Erzählcafé

Wo Männer ins Reden kommen

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Dem Reden und Austausch kommt im Alter eine besondere Rolle zu, es schützt vor Einsamkeit. Ein Grund, warum es im Klein-Karbener Johanniter-Stift, ein Erzählcafé für Männer gibt.

Jeden Mittwoch treffen sich Herbert Klug, Alfred Scheurich und andere Senioren des Johanniter-Stifts in Klein-Karben zu einem einzigartigen Gesprächskreis. Das Erzählcafé ist eine Runde nur für Männer. Meist sind es Frauen, die zusammenkommen, um sich auszutauschen. Sie knüpfen auch im Alter leichter Kontakte. Männer ziehen sich im Seniorenheim zurück. "Vereinzelung" nennt das der Moderator der Gesprächsrunde, Norbert Greulich. Um dem Abkapseln entgegenzuwirken, suchte der ökumenischen Besuchsdienst nach Lösungen. Angebot ist Teil des Besuchsdienstes

Irgendwann las Greulich einen Bericht über den Besuchsdienst. Damit war sein Interesse sofort geweckt. Als langjähriges Mitglied des Kirchenvorstands in Klein-Karben war der Kontakt zu älteren Mitmenschen für ihn normal. Er hatte sich immer in der Gemeinde engagiert. Mit seinem Eintritt in den Vorruhestand vor sechs Jahren bekam er die nötige Freizeit, um sich zu engagieren.

"Damals habe ich mir angeschaut, was ich in dem Haus bewirken kann", erzählt der 68-Jährige. Vor vier Jahren wurde die Männerrunde gegründet. "Als ich anfing, waren die männlichen Heimbewohner deutlich in der Minderheit. Doch auch das hat sich gewandelt. Aus der Anfangszeit ist nur noch ein Herr übrig, viele sind verstorben."

Greulich zollt den Herren, die zu den Treffen kommen, Respekt. Die meisten Senioren sind eingeschränkt, sie sitzen im Rollstuhl oder benutzen einen Rollator. All das hindert sie nicht daran, zum Erzählcafé zu kommen. Sie nehmen ihre Situation an. Gesprächsthemen gibt es genug. Oft ergeben sie sich aus der Biografie der Herren. Dann erzählen sie Geschichten aus dem Leben. Da die Teilnehmer fast alle im gleichen Alter sind, ergänzen sich die Gespräche ideal.

Berufsleben als Thema

Wie war das früher mit der Berufswahl? Welche Erfahrungen hat man gemacht? Immer wieder Ansätze für Gespräche bietet das Berufsleben. Die Senioren kommen aus unterschiedlichen Branchen, da ergeben sich schnell Themen.

"Natürlich habe ich vor jedem Treffen ein Thema in petto", verrät Greulich. "Aber das brauche ich gar nicht. Die Männer kommen von ganz alleine ins Reden." Als die Herrenrunde vor vier Jahren startete, sei das anders gewesen. "Alle haben zunächst nur mit mir geredet. Die Kommunikation untereinander hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt." Herbert Klug lebt seit zwei Jahren zusammen mit seiner Ehefrau im Johanniter-Stift. Der Bad Vilbeler Ehrenstadtrat fühlt sich sehr wohl und freut sich, wenn wieder eine Männerrunde ansteht. "Es ist eine Abwechslung zum normalen Tagesablauf", sagt er. "Zeitgeschichte wird genauso besprochen wie Aktuelles. Wir reden über so viele verschiedene Dinge." Meinungsaustausch ist wichtig

Sein Gesprächspartner Alfred Scheurich sieht das ebenso. Für den Senior aus Unterfranken ist der Meinungsaustausch sehr wichtig. Großes Lob hat er für seine neue Heimat in petto: "Hier habe ich mich gleich zu Hause gefühlt."

Das ist für Heimleiterin Elisabeth Amon und ihr Team das schönste Kompliment. Eine Männerrunde als Gruppenangebot kenne sie aus anderen Einrichtungen nicht. "Schön, dass es hier angeboten wird", sagt sie. "In unserem Haus haben Männer zahlenmäßig aufgeholt." 25 bis 30 Prozent der Bewohner seien männlich.

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