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Martin der Geiger spielt im Hof des ASB-Seniorenheimes beschwingte Melodien. FOTOS: JÜRGEN SCHENK

Lieder voller Erinnerungen

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Livemusik ertönte am Mittwoch an zwei Stellen in Karben. Standkonzerte mit Trompete, Violoncello und Geige fanden über den Tag verteilt im Innenhof des Johanniter-Stiftes in Klein-Karben und am ASB-Seniorenheim in Groß-Karben statt. Es waren musikalische Darbietungen, die viele strahlende Gesichter und auch die eine oder andere Träne hervorlockten.

B erufsmusiker spielten ehrenamtlich und unter strengen Hygienevorschriften für die alten Menschen vor Ort am Klein-Karbener Johanniter-Stift und Groß-Karbener ASB-Seniorenheim. Lieder voller Erinnerungen wurden von den Bewohnern gehört und teilweise mitgesungen. "Ännchen von Tharau", "Am Brunnen vor dem Tore", "Kein schöner Land" - Volksweisen wie diese erzeugten rasch Melancholie. Mit Trassierband abgesperrte Bereiche, Maskenpflicht und große Sicherheitsabstände verstärkten auf andere Art dieses Stimmungsgefühl. Dennoch: Musik scheint in dieser kontaktlosen Zeit wie ein Silberstreif am Horizont zu wirken.

"Sie ist ein Türöffner für die Herzen", glaubt Einrichtungsleiterin Elisabeth Amon vom Klein-Karbener Johanniter-Stift. Im April war das Seniorenheim vom Coronavirus betroffen, jetzt stehen die Zeichen auf vorsichtige Lockerung. Das Konzert sei das erste nach den strikten Maßnahmen im März. Weitere würden zu gegebener Zeit folgen. "Die Bewohner haben es wieder genossen. Es war eine runde Sache. Wir brauchen solche Konzerte, von denen möglichst viele Leute etwas haben. Schön ist auch, dass Karbener für Karbener da sind", unterstrich Amon die positiven Signale an diesem Morgen.

Dem Ehepaar Markus Bebek (Trompete) und Lydia Blum (Violoncello) aus Groß-Karben machte es sichtlich Freude, im Johanniter-Stift aufzuspielen. Ihr Herz ging auf, als eine Bewohnerin ihnen zurief, sie habe jede Melodie direkt erkannt. Das Publikum saß auf Stühlen in der Morgensonne, unter einem Pavillon oder lauschte von den Fenstern aus. Nach jedem Stück schenkte es den Musikern einen herzlichen Applaus.

"Wir hatten uns überlegt, den Leuten im Heim eine Freude zu machen", erzählte Opernmusiker Bebek. "Über Pfarrer Giesler von der evangelischen Kirchengemeinde Klein-Karben kam der Kontakt zustande. Wir kennen ihn schon länger, weil wir öfters in der Kirche Musik machen. Für das Konzert haben wir nur Stücke ausgewählt, die die alten Leute kennen, also Lieder ihrer Generation." Das Musikerehepaar hat derzeit auch mit den Auswirkungen der Krise zu kämpfen: Er hat Kurzarbeit angemeldet, sie kann ihre Musikkurse nur noch online geben. Trotzdem bleiben sie zuversichtlich. "Vielleicht geht es im Herbst wieder los", lautet ihre Zukunftsdevise.

Sogar ein Tänzchen im Speisesaal

Martin Döbler, auch bekannt als Martin der Geiger, zeigte am Nachmittag für die Bewohner im ASB-Seniorenheim sein Können. Stilgerecht im Frack intonierte er Schlagermelodien und Walzer. Mit dem Seemannslied "La Paloma" erfüllte er unter anderem den Wunsch eines Sohnes, dessen Mutter in dem Haus wohnt. Wegen der Kontaktsperre ist ein persönliches Treffen derzeit kaum möglich. Um die alten Menschen zu schützen, wurde das Konzert in zwei 30-minütige Hälften geteilt.

Die erste Hälfte fand auf dem Vorhof des Seniorenheimes statt, wo das Publikum vom Speisesaal und von den Balkonen aus zusehen konnte. Danach ging es in den Garten mit der Möglichkeit, dass andere Heimbewohner den Geiger in Aktion bewundern konnten.

Es sei einfach toll, wie die Leute sich an die Melodien erinnern und die Musik genießen, fand Döbler. Im Speisesaal konnte man sogar ein Tänzchen beobachten.

Horst Preißer, Vorsitzender des Karbener Seniorenbeirates, hatte alles mit der Heimleitung in die Wege geleitet. "Allerdings noch vor Corona", bemerkte er. "Auf dem Petterweiler Weihnachtsmarkt habe ich Herrn Döbler getroffen. Dort kam erstmals die Idee auf. Durch die Situation in der Pandemie bot sich das Konzert jetzt natürlich erst recht an."

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