Liebe, Laszivität, Leiden

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Der Karbener Literaturtreff wagte kürzlich eine literarische Reise in den Iran und in den Irak. Dabei wurden historische Literatur und neuzeitliche Werke präsentiert. Zum Ausklang gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema "Goethes Sicht im westöstlichen Divan auf den Orient und seinen Dichter Hafis".

Der Karbener Literaturtreff wagte kürzlich eine literarische Reise in den Iran und in den Irak. Dabei wurden historische Literatur und neuzeitliche Werke präsentiert. Zum Ausklang gab es eine Podiumsdiskussion zum Thema "Goethes Sicht im westöstlichen Divan auf den Orient und seinen Dichter Hafis".

Dieter Körber, der zweite Vorsitzende des Vereins, lobte Almut Rose und Hans Kärcher, die die Organisation des Abends inne hatten. Die beiden erläutern die Entwicklung der Literatur im persischen und arabischen Sprachraum, beginnend in Bagdad um 800. Zur Einstimmung wurden historische Landkarten und Fotografien von Szenen aus den Ländern als Präsentation gezeigt.

Das Leseprogramm begann mit Erzählungen aus 1001 Nacht. In der Rahmenerzählung vom beleidigten König Scheherban werden dessen Tötungspläne durch die erzählende Scheherazade aufgegeben. Fritz Böhner wandte sich dem populären Teil der Erzählungen zu und las von Aladin und seiner Wunderlampe. Barbara Metz widmete sich den erotischen Erzählungen. Sie erläuterte die besondere Stellung dieser Art von Erzählungen, die sie unterteilte in die altarabischen Erzählungen aus der Zeit vor dem Islam, die Werke aus Basra und Bagdad, in denen es um das Liebesleben und Liebesabenteuer geht, sowie die Erzählungen aus Kairo, in denen Laszivität nichts Ungewöhnliches mehr ist. Eindrucksvoll unterhält Metz mit dem Vorlesen von Heinrich Heines Lied "Der Asra". Sie stellte Texte von Hafis, einem der bekanntesten persischen Lyriker und Mystiker, vor. Einen klangvollen Eindruck der Lyrik von Hafis vermitteln die Muttersprachler Zeinab Miranzadeh und Mohammad Mousavi, mit ihrem Vortrag in Persisch. Almut Rose ergänzte die Rezitation mit der deutschen Übersetzung.

Manfred Mattner stellte ein Kuriosum vor: Einen Text von Karl May, der weder Amerika noch dem Orient jemals bereist hat. Trotzdem gelingt es ihm, einen schiitischen Leichenzug in Nadschef verblüffend genau und realitätsnah zu beschreiben. Almut Rose präsentierte moderne Literatur, wie den Roman "Lolita lesen in Teheran", von Azar Nafisi. Nafisi, Dozentin für englische und amerikanische Literatur, schildert in ihrer autobiografischen Erzählung ihre Vertreibung aus dem Lehrbereich im Iran, "weil das Lehren der amerikanischen Literatur die Jugend verderbe", so zumindest die offizielle Begründung.

Claudia Weishäupl stellte den Roman "Die Orangen des Präsidenten" von Abbas Khider vor. Sie las eine düstere Passage von gequälten, gefolterten und gedemütigten Gefangenen, die an Saddams Geburtstag voller Hoffnung auf Amnestie warten und letztlich zum Spott mit einer Orange beschenkt werden. Im neuen Format der literarischen Reise des Literaturtreffs gestalten Almut Rose, Dieter Körber und Hans Kärcher, eine Podiumsdiskussion. Dieses literarische Streitgespräch untersuchte, inwieweit Goethe in seinem westöstlichen Diwan von Hafis Gedichten beeinflusst war und wie sein Blick auf den Orient sich aus dem Interesse an Hafis entwickelt hat.

Leider habe die Diskussion wegen eines betrunkenen Randalierers jäh abgebrochen werden müssen, bedauert Körber.

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