Mehr als Briefe an den Vater

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Es war ein furioser und gehaltvoller Literaturabend. Unter der Überschrift "Vater-Sohn-Konflikte in der Literatur" eröffnete der Literaturtreff sein Jahresprogramm. Vorsitzender Dieter Körber begrüßte die Gäste und bat um ein stilles Gedenken an die treue Freundin und Begleiterin des Vereins, Beate Hoffarth, die mit ihrem Gitarren- und Harfenspiel in all den Jahren für manchen musikalischen Höhepunkt gesorgt hatte.

Es war ein furioser und gehaltvoller Literaturabend. Unter der Überschrift "Vater-Sohn-Konflikte in der Literatur" eröffnete der Literaturtreff sein Jahresprogramm. Vorsitzender Dieter Körber begrüßte die Gäste und bat um ein stilles Gedenken an die treue Freundin und Begleiterin des Vereins, Beate Hoffarth, die mit ihrem Gitarren- und Harfenspiel in all den Jahren für manchen musikalischen Höhepunkt gesorgt hatte.

Das Programm wurde musikalisch von Pianistin Martina Riedel mit dem Musikstück "Fathers and Sons" eröffnet, die das weitere Programm musikalisch begleitete. Mit der Sophokles’schen Sage von Ödipus führt Körber in das Thema ein. Ödipus, der unwissend seinen Vater im Kampf tötet, seine leibliche Mutter heiratet und mit ihr Kinder zeugt. Wie Körber weiter ausführt, hat Sigmund Freud die Sage als Metapher für das von ihm beschriebene Gefühlsgeflecht der frühkindlichen sexual-erotischen Entwicklung benutzt. In das Thema "Erste Liebe" führt Rosie Cordsen-Enslin anhand eines Essays von Rüdiger Zill ein.

Kinderbuchautorin Annette Wibowo übernimmt die Vorstellung von Iwan Turgenjews Novelle "Erste Liebe" aus dem Jahr 1860. Wibowo übernimmt im Fortgang des Abends in heiter-launiger Weise die Moderation des Programms.

Rosie Cordsen-Enslin stellt den Roman "Salzwasser" von Charles Simmons aus dem Jahr 1999 als ein kleines Meisterwerk vor. Allein für den ersten Satz verdiene Simmons einen Preis: "Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank", zitiert Cordsen-Enslin. Der Roman ist an Turgenjews Novelle angelehnt.

Schiller, Kafka und Geiger

Barbara Metz und Dieter Körber haben aus Schillers vielschichtigem Drama "Don Carlos" zwei beispielgebende Szenen gewählt. Das Gespräch Domingos (Beichtvater des Königs) mit Don Carlos, dem Infanten von Spanien. Die zweite Szene schildert den Versöhnungsversuch von Don Carlos mit seinem Vater, der jedoch kläglich scheitert. Metz und das neue Mitglied Michael Rettinger stellen sehr eindrucksvoll und gekonnt Kafkas "Brief an den Vater" vor. Die professionelle Interpretation Michael Rettingers wird durch die von Barbara Metz gelesenen Originalzitate zu einem berührenden Erlebnis für die Besucher.

Karin Schrey bespricht John Steinbecks "Jenseits von Eden". Der Roman beschreibt zwei Brüder und ihr Verhältnis zum Vater. Das Kain-und-Abel-Thema zieht sich durch das gesamte Werk. Hans-Martin Thomas trägt ein Referat über Siegfried Lenz’ "Deutschstunde" vor. Als stark berührenden Abschluss erleben die Besucher Heidi Walters Besprechung des Romans von Arno Geiger: "Der alte König in seinem Exil". Es ist die Schilderung der Alzheimer-Erkrankung des Vaters. Im Laufe der Erkrankung erfuhr die Beziehung des Autors zu seinem Vater, dem er sich lange nicht sonderlich nahe fühlte, eine Wandlung – eine liebevolle Hinwendung zu dem alten, kranken Mann.

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