fachkräfte für Lagerlogistik aus, berichten Silke Momberger (M.) und Bettina Wilke (l.). Es gibt aber noch weitere Ausbildungsstellen. Anna Wolny ist im zweiten Lehrjahr zur Kauffrau für Groß- und Außenhandel. FOTO: SDA
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Das Unternehmen Breitfeld & Schliekert bildet u. a. Fachkräfte für Lagerlogistik aus, berichten Silke Momberger (M.) und Bettina Wilke (l.). Es gibt aber noch weitere Ausbildungsstellen. Anna Wolny ist im zweiten Lehrjahr zur Kauffrau für Groß- und Außenhandel. FOTO: SDA

Ausbildung in der Wetterau

Mehr Stellen, weniger Azubis

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Viele Schulabgänger entscheiden sich für die Uni - und Ausbildungstellen bleiben nicht selten unbesetzt. Wie sich die Situation in den vergangenen Jahren verändert hat, berichtet Silke Momberger von Breitfeld & Schliekert aus Karben.

Es war nicht optimal, letztlich hat es aber funktioniert. "Bis eine Woche vorher wussten wir nicht, ob die Prüfungen stattfinden", erzählt Nikolai Ersayan. Dann, am 29. Juli, haben er und seine Klassenkameraden aus der Berufsschule doch ihre praktische Abschlussprüfung abgelegt. Die Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik ist damit beendet, Nikolai Ersayan ist übernommen worden und arbeitet weiter im Lager der Firma Breitfeld & Schliekert im Karbener Industriegebiet.

Das ist nicht selbstverständlich. Corona hat sich auch in dem auf Optikerprodukte spezialisierten Unternehmen bemerkbar gemacht. Die meisten Mitarbeiter waren und sind zum Teil noch in Kurzarbeit.

Breitfeld & Schliekert, eine Firma, die 1927 gegründet wurde und 1948 von Berlin nach Karben gezogen ist, verkauft hauptsächlich Produkte an Optiker - in Deutschland sowie im Ausland. Brillen gehören ebenso zum Sortiment wie Einzelteile (zum Beispiel Nasenbügel oder Schräubchen für die Fassung), Werkzeuge (Zangen) und Maschinen zum Schleifen der Gläser. "Gerade im Saisongeschäft - für Sonnenbrillen, Tauchmasken und Schwimmbrillen - hatten wir einen sehr starken Einbruch", sagt Bettina Wilke, die die Marketing-Abteilung leitet. Und: "Viele Optiker waren aufgrund ihrer persönlichen Geschäftslage während der Pandemie verunsichert und haben sich mit Investitionen und Bestellungen extrem zurückgehalten."

Noch Stellen offen

Die Auszubildenden in der Firma, aktuell zehn, sind allerdings nicht in Kurzarbeit geschickt worden. Anna Wolny zum Beispiel war die vergangenen fünf Monate im Betrieb - zwar an anderen Stellen eingesetzt als noch zu Beginn des Jahres geplant, dennoch gab es für die Auszubildende genug zu tun. Seit 2018 macht sie in der Firma eine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel, war bisher in einigen Abteilungen eingesetzt - etwa im Verkauf, in der Buchhaltung oder im Export, wie sie erzählt.

Dass sie nach ihrem Abitur eine Ausbildung angefangen hat, ist heutzutage eher ungewöhnlich. Das weiß auch Silke Momberger, die Personalleiterin im Unternehmen. "Heute heißt es eher: Abi und dann Studium", sagt sie.

Die Zahl der Bewerber im kaufmännischen Bereich sei in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Überhaupt gebe es auch weniger Bewerber mit Realschulabschluss (den man für eine kaufmännische Ausbildung mindestens braucht): "Die meisten Realschüler wollen weiter Schule machen." Anders in der Lagerlogistik. Die Ausbildung kann nach der Hauptschule begonnen werden. Dort seien die Bewerberzahlen in den vergangenen Jahren konstant geblieben.

Dass jedoch in diesem Jahr weniger Bewerbungen gekommen seien, sei wohl vor allem durch Corona bedingt gewesen. Der April, sagt Momberger, in dem für gewöhnlich die Ausbildungsstellen besetzt werden, sei in diesem Jahr ohnehin anders gewesen - auch weil es durch die Situation und die Kurzarbeit im Unternehmen intern viel zu regeln gab. Daher sei man nicht so offensiv auf Azubi-Suche gegangen wie sonst - zum Beispiel seien Vorträge in Schulen oder Ausbildungsmessen weggefallen. Gleichzeitig seien aber auch viel weniger Bewerbungen gekommen als in den Jahren zuvor. Aber, sagt Momberger: "In den letzten beiden Wochen kamen dann vermehrt noch Anfragen." Und da das Unternehmen noch offene Azubi-Stellen habe, werde man eventuell noch einstellen. "Es ist ja nicht in Stein gemeißelt, dass die Ausbildung im August anfangen muss."

Rund 100 Mitarbeiter hat Breitfeld & Schliekert. Die Firma bildet in drei Berufen aus: Pro Ausbildungsjahr seien in der Regel zwei Azubis im kaufmännischen Bereich eingestellt worden, zwei in der Lagerlogistik sowie ein Mediengestalter. Kürzlich ist die Azubi-Zahl in der Logistik sowie bei den Kaufmännern und -frauen verdoppelt worden auf vier pro Jahr.

Die Auszubildende Anna Wolny jedenfalls ist froh, sich für diesen Weg statt für ein Studium entschieden zu haben, erzählt sie. Wobei: Zuerst habe es sie auch an die Uni gezogen. Dort habe sie jedoch schnell gemerkt, dass der von ihr gewählte Studien- gang Wirtschaftswissenschaften nicht das ist, was sie machen möchte. "Ich habe mich dann umgeschaut und für die Ausbildung entschieden." Das sei der richtige Weg für sie gewesen: "Es ist besser, wenn man erst einmal Berufserfahrung sammeln kann."

Ausbildung in Zahlen

Zum 1. August beginnt das neue Ausbildungsjahr. Ein späterer Einstieg ist allerdings noch möglich. Wie es vonseiten der Arbeitsagentur heißt, haben sich im Wetteraukreis in diesem Jahr 1933 Bewerber gemeldet (Statistik vom Juli) - das sind 157 weniger als im vergangenen Jahr. Demgegenüber stehen 1532 Ausbildungsstellen (2019: 1484). Laut Arbeitsagenturstatistik gibt es bisher 631 unversorgte Bewerber sowie 621 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Wer mehr über mögliche Berufe wissen möchte: Zum Thema Ausbildung hat der Wetteraukreis einen sogenannten Ausbildungsatlas herausgegeben. Darin finden sich zahlreiche Profile von Berufen, die man in der Wetterau lernen kann.

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