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Katja Bohn-Schulz

»Mehr als nur Sterbebegleitung«

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Karben (pm). Die Nachfrage an stationären Hospizunterbringungen steigt - nicht zuletzt weil die Qualität der Versorgung durch hohen Standard überzeuge. Die Einrichtungen sind klein und verfügen über acht bis zwölf Betten, um eine geborgene Atmosphäre bieten zu können. Derzeit reichen die bundesweit vorhandenen Betreuungsplätze bei Weitem nicht aus.

Deshalb soll der Wetteraukreis ein stationäres Hospiz erhalten, da es im Kreis bisher keine entsprechende Einrichtung gibt.

Darüber hinaus gibt es ambulante Hospizdienste, die ihre Begleitungen in stationären Pflegeeinrichtungen oder in häuslicher Umgebung anbieten. »Der Förderverein ist zur Ergänzung der vorhandenen mobilen Angebote gegründet worden«, teilt Laura Macho von den Freien Wählern Karben mit. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung auf Antrag der Freien Wähler den Beitritt der Gemeinde zum Förderverein Hospiz für den Wetteraukreis beschlossen.

»Damit möchten wir das erste stationäre Hospiz in der Wetterau unterstützen«, schreibt Macho es in einer Pressemitteilung. Die Einrichtung möchte eine würdige Sterbebegleitung in einer wohnlichen Atmosphäre und mit der nötigen medizinisch-pflegerischen Versorgung ermöglichen«, so die Stadtverordnete Macho.

Betrieb mehr als ein Jahr gesichert

Bei einem Termin mit der Stadtverordneten der Freien Wähler aus Bad Nauheim, Katja Bohn-Schulz, die zudem auch Vorstandsmitglied des Fördervereins Hospiz Wetterau ist, haben sich die Fraktionsmitglieder der FW über den Sachstand und das weitere Vorgehen informiert. »Bereits vor einer Eröffnung des Hospizes ist es erforderlich, den finanziellen Grundstock für die Absicherung zu legen«, erläuterte Bohn-Schulz. »Die Wetterau benötige schon lange ein Hospiz, und man sei dankbar, dass sich nun diese perfekte Lösung abzeichne«, so Bohn-Schulz. Da die Kosten des Hospizes nicht zu 100 Prozent von den Krankenkassen gedeckt würden, sei es gesetzlich vorgeschrieben, dass die Deckungslücke durch einen Förderverein aufgebracht wird. »Wir haben seit unserem Bestehen ab März 2019 durch verschiedene Aktionen bereits die Mittel gesammelt, die den Betrieb des Hospizes bereits über das erste Jahr hinaus sicherstellen«, erläuterte Bohn-Schulz.

Außerdem teilt Macho mit, dass der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Karben Sitzungsgelder an die Karbener Ambulante Hospizhilfe gespendet habe. »Die Summe ist insbesondere in Coronazeiten beachtlich«, freut sich die Vorsitzende und Koordinatorin Uschi Jacobsen von der Hospizhilfe Karben.

»Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Covid-19-Pandemie war es nicht möglich, Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit wie Info-Stände und Veranstaltungen, Tage der offenen Tür, öffentliche Veranstaltungen etc. für Einnahmen zu organisieren«, teilte sie Laura Macho in einem Gespräch mit. Damit fehle Geld.

»Im Mittelpunkt der Hospizarbeit steht der schwerstkranke und sterbende Mensch mit seinen Wünschen und Bedürfnissen sowie seine Angehörigen und Nahestehenden«, erklärt Jacobsen. Einer der am häufigsten geäußerten Wünsche sei, bis zum Lebensende zu Hause oder im vertrauten Umfeld bleiben zu können. Dies zu ermöglichen, sei eine der wesentlichen Aufgaben der ambulanten Hospizdienste. Besonderes Merkmal der ambulanten Hospizarbeit sei der Dienst ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Sterbenden einen Wunsch erfüllen

»Aufgrund der großzügigen Spende können wir nun auch neben der Qualifizierung unserer Sterbebegleiter/innen auch in der Trauerbegleitung ausbilden«, sagt Jacobsen. »Mit dem Polster können wir auch Sterbenden noch den einen oder anderen Wunsch erfüllen, sei es eine Schachtel Pralinen, ein Friseurbesuch oder was auch immer«, weiß sie aus langer Erfahrung.

»Wir Ehrenamtlichen begleiten und unterstützen Familien, deren Angehöriger unheilbar erkrankt ist oder an einer lebensverkürzenden Erkrankung leidet, daheim oder in den beiden Karbener Pflegeeinrichtungen. Unser Engagement gilt dem Erkrankten wie auch den weiteren Angehörigen gleichermaßen«, so Jacobsen. »Um es vorwegzunehmen, die Hospizmitarbeiter/innen leisten Großartiges und kümmern sich liebevoll und versuchen nach Kräften, den Menschen die Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen«, sind sich Laura Macho und Thorsten Schwellnus (FW) mit der Hospizhilfe einig.

Auch stationäre Hospize, meist durch gemeinnützige Vereine betrieben, leisteten mehr als nur Sterbebegleitung. Ein stationäres Hospiz sei keinesfalls »Konkurrenz«, sondern eine wichtige Ergänzung für all diejenigen, die nicht zu Hause betreut werden können, bestätigt Jacobsen gegenüber den FW. FOTO: PRIVAT

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